Witwe des Unfallopfers fordert Abschiebung: „Das wäre ein Zeichen“
Am kommenden Dienstag wird in Stuttgart darüber verhandelt, ob der Heilbronner Wollhaus-Raser abgeschoben werden soll. Die Familie des Opfers kämpft drei Jahre nach dem tödlichen Unfall noch immer mit den Folgen.
Es ist ein schwieriges Leben, sagt Aniko S., kein normales und schon gar nicht jenes, das sie sich einst erträumt hatte. Vor drei Jahren hat sie ihren Mann verloren, ihre beiden Kinder wachsen seitdem ohne Vater auf. Er kam ums Leben, weil ein damals 20-Jähriger im Februar 2023 mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch die Heilbronner Wollhausstraße raste und in das Auto der Familie krachte, die gerade zu einem Sonntagsausflug aufbrechen wollte.
Mit den Folgen des tödlichen Unfalls kämpft die Familie bis heute, Aniko S. leidet noch immer unter gesundheitlichen Einschränkungen. Auch ihre Tochter und ihr Sohn, inzwischen elf und sieben Jahre alt, tragen schwer am Verlust des Papas. Das Leben sei weniger unbeschwert, sagt die Mutter, die sich vor allem um ihre Kinder sorgt.
Tödlicher Raser-Unfall in Heilbronn: Täter klagt gegen seine Abschiebung
Der als Wollhaus-Raser bekannte Täter wurde im April 2024 wegen Mordes und versuchten Mordes in drei Fällen zu einer Jugendstrafe von neun Jahren Haft verurteilt, seine Revision ein Jahr später vom Bundesgerichtshof abgelehnt. In der Folge hatte das Regierungspräsidium Stuttgart im vergangenen Jahr eine Ausreiseverfügung gegen den türkischen Staatsbürger aus Heilbronn erteilt.
Dagegen hat dieser Klage eingereicht. Die Verhandlung findet am kommenden Dienstag am Verwaltungsgericht in Stuttgart statt, der Ausgang ist nach Expertenmeinung offen.
Witwe verfolgt Verfahren mit Sorge und Angst vor erneuter Begegnung mit dem Täter im Gericht
Aniko S., die im Strafprozess als Nebenklägerin aufgetreten war, beschäftigt die anstehende Verhandlung sehr. „Ich lese alles, verfolge alles“, sagt die 45-Jährige. Sie habe nach Stuttgart fahren wollen, „aber das schaffe ich nicht“. Ein erneutes Aufeinandertreffen mit dem Täter sei emotional schwierig und mache ihr Angst. „Und es ändert nichts.“ Das Urteil sei gefallen, „mein Mann kommt nicht zurück“.
Witwe: „Ich bin für die Abschiebung“
Trotzdem hat sie eine klare Haltung: „Ich bin für die Abschiebung.“ Das wäre ein klares Zeichen, sagt die Witwe. Schon bei der Urteilsverkündung wegen Mordes hatten die Heilbronnerin und ihre Anwältin Elisabeth Unger-Schnell gehofft, dass von dem Urteil ein Signal ausgeht. Aniko S. hatte bereits damals betont, dass es ihr nicht um Rache gehe, sondern darum, dass jeder für seine Taten geradestehen müsse. Eine Abschiebung des Täters würde zudem räumlichen Abstand schaffen, die Witwe könnte ihre Angst vor einer Begegnung überwinden.
An den Unfall denkt sie ohnehin immer. Ihr Mann fehle schon so lange, trotzdem sei es, als wäre der Unfall gestern gewesen, sagt sie. „Ich fahre täglich durch die Wollhausstraße“, erzählt Aniko S. Dabei achte sie immer auf die Tiefgaragenausfahrt, an der der Unfall passierte, sie schaue zu ihrem einstigen Wohnhaus – und erinnert sich dabei an ein anderes Leben.
Familie sucht ihren Platz in Heilbronn
Ganz bewusst kehrt sie immer wieder zurück, auch mit ihren Kindern, die die Wohnung am Unfallort noch immer als „Zuhause“ bezeichnen. Auch um ihretwillen will die Mutter, die inzwischen wieder Vollzeit bei der Rentenversicherung arbeitet, endlich in Heilbronn ankommen: „Wir haben unseren Platz noch nicht gefunden.“
Zwei Jahre vor dem Mord war die Familie aus Niedersachsen in die Stadt gezogen, um sich eine Zukunft aufzubauen. Das muss Aniko S. jetzt ohne ihren Mann schaffen. Zweimal ist sie seit seinem Tod umgezogen, jetzt will sie ein neues Zuhause für ihre Kinder aufbauen. Unterstützung und Kraft findet sie auch bei der Familie ihres Mannes, aber den Schicksalsschlag hat sie noch lange nicht verarbeitet.
„Mein Mann fehlt jeden Tag“, sagt sie. Früher sei sie glücklich gewesen, „heute bin ich einfach froh, wenn ich wieder einen Tag geschafft habe“.
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