Auf der zehntägigen Mission umrunden die Astronauten zunächst zwei Mal die Erde, ehe es in Richtung Mond sowie einmal herum geht. Auf der Rückseite wird die Crew Beobachtungen an Stellen machen, die „noch nie ein Mensch zuvor gesehen“, hat, sagt Michael Biehler. Die bemannte Mondlandung „Artemis III“ ist für 2027 anvisiert. Danach sind weitere Missionen geplant. Zudem soll am Mond ein Außenposten namens „Gateway“ entstehen, in dem Astronauten leben und arbeiten können.
Reise zum Mond: Warum Lampoldshausen eine entscheidende Rolle spielt
Die „Artemis 2“ kann möglicherweise diese Woche starten. Erstmals nach mehr als einem halben Jahrhundert fliegen wieder Menschen in die Nähe des Monds. Ingenieure aus Lampoldshausen tragen zur Mission bei.
Die Reise zum Mond hat Michael Biehler schon vor einer ganzen Weile angetreten. Auf ein paar Tage hin oder her kommt es nicht mehr an. Seit zwölf Jahren arbeitet der Experte für Raumfahrtantriebssysteme der Ariane Group mit seinem Team in Lampoldshausen am Europäischen Service-Modul, das im Rahmen der Artemis-II-Mission in dieser Woche als Teil eines bemannten Raumflugs in die Nähe des Erdtrabanten aufbrechen möchte.
Artemis-II-Mission vor dem Start: Lampoldshausen liefert entscheidende Antriebstechnologie für Mondflug
Das frühestmögliche Zeitfenster für die erste amerikanisch-europäische Mission dieser Art hatte sich im Februar geöffnet. Hatten zunächst ungewöhnlich niedrige Temperaturen im Bundesstaat Florida die US-Raumfahrtbehörde Nasa veranlasst, den Start zu verschieben, kamen noch Probleme bei Tests hinzu.

Der Start wurde erst für Februar und dann auch für März abgesagt. Kurz vor dem zweiten Startfenster traten technische Probleme an der Oberstufe auf. „Für die Rakete ging es dann erstmal zurück in die Montagehalle“, sagt Michael Biehler.
Artemis-II-Mission: Das nächste Startfenster öffnet sich am 1. April
Inzwischen steht die Rakete wieder in der Startvorrichtung, und die Anzeichen verdichten sich, dass die Mission in den Tagen zwischen 1. und 6. April wirklich startet. „Alle Zeichen stehen auf Go“, sagt auch Michael Biehler, der die beiden Verschiebungen gelassen sieht. „Sicherheit hat eben Vorrang“, sagt er. Der Experte für Antriebssysteme wird in der ersten Reihe sitzen, wenn die Menschheit mehr als fünf Jahrzehnte nach den Apollo-Missionen zum Mond zurückkehrt. Anfang der Woche reist er mit einer Handvoll Kollegen, größtenteils aus Lampoldshausen, zur Space Force Station in Cape Carnaveral. „Langsam steigt die Anspannung“, gesteht Biehler.
Bereits vor drei Jahren hatte der Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik den Start der unbemannten Mission live vom Weltraumbahnhof im US-amerikanischen Florida aus verfolgt. Die Artemis-Missionen läuten eine neue Ära der bemannten Raumfahrt zum Mond ein, für 2027 ist wieder eine Landung auf dem Erdtrabanten geplant – bald sechs Jahrzehnte, nachdem mit Neil Armstrong der erste Mensch den Mond betreten hat.
Dauerhafte Präsenz: Warum der Mond wieder seine Anziehungskraft ausübt
Armstrong kommentierte die Ankunft mit dem berühmt gewordenen Satz: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ Damals waren die Missionen stark politisch getrieben: Es ging darum, die erste Nation auf dem Mond zu sein. Insgesamt zwölf Astronauten brachten die USA zwischen 1969 und 1972 auf den Mond. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 Eugene Cernan mit der Apollo 17-Mission den Erdtrabanten. Politisch verschoben sich die Prioritäten, der Mond hatte an Anziehungskraft verloren.

Bis er vor rund zehn Jahren wieder in den Fokus rückte. Und diesmal soll es ein wirklich großer Sprung werden. Langfristig verfolgen die Artemis-Missionen das Ziel, den Mond dauerhaft zu besiedeln. Strategisch symbolisiert die Rückkehr technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Und doch sei das Artemis-Programm nicht an die Apollo-Missionen angelehnt, sagt Biehler. Bei allen wirtschaftlichen Interessen, „geht es um Wissenschaft und Präsenz“, sagt der Experte für Antriebssysteme.
Eintrittskarte zur Mission: ESA brachte sich mit Weltraumfrachter ATV ins Spiel
Das Artemis-Programm symbolisiert zugleich eine neue Ära der Zusammenarbeit: Hatte die amerikanische Raumfahrtbehörde bei großen, kritischen Missionen dieser Art bisher vorrangig alles in Eigenregie durchgezogen, ging sie mit der europäischen Raumfahrtbehörde eine Kooperation ein. Die ESA hatte sich mit dem unbemannten Weltraumfrachter ATV, der die internationale Raumstation ISS von 2008 bis 2015 mit Nachschub versorgte, einen Namen gemacht. „Es war die Eintrittskarte, um auch in Richtung Mond zusammenzuarbeiten“, sagt Michael Biehler.
Zusammen mit Airbus baut die Ariane Group das Service-Modul für die Artemis-Mission. „In Lampoldshausen sind wir die Spezialisten für Antriebssysteme“, sagt Michael Biehler. Antriebssysteme für Satelliten und für interplanetare Missionen wie zum Jupiter. Und für Raumschiffe zum Mond. „Wir sind die Moon-Maker“, sagt Stefan Ziegenhagen, stellvertretender Standortleiter. Auch mit anderen Nationen arbeiten die Ariane-Experten an Mond-Missionen.
Crew-Mitglieder und Nasa-Astronauten waren mehrmals in Lampoldshausen
In die Entwicklung, den Bau sowie das Testen der Systeme sind in der Ariane Gruppe 250 Menschen involviert – ein wesentlicher Teil davon im Ortsteil von Hardthausen. Die Artemis-Mission ist auch für das Team in Lampoldshausen ein großer Sprung.
Die unbemannte Mission war das eine. „Aber es ist nochmal was anderes, wenn man weiß, dass da Astronauten drinsitzen.“ Die Verantwortung für das ganze Team sei eine Besondere. In der Entwicklungsphase seien Nasa-Astronauten mehrfach in der Region gewesen, Biehler hat auch die Artemis-II-Crew getroffen - diese Nähe macht die Reise zum Mond auch für den Antriebsexperten greifbar.
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