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Polizei sucht nach Tätern
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Einbrüche in Hofläden: Wie Betreiber auf Facebook nach Dieben suchen

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Selbstbedienungsläden geraten immer mehr in den Fokus von Banden . Wie Betreiber auf sozialen Netzwerken auf Diebessuche gehen und was erlaubt ist.


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Dass er innerhalb kürzester Zeit so berühmt wird, damit hätte der Mann mit schwarzer Mütze und grauer Hose wohl nicht gerechnet: Seit gut einer Woche wird sein Foto fleißig in zahlreichen sozialen Netzwerken geteilt. Freuen dürfte ihn das nicht: Das Foto stammt aus einem Überwachungsvideo, das ihn beim Aufbrechen der Kasse eines Automatenladens in Pfedelbach-Buchhorn zeigt. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen ist der „Gsälzladen Fleisch“ Opfer von Dieben geworden. „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen“, sagt Sigrid Fleisch dazu im Gespräch mit der Hohenloher Zeitung.

Video vom Einbruch an Lebensmittelautomaten: So ist die rechtliche Lage für Betreiber

Bereits Ende August ist in den frühen Morgenstunden die komplette Kasse gestohlen worden. Auto und Kennzeichen, heißt es damals in einem ersten Post in den sozialen Netzwerken, sind auf dem Video gut zu erkennen. Damals waren nur Schuhe und Hose des Täters zu sehen. Knapp vier Wochen später wird die Kasse erneut aufgebrochen. Dieses Mal ist sogar das Gesicht klar und deutlich auf dem Video zu sehen – und wird nun geteilt. 

Doch ist es rechtens, mit einem klaren Bild des mutmaßlichen Täters in Eigenregie zu „fahnden“? „Beim Teilen von Fotos möglicher Täter in sozialen Netzwerken ist Vorsicht geboten“, erklärt eine Sprecherin der Heilbronner Polizei auf Anfrage der Hohenloher Zeitung. Die Öffentlichkeitsfahndung unterliegt strengen Voraussetzungen, unter anderem sind die Persönlichkeitsrechte zu schützen.

Bei Facebook nach Dieben fahnden: So geht die Polizei vor

Der polizeiliche Sachbearbeiter prüfe daher streng, ob der Fall für eine Fahndung im Internet geeignet sei. Falls nötig, holt man sich einen rechtlichen Rat beim Richter oder Staatsanwalt. Es gebe zahlreiche Probleme. Ist ein Foto einmal im Internet, bleibt es dort – auch unter Umständen auf ausländischen Servern, die nicht deutschen Datenschutzrichtlinien entsprechen. Fahndungen der Polizei werden daher ausschließlich über einen Link des Landeskriminalamts (LKA) veröffentlicht. So können sie auch wieder gelöscht werden. Einen Verweis auf soziale Medien gibt es hier nicht.

In sozialen Netzwerken könne auch nicht geprüft werden, ob die Person auf dem Bild der Täter ist. Das Foto bleibt aber im Netz. Sollte die Person unschuldig sein, könnten Regressforderungen folgen.

Diebstahl am Automaten in Pfedelbach: Täter noch nicht gefunden

Familie Fleisch habe, so Raphael Fleisch, Rücksprache mit der Polizei gehalten. Vor rund zwei Jahren hat die Familie die Holzhütte, in der sich zwei Automaten und einige Produkte zur Selbstbedienung mit Kasse befinden, eingeweiht. Sitzgelegenheit runden die Optik ab. Wie zahlreiche andere Selbstvermarkter, stecken sie viel Liebe in die Gestaltung der Häuschens und der Umgebung sowie die Produkte. Die Direktvermarkter sind gut miteinander vernetzt, helfen sich gegenseitig und haben daher festgestellt, so vermuten sie zumindest, dass es Diebesbanden sind, die in den jeweiligen Nächten die Verkaufsräume der Selbstvermarkter in einer Route abklappern. Sigrid Fleisch fragt sich: „Sollen das Mutproben sein?“

Auch wenn der Täter noch nicht gefunden ist, freut sich die Familie, dass so viele das Foto teilen und auch ihr Bedauern ausdrücken. „Die Bilder zu teilen, ist das Mittel, das uns zur Verfügung steht“, ergänzt Raphael Fleisch. „Da geht es einfach ums Prinzip.“ 

"Hemmschwelle scheint von Mal zu Mal zu sinken"

Im Automatenladen bei Obstbau Schmierer im Zweiflinger Ortsteil Pfahlbach gab es auch schon Probleme mit Diebstahl, vor allem beim Eis, das per Kasse zu zahlen ist. „Erst waren es zehn Becher, und dann auf einmal waren es auch mal 20, die einfach so mitgenommen wurden“, erinnert sich Simone Heinz. „Man hat das Gefühl, dass die Hemmschwelle von Mal zu Mal sinkt.“ Auch ihr Laden ist seit der Eröffnung vor drei Jahren videoüberwacht. „Das eigene Haus und Grundstück mit einer Kamera zu überwachen, ist grundsätzlich erlaubt. Sollte es beweisrelevante Aufnahmen geben, ist es am besten, eine mögliche Tat anzuzeigen und diese der Polizei zur Verfügung zu stellen“, so die Polizeisprecherin. Doch selbst das gibt keine Sicherheit, dass man den Täter findet.

Kein Diebstahl und Vandalismus: So geht der Betreiber von Dahoom-Märkten vor

Nahezu keine Probleme mit Diebstählen oder Vandalismus haben die Dahoom-Märkte in Hollenbach und Schloß Stetten, berichtet der Betreiber André Haun. Die Märkte können ausschließlich mit besonderen Zugangskarten betreten werden, die jeweils zehn Euro kosten. „Ich bin gottfroh, dass wir da dabei geblieben sind“, sagt er erleichtert. Denn in der Anfangszeit des Unternehmens habe er „viel Gegenwind“ wegen des Systems erhalten: Etliche beklagten, dass sie extra eine Karte kaufen müssten.

„Ich habe recherchiert und mit der Polizei telefoniert“, da sei Haun dringend geraten worden, das System beizubehalten. Mit der Karte wisse er mit Sicherheit, wer in seinem Haus unterwegs sei, „das ist ein Kreis von Menschen, die familiär und ehrlich sind“. Inzwischen kann mit der Karte auch bezahlt werden – das werde zum Beispiel von Firmen genutzt. 

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