Künzelsauer „Astro Alex“ ist sich sicher: Faszination für den Mond jetzt noch größer
Die „Artemis 2“ hat den Mond erfolgreich umrundet – der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst verfolgt die Mission fasziniert. Wie er die Situation von der Erde aus erlebt und was ihn besonders überrascht.
Er gilt als einer der heißesten Anwärter für die Mond-Mission „Artemis 4“, bei der Menschen nach 1972 erstmals wieder den Erdtrabanten betreten sollen. Jetzt aber war der aus Künzelsau stammende Astronaut Alexander Gerst interessierter und faszinierter Beobachter der „Artemis 2“-Mission.
Er selbst war in Florida beim Start dabei und hat zugesehen, wie Christina Koch, Jeremy Hansen, Reid Wiseman und Victor Glover sich zur Umrundung des Mondes aufgemacht haben. „Das war sehr aufregend – und das rumpelt ordentlich“, beschreibt er dieses Erlebnis im Gespräch mit der Heilbronner Stimme wenige Stunden vor der Rückkehr der Crew zur Erde.
In der Nacht auf Samstag waren die Artemis-Astronauten dann wieder "gesund und glücklich" im Pazifik gelandet.
Alexander Gerst betont die Bedeutung der Artemis-Mission zum Mond für Deutschland
„Meinen vier Freunden zuzusehen und nicht selbst helfen zu können“, das sei herausfordernd gewesen. „Wir Astronauten wollen ja immer selbst die Kontrolle haben“, erklärt Gerst, der selbst 2014 und 2018 Missionen auf der Internationalen Raumstation (ISS) absolviert hat, eine Zeit lang auch als Kommandant. „Aber es hat alles glänzend funktioniert“, freut er sich.
Dabei hebt Gerst auch die Bedeutung für die deutsche Luft- und Raumfahrt hervor: „Das Raumschiff wurde zur Hälfte in Deutschland gebaut, das wichtige Antriebsmodul kommt auch von hier.“ Somit tragen auch Ingenieure aus Lampoldshausen zur Mission bei.
Gerst ist emotional ergriffen von den Mond-Bildern der Artemis-Crew
Statt den 400 Kilometern Entfernung zur Erde, die Alexander Gerst auf der ISS erlebt hat, haben sich die Crew-Mitglieder von „Artemis 2“ bei ihrer Mondumrundung mehr als 400.000 Kilometer von ihrem Heimatplaneten entfernt. So weit wie kein Mensch zuvor. Aber nicht die Entfernung ist es, die den 49-Jährigen fasziniert und voller Begeisterung geradezu ins Schwärmen geraten lässt. Es ist die pure Leidenschaft für seine Profession und das, was dort oben für den Wissenschaftler verborgen liegt. Deshalb sei er „tatsächlich ganz schön hibbelig“ gewesen, als er die ersten Bilder der Mission gesehen habe. Allein dass Menschen erstmals mit eigenen Augen den riesigen Krater „Mare Orientale“ gesehen haben, lässt ihn Gänsehaut bekommen.

„Außerdem ist das schon verrückt, dass das meine Freunde sind, die das alles gesehen haben“, sagt Gerst. Oder auch die Sonnenfinsternis: „total surreal“. Er freue sich schon unglaublich darauf, wenn er nach der Mission von den Erlebnissen der Crew-Mitglieder hört und liest. Davon, wie sie das alles beschreiben.
„Astro Alex“ erklärt, warum echte Erlebnisse eine andere Wirkung haben als KI
Nicht nur seinem eigenen, auch am großen Interesse weltweit an dieser Mission lasse sich ablesen, wie wichtig reale Erlebnisse seien. „Man kann ja heute alles die KI generieren lassen, aber das Echte, das fasziniert uns deshalb viel mehr, weil Menschen es selbst gesehen haben. Man fragt sich, was sie dabei wohl gedacht, erlebt und gefühlt haben.“ Das mache es aus.
Viel Interessantes habe er über die Zeit der „Artemis 2“-Mission im Observationsraum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln verfolgen können. Auch Dinge, die man nicht unbedingt erwartet habe, so Gerst. Besonders überrascht haben ihn die Lichtblitze, die die Crew auf der Rückseite des Mondes in der Dunkelheit sehen konnte. „Das wurde von Meteoriten verursacht“, erklärt der Geophysiker und Vulkanologe. „Das ist genau eines der Dinge, die wir weiter untersuchen wollen.“
Nicht nur bei Alexander Gerst: Die Faszination für den Mond ist jetzt noch stärker
Am liebsten wäre er dafür natürlich selbst vor Ort. Über die Frage, ob seine Faszination für den Mond und sein Wunsch, das selbst erleben zu können, nun noch größer sind, muss er nicht nachdenken und antwortet mit einem Lachen: „Natürlich - aber haben Sie etwas anderes erwartet?“ Natürlich nicht. Ebenso erwartbar seine nächste Antwort: „Wichtig ist, dass Deutschland und Europa dabei sind, unabhängig von meiner eigenen Person“, erwidert er in gewohnter Bescheidenheit.
Die Inspiration, die solche Missionen erzeugen, die sei ebenso wichtig. Zu Hause in Hohenlohe, der Region der Weltmarktführer, wisse man, wie wichtig es ist, für Technologien und Naturwissenschaften schon „die Generation Sendung mit der Maus“ zu begeistern, ihnen eine Perspektive zu geben.
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