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Grundschul-Schließung
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Ernsbachs Ortsvorsteher: Entscheidung über Grundschule hat „viele schlaflose Nächte beschert“

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Der Ortschaftsrat Ernsbach hat nun eine große Verantwortung – sowohl dem eigenen Ort wie auch den anderen Orten der Stadt Forchtenberg gegenüber. Sitzungsleiter und Ortsvorsteher Werner Engel berichtet im Vorfeld, wie er die Situation sieht.

Hunderte Herzen hängen im Eingangsbereich der Ernsbacher Grundschule: So wollen die Gegner der Schließung ihren Protest deutlich machen.
Hunderte Herzen hängen im Eingangsbereich der Ernsbacher Grundschule: So wollen die Gegner der Schließung ihren Protest deutlich machen.  Foto: Götz Greiner

Der Ernsbacher Ortschaftsrat hat am Donnerstag eine ungewohnte Rolle: Er darf eine Entscheidung treffen – er muss über die Schließung der Grundschule entscheiden. Für den Ortsvorsteher Werner Engel ist das nur zu einem gewissen Grad ein Grund zur Freude. „So oder so, es wird Kritiker geben“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Ortsvorsteher Engel erwartet bestbesuchte Ortschaftsratssitzung seiner Karriere

„Das ist eine weitreichende Entscheidung für Ernsbach. Das bringt natürlich viele Emotionen ins Spiel.“ Deswegen erwartet Werner Engel bei der anstehenden Sitzung im Ernsbacher Rathaus so viele Zuhörer wie noch nie. Grundsätzlich seien alle interessiert daran, die Schule zu erhalten. Insbesondere zeige sich das an der Bürgerinitiative. In der haben sich demnach viele Eltern direkt betroffener Kinder zusammengeschlossen. „Da will natürlich jeder für sein eigenes Kind das Beste“, bemerkt Engel, der sich über das kommunalpolitische Engagement freut.

Im Vorfeld sieht Werner Engel die Lage so: Der Ortschaftrat entscheide darüber, „welcher Weg der richtige ist, damit die Kinder eine gute Schulausbildung haben“. Dafür müsse der Ortschaftrat nicht nur Ernsbach, sondern die ganze Stadt im Blick haben. Er will der Entscheidung der Ortschaftsräte nichts vorweg nehmen. 

Man würde „von anderen erwarten, dass sie längere Wege in Kauf nehmen“

In der Vereinigungsvereinbarung – oder dem „Ehevertrag“, wie Engel das Dokument bezeichnet – zur Eingemeindung Ernsbachs in die Stadt Forchtenberg wurde festgelegt, dass der Teilort weiterhin eine einzügige Grundschule haben soll. Im kritischen Fall sollen auch Schüler anderer Ortsteile dort unterrichtet werden. Dieser kritische Fall tritt perspektivisch ein, sagt Bürgermeister Michael Foss: Die Einzügigkeit sei wegen der Bevölkerungsentwicklung in Gefahr, und unterschiedliche Klassenstufen müssten mittelfristig gemeinsam unterrichtet werden. 

Derzeit besuchen 75 Kinder die Schule, die aus Ernsbach und Sindringen kommen. Um auch andere Kinder dorthin zu schicken, müssten die Schulbezirke geändert werden. „Dann würde man von anderen erwarten, dass sie längere Wege in Kauf nehmen müssen“, unterstreicht Engel. „Wir können es uns einfach machen und sagen, das ist kein Problem für Ernsbach, sondern für die Stadtverwaltung.“ Der Ortschaftsrat habe aber auch Verantwortung für die Gesamtgemeinde – „wir sind eine Stadt und müssen dementsprechend handeln“. Dass das Gremium über die Grundschul-Schließung entscheiden muss, habe Engel „viele schlaflose Nächte beschert“. 

Mehrheit im Ortschaftsrat erforderlich

Der Ortschaftsrat sei verpflichtet, alles zu prüfen, was es zu prüfen gibt. Am Donnerstagabend wolle Werner Engel versuchen, das neutral darzustellen. „In einer Demokratie müssen Mehrheiten geschaffen werden“, ergänzt Engel: Acht Mitglieder hat das Gremium – bei vier Ja- und vier Nein-Stimmen würde die Grundschule nicht geschlossen.

Seltene Entscheidung von Ortschaftsräten

Die Ortschaftsräte der Forchtenberger Teilorte treffen nur dann eine Entscheidung, wenn von der Vereinigungsvereinbarung aus der Zeit der Zusammenlegung abgewichen wird. Das ist nur einmal vorgekommen, soweit Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss und Ernsbachs Ortsvorsteher Werner Engel das nachvollziehen können. Letzterer ist seit 1989 im Ortschaftsrat und seit 2003 Ortsvorsteher. Bei dieser Entscheidung Anfang der 2000er Jahre ging es um Erträge aus dem „EVS-Vermögen“ – also Anteilen an der heutigen EnBW.

Dass die Stimmen der Ortschaftsräte überhaupt einmal Teil einer verbindlichen Entscheidung sind, sei ihnen bewusst gewesen: „Als Kommunalpolitiker muss ich mein Material kennen“, sagt Engel. Die Vereinigungsvereinbarung gehöre dazu. 

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