Lidl holt Mros zurück

Neckarsulm - Anfang April hat Lidl Frank Michael Mros nach dem Krankenakten-Fund den Stuhl „mit sofortiger Wirkung“ vor die Türe gesetzt und ihn seiner Aufgaben als Deutschland-Chef entbunden. Jetzt haben die Neckarsulmer erneut gehandelt: Mros wird Chef der britischen Tochtergesellschaft Lidl UK.

Von Manfred Stockburger

Lidl entlässt Deutschlandchef - Nachfolger wird Kisseberth
Die Deutschlandzentrale von Lidl ist in diesem Gebäude in der Neckarsulmer Rötelstraße untergebracht. Foto: Andreas Veigel



Neckarsulm - Anfang April hat Lidl Frank Michael Mros nach dem Krankenakten-Fund den Stuhl „mit sofortiger Wirkung“ vor die Türe gesetzt und ihn seiner Aufgaben als Deutschland-Chef entbunden. „Damit zieht der Vorstand die Konsequenzen aus den jüngsten Vorwürfen zum Datenschutz“, hieß es damals unter der Überschrift „Lidl handelt“.

Das waren deutliche Worte. Aber jetzt haben die Neckarsulmer erneut gehandelt: Mros wird Chef der britischen Tochtergesellschaft Lidl UK. Die Pressestelle will die Personalie zwar nicht bestätigen, nach Informationen der Heilbronner Stimme ist die am Wochenende vom „Spiegel“ unter Berufung auf Insider verbreitete Nachricht aber korrekt.

Der Chefposten bei Lidl UK ist vakant, seit Hans Christoph Templin in diesem Frühjahr in den Vorstand des Neckarsulmer Handelsunternehmens aufgerückt ist.

Ende April war Mros zwar - das lässt sich im Handelsregister nachvollziehen - als Geschäftsführer der Lidl Dienstleistung Geschäftsführungs GmbH abberufen worden, intern war die Personalie Mros (Foto: Archiv/Lidl) nach Stimme-Informationen aber von vorne herein nicht als Entlassung behandelt worden, sondern eher als Beurlaubung.

Der umstrittene Manager war Ende 2005 zum Deutschland-Chef bestellt worden, nachdem sein Vorgänger Wilfried Oskierski den  Vorstandsvorsitz übernommen hatte. Davor war der Mittvierziger, der in der Nähe von Potsdam wohnt, unter anderem Geschäftsführer der polnischen Lidl-Tochtergesellschaft und der Dresdner Regionalgesellschaft gewesen. Frank-Michael Mros gilt als ein Vertreter der alten Garde - aber auch als ein enger Vertrauter des Lidl-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Gehrig.

Im Vergleich zu seiner bisherigen Aufgabe in Deutschland, wo Lidl 2007 nach Einschätzung von GFK etwa 13 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete, ist der neue Job in London in der Lidl-Welt deutlich kleiner - 2007 lag der Umsatz laut Planet Retail bei rund 2,6 Milliarden Euro.

Wachstum

Gleichwohl ist der britische Markt für die Neckarsulmer nicht unwichtig: Erstens wachsen Lidl und der Wettbewerber Aldi Süd in Großbritannien schnell. Zweitens treten die Neckarsulmer auf der Insel direkt gegen Tesco an, also gegen den europäischen Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel. In Osteuropa treffen sowohl Lidl als auch Kaufland, die Großflächen-Schwester der Schwarz-Gruppe, vielerorts auf die Briten.

Das überraschende und überraschend schnelle Comeback dreht die Uhr aber nicht in allen Bereichen zurück: Inzwischen hat sich der neu zusammengestellte Vorstand unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Holland etabliert - und mit ihm die neue Managementstruktur des Handelsunternehmens. Frank-Michael Mros' Nachfolger Jürgen Kisseberth berichtet nicht nur formal an den Lidl-Vorstand. Dasselbe gilt natürlich auch für den neuen Chef von Lidl UK.


Schwarz-Gruppe auf Überholspur

Das Marktforschungsinstitut Planet Retail hat gestern sein neues Ranking der größten Lebensmittelhändler der Welt vorgestellt. Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland ist dabei vom neunten auf den fünften Platz gesprungen. Die Metro-Gruppe findet sich auf dieser Liste auf Platz drei, Rewe auf dem zehnten Rang und Aldi auf Platz elf. Planet Retail gibt den Umsatz der Neckarsulmer für das vergangene Jahr mit 86 Milliarden Dollar an. Die Nummer eins ist unverändert der US-Konzern Walmart mit einem Umsatz von 434 Milliarden Dollar.