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Flapsige Aussage mit Folgen
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AfD-Fraktionschef Anton Baron irritiert mit Messer-Spruch Hohenloher Schüler im Landtag

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Zwei neunte Klassen aus dem Landkreis Schwäbisch Hall haben kürzlich einen schönen Tag im Landtag erlebt – bis das abschließende Gruppenfoto kam. Dann ließ eine Äußerung des Hohenloher AfD-Abgeordneten Anton Baron aufhorchen.

Von Jens Sitarek

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Nicht nur der Osten ist blau: Auch im Raum Heilbronn/Hohenlohe haben sich Wähler bei der vergangenen Bundestagswahl vielfach für die AfD entschieden. Im Stuttgarter Landtag sitzen aktuell 17 Abgeordnete der Partei. Dort gelang der AfD 2016 der Einzug ins Landesparlament.

Am 19. Februar besuchten zwei neunte Klassen aus dem Landkreis Schwäbisch Hall den Landtag in Stuttgart, Plenarsitzung und Führung inklusive – das Landesparlament als Lernort, wenn man so will. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler natürlich auch Landtagsabgeordnete kennen, unter anderem Anton Baron. Der AfD-Politiker aus Öhringen wies im Gespräch darauf hin, dass er mehr sei als ein normaler Abgeordneter. Nach dem abschließenden Gruppenfoto soll Baron mehreren Schülern diese Sätze mit auf den Weg gegeben haben: „Genießen Sie Ihre Freizeit in Stuttgart, passen Sie aber auf, dass Sie nicht abgestochen werden.“ Und: „Lasst euch in Stuttgart nicht abstechen.“

Flapsiger Messer-Spruch: Hat AfD-Abgeordneter Anton Baron das wirklich so gesagt?

Anfrage bei der Schule: Die Schulleitung möchte sich gegenüber der Presse nicht äußern. „Unsere Rückmeldung zur Veranstaltung ging direkt an die Verantwortlichen im Landtag“, heißt es, und weiter: „Sollten Sie nähere Auskünfte benötigen, wenden Sie sich bitte direkt an den Landtag.“ Die Antwort der Landtagsverwaltung lässt zunächst auf sich warten.

Baron reagiert schnell, als man ihn konfrontiert. Er geht davon aus, „dass Sie sich hier von irgendwelchen Abgeordneten vor den Karren spannen lassen und Ihnen die Mail weitergeleitet wurde“. Die E-Mail, die Baron erwähnt, ging nicht nur an Abgeordnete und somit deren Mitarbeiter, sondern auch an einen Verteiler des Landtags. Dabei machte sein Messer-Spruch schon vorher munter die Runde in Hohenlohe. Jetzt hat man es eben noch mal schriftlich.

Schüler aus Raum Schwäbisch Hall sind von Anton Barons Messer-Spruch verunsichert

In der E-Mail bedankt sich die Schulleitung im Namen der Schule für das Erlebte, es fallen Worte wie „wunderbar“, „sehr interessant“, „wertvoll“. Allerdings hätten die Aussagen des Herrn Baron bei den Schülern zu solch einer Verunsicherung geführt, „dass sie die anschließende Freizeit in der Königstraße nur schwer genießen konnten“. Mehr noch: Das Thema habe die Jugendlichen so sehr beschäftigt, dass es „aufgearbeitet“ werden musste: auf der Heimfahrt, im Unterricht und im häuslichen Umfeld.

Anton Baron sitzt seit 2016 für die AfD im Landtag von Baden-Württemberg – und zwar für den Wahlkreis Hohenlohe. Zu diesem gehören neben dem Hohenlohekreis mit Barons Heimatort Öhringen auch sechs Gemeinden im Landkreis Schwäbisch Hall. Seit 2023 fungiert Baron als Fraktionsvorsitzender der AfD. Zudem gehört er dem Präsidium des Landtags an, das die Arbeit des Parlamentes steuert. In seinem Wahlkreis fungiert der 37-Jährige als Sprecher des AfD-Kreisverbandes Hohenlohe/Schwäbisch Hall und mischt als Mitglied des Gemeinderates der Stadt Öhringen und als Mitglied des Kreistages des Hohenlohekreises auch kommunalpolitisch mit.

Er könne die Schilderungen der Schulleitung „überhaupt nicht nachvollziehen und lasse es mal so unbelegt stehen, ob es die Schüler beschäftigt hat“, schreibt Baron dazu. An der Verabschiedung der Schülergruppe erinnert er sich und möchte klarstellen, dass seine Worte „keinesfalls Angst schüren oder jemanden verunsichern sollten. Sollte meine Formulierung bei den Schülern Irritationen ausgelöst haben, bedaure ich das.“

Auf diesen Vorfall auf dem Stuttgarter Schlossplatz spielt Anton Baron an

Wurde er in Stuttgart schon mal mit dem Messer bedroht? Er nicht, aber ein Fraktionskollege sei mal auf dem Schlossplatz von einer Gruppe ausgeraubt worden, so Baron weiter. „Die jüngsten tragischen Vorfälle, wie der Messerangriff in der Königstraße, zeigen leider, dass solche Gefahren auch in Stuttgart real sind. In diesem Zusammenhang habe ich zugegebenerweise flapsig diesen Nebensatz rausgehauen.“ Sein Eindruck ist, dass die Schüler dies „eher mit Humor aufgenommen“ hätten. Trotzdem: „Ich werde in Zukunft noch stärker auf eine angemessene Wortwahl achten.“

Und was sagt die Landtagsverwaltung? „Die Landtagsverwaltung bedauert sehr, dass es im Rahmen des Besuchs einer Schulklasse zu einer Situation kam, die die Schülerinnen und Schüler offensichtlich nachhaltig beunruhigt und belastet hat“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Wie sich Abgeordnete bei Besuchen von Schulen verhielten, könne die Landtagsverwaltung nicht beeinflussen. Und disziplinarische Maßnahmen seien durch die Freiheit des Mandats ausgeschlossen.


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Die Landtagspräsidentin hat eine klare Meinung zu Anton Barons Äußerungen

Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) findet deutliche Worte: „Die Abgeordneten des Landtags haben das Privileg, fast elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg vertreten zu dürfen. Ich erwarte von allen Abgeordneten, dass sie der Verantwortung, die ihnen daraus zuwächst, jederzeit gerecht werden und sie sich respektvoll und angemessen auch gegenüber Besucherinnen und Besuchern verhalten. Eine Bemerkung wie die vorliegende gehört nicht dazu.“ Das habe Aras Baron in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, betont ein Sprecher. Der Schulleitung habe Aras angeboten, der Schule einen Besuch abzustatten, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

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