Stimme+
Hohenlohe
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

In Hohenlohe werden Lebensmittelautomaten immer beliebter

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Besonders seit Beginn der Corona-Krise werden Lebensmittelautomaten von bäuerlichen Erzeugern immer beliebter. Das kontaktlose Einkaufen hat immer mehr Zulauf. Eine App hilft beim Auffüllen.

Frische Eier rund um die Uhr: Esther Weinmann muss ihre Fächer am Lebensmittelautomaten in diesen Tagen oft füllen.
Foto: Stefanie Jani
Frische Eier rund um die Uhr: Esther Weinmann muss ihre Fächer am Lebensmittelautomaten in diesen Tagen oft füllen. Foto: Stefanie Jani  Foto: Jani, Stefanie

Auswahltaste, Knopf drücken und mit frischen Produkten schnell wieder nach Hause: Lebensmittelautomaten sind seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. In Corona-Zeiten gewinnt das kontaktlose Einkaufen mehr Zulauf denn je. "Ich merke es total und fülle deutlich öfter auf als sonst", erzählt Esther Weinmann. Sie und ihr Mann Patrick Weinmann betreiben seit vier Jahren einen mobilen Hühnerstall im Pfedelbacher Ortsteil Gleichen und haben zeitgleich den Automaten, der alleine rund 300 Eier fasst, aufgestellt. "Natürlich ist ab Ostern sowieso unsere Hoch-Zeit", gibt die Landwirtin zu bedenken. Dennoch habe sie beobachtet, dass auch lang haltbare Lebensmittel wie Dosenwurst, Nudeln und Honig gerne mehr gekauft werden.

Standort mit gutem Handy-Netz ist Pflicht

Leere Fächer sind trotzdem die Ausnahme. Was aussieht wie ein simpler Straßenverkauf, ist technisch aufwendiger als es scheint. Mittels App wird aufgelistet, was zu welcher Uhrzeit und Menge gekauft wird und wie voll die Fächer sind. Deswegen ist ein Standort mit gutem Handynetz Pflicht, betont Weinmann. Und wer den Einkauf ausweiten möchte: Neben den Weinmanns ergänzen ein Fleischautomat mit Konserven und Frischfleisch sowie ein Stand mit Obst das bäuerliche Sortiment.

Neues Standbein aufgebaut

Frisches, regionales Essen rund um die Uhr. Auch nachts? Bernd Huber war einer der ersten im Hohenlohekreis, der sich an den Automatenverkauf vor rund vier Jahren heranwagte. Mittlerweile gibt es in Schwabbach, Adolzfurt und Eberstadt Grillfleisch und Würste zu jeder Zeit. Das gute Wetter und die Corona-Krise haben dem 33-Jährigen, der sich neben dem familiengeführten Fleischbetrieb ein neues Standbein aufgebaut hat, zu mehr Zulauf verholfen. Gestiegen ist seit der Corona-Krise auch der Verkauf von Konserven.

Interessant seien die Zeiten, in denen die Menschen oft die Fleischeslust packt. "Nach Ende der Nachtschicht ziehen sich viele noch einmal eine Dose Wurst", hat Huber beobachtet, der den Verkauf ebenfalls auf dem Handy überwacht. "Es gibt auch die, die nach einer Party um vier den Grill noch anschmeißen", erklärt er lachend. Wegen der Hygiene müsse man auch an heißen Tagen keine Bedenken haben. Neben der Überwachung auf dem Handy sperrt der Automat die Warenausgabe, wenn ein Grenzwert erreicht wird.

Schnell an Lebensmittel kommen

Der Obstbauer Schmelzle in Verrenberg geht noch einen Schritt weiter und hat einen Automatenladen ins Leben gerufen. In rund 100 Fächern gibt es Honig, Marmelade, Nudeln, Eier oder Kartoffeln von Vermarktern aus der Region. Beeren, Saft oder Birnen sind vom Obstbauer selbst. "Die Leute rennen rein und gschwind sind sie wieder weg", sagt Erika Schmelzle, deren Söhne den Obstbaubetrieb betreiben, über die derzeitige Lage.

Automat löst Verkauf auf Tisch ab

Beim Obstbaubetrieb Lösch in Windischenbach ist man auch auf den Automaten gekommen, der den Verkauf auf dem Tisch abgelöst hat. Zusätzlich sind noch Marmeladen und Apfelsaft zu bekommen. Gerade jetzt habe es den Vorteil, dass so unberührtes Obst verkauft werden könne, sagt Ulrike Lösch. Zudem sei man nicht mehr an die Besenöffnungszeiten gebunden und theoretisch kann es morgens um fünf oder sechs auch mal Apfelsaft geben.

Im Kochertal hat sich Stefan Hartmann in Sindringen mit seinem Automatenladen, der derzeit wegen eines Brandschadens noch renoviert wird, einen Namen gemacht. In einigen Wochen soll es weitergehen. Wenn er wieder öffnet, vermutet er einen Zuwachs.

Und nach der Krise? Esther Weinmann meint: "Vielleicht hilft die Krise das Bewusstsein zu schärfen, dass man wissen will, wo die Lebensmittel herkommen."

Eier von Weidehühnern

Weidehühner bewegen sich getreu ihrem Namen frei auf dem Feld. Sie ernähren sich von selbst hergestelltem Legemehl, das etwa aus verschiedenen Getreidekomponenten herstellt wird, und Gras. Das Futter ist komplett frei von Gentechnik.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben