21 Millionen Euro bekommt der Landkreis Hall vom bisherigen Träger des Diaks, Diakoneo, als „negativen Kaufpreis“. Knapp 15 Millionen Euro Mitgift erhält er zusätzlich von Landeskirche und Diakoniewerk und 2,2 Millionen Euro vom Land. Die präsentierten Daten zeigen: Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 ist die Zahl der Patienten beim Diak um 16 Prozent zurückgegangen, in Crailsheim um zehn Prozent. Die „Währung der Krankenhäuser“ seien aber die sogenannten Case-Mix-Punkte (CMP), sagt Philipp Ostwald von der Beratungsfirma Curacon: Je nach Art der Behandlung bekommt das Krankenhaus eine gewisse Summe pro Patient. Zwischen 2019 und 2024 sind die CMP in Crailsheim um vier Prozent gewachsen, beim Diak um sieben Prozent gesunken. Diese Zahlen sollen verbessert werden. Zusätzlich sollen Kosten im hauswirtschaftlichen und administrativen Bereich verringert werden.
Details aus Kliniken-Konzept: Warum manche Stationen unangetastet bleiben und wie gespart werden soll
Mit einem gemeinsamen medizinischen Konzept sollen das Diak und das Klinikum Crailsheim gemeinsam sparen. Das sind die Details

Die Haller Kreisräte betonen, sie würden den aktuellen Informationen „vertrauen“, bevor sie am Dienstag für den Kauf des hoch defizitären Diak-Klinikums in Schwäbisch Hall stimmen. Sie verlassen sich also darauf, dass die Zahlen und die Ideen des neu entwickelten medizinischen Konzepts stimmen, die ihnen in der Sitzung vorgestellt wurden. Dies beinhaltet bereits einige Änderungen beim Diak und beim Klinikum Crailsheim. Letzteres gehört bereits dem Landkreis Hall und steckt ebenso in den Miesen.
Siegfried Trittner, Fraktionssprecher der Freien, fasst zusammen, was seine Pendants in der Gerabronner Jahnhalle in ähnliche Worte fassen: „Es gibt natürlich kaum einen hier im Raum, der die paar hundert Seiten Sitzungsvorlage detailgenau“ durchschaut habe. Seine Fraktion verlasse sich „auf die Fachleute und die handelnden Personen, dass die Vereinbarungen und Vorlagen ihre Richtigkeit haben“.
Unter diesen Leuten sind Berater der Agentur Curacon, die seit Februar den Landkreis Hall in den Verhandlungen begleitet. Sie präsentieren Zahlen und ein erstes medizinisches Konzept, mit dem die Lage beider Krankenhäuser verbessert werden soll. Demnach könne der Kreis das voraussichtliche Minus drücken. Bislang geht man davon aus, dass 2029 gut 29 Millionen Euro Verluste anfallen werden, wenn genauso weiter gemacht werde wie bisher. Nach den vorgeschlagenen Änderungen könnten die Defizite in einem „realistischen“ Szenario auf 16 Millionen schrumpfen – in einem „möglichen“ Szenario sogar bis auf knapp 11 Millionen Euro.
Darum bleiben auch weniger wirtschaftliche Stationen in Crailsheim erhalten
Aber wie soll das gelingen? „Doppelstrukturen müssen abgebaut werden“, sagt Philipp Ostwald von der Agentur Curacon. Konkret sei das zum Beispiel durch einen „Ringtausch“ möglich: Die Orthopädie in Schwäbisch Hall soll nach Crailsheim verlagert werden. Für Crailsheim gelte jedoch: „Die Gefäßchirurgie wird vermutlich wegen der Krankenhausreform verloren gehen“, sagt Ostwald. Diese Abteilung soll nach Schwäbisch Hall wechseln. Andere sollen doppelt erhalten bleiben, wie die Kardiologie-Station in Crailsheim. Auch wenn es wirtschaftlich sinnvoll sei, darauf zu verzichten, sei sie medizinisch notwendig: „Bei Herzanfällen gilt: time is muscle“, meint Ostwald. Patienten müssten also schnell behandelt werden und die Station müsse deswegen nah sein. Auch auf die Geburtshilfe solle man in dem Klinikum nicht verzichten.
Ostwald sieht in den alten Gebäuden und ineffizienten Strukturen beim Diak eine Hürde, damit sich das Krankenhaus gut entwickeln kann. Auch der bisherige Diak-Geschäftsführer Stefan Schad hatte das im Gespräch mit der Hohenloher Zeitung beschrieben. Ostwald sieht durch den Wegfall der Orthopädie bereits kurzfristig die Möglichkeit, dass Gefäßchirurgie, Pädiatrie, Neurologie und Urologie im Diak wachsen.Personal Weiter müsse man mehr Patienten in die Kliniken holen. Aus statistischen Daten wisse man, wie viele Menschen für bestimmte Behandlungen im Schnitt ins Krankenhaus gehen. Das Diak erreiche in einem 30-Kilometer-Umkreis 27 Prozent dieser Patienten, in Crailsheim seien es gerade mal 16 Prozent. „Das ist eine gute Nachricht: Die Krankenhäuser können wachsen.“ Zusätzlich sollen die Häuser zusammenarbeiten: „Crailsheim kann als Grundversorger einen Patienten vorbehandeln, und was da nicht gemacht werden kann, wird im Diak weiterbehandelt.“ Auch im nicht-medizinischen Bereich gebe es Einsparpotenzial: So gebe es zur Zeit für beide Krankenhäuser je eine eigene Küche, sagt Robert Orsag von der Agentur Curacon in seiner Präsentation.
Personelle Veränderungen seien vorerst nicht vorgesehen
Der Kreis übernimmt beim Kauf alle Mitarbeiter. Über die Folie „Potenziale im Personal“ geht Orsag schnell hinweg. Darauf steht, dass ein „moderater Vollkräfte-Abbau notwendig und ohne Qualitätseinbußen realisierbar“ sei. Bei dieser Untersuchung seien bereits bekannte Betriebsaustritte und Befristungen berücksichtigt. Auf Nachfrage der Rätin Ellena Schumacher Koelsch (Linke) versichert Orsag: Es seien „zunächst einmal keine personellen Veränderungen vorgesehen“.
Ursprünglich hatte der Kreis mit der Stiftung Rehabilitation Heidelberg über den Einstieg beim Diak verhandelt. Warum genau diese ausgeschieden ist, wurde in der Sitzung nicht klar. Einige Fraktionssprecher sind dafür, dass Verhandlungen wieder aufgenommen werden.
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