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Umfeld des Wollhaus-Rasers im Visier – Strobl fordert lebenslangen Führerschein-Entzug

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Nach der Beschlagnahmung von Luxusautos im Umfeld des Heilbronner Wollhaus-Rasers verschärft sich die Debatte um harte Strafen für notorische Temposünder. Innenminister Thomas Strobl fordert einen lebenslangen Führerschein-Entzug für unbelehrbare Raser.


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Die jüngsten Raser-Fälle in Ludwigsburg und die Entwicklungen rund um das Umfeld des Heilbronner Wollhaus-Rasers nimmt Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) zum Anlass, drastische Strafen für notorische Temposünder zu fordern. Der Gesetzgeber müsse prüfen, ob besonders unbelehrbare Raser ihre Führerscheine auf Lebenszeit verlieren könnten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Raser-Fälle in Heilbronn und Ludwigsburg: Forderung nach lebenslänglichen Führerschein-Entzug

„Meine Forderung ist hier sehr klar: lebenslänglich für lebensgefährlich“, sagte Strobl in Stuttgart. Wer wiederholt und uneinsichtig herumrase und sich Rennen liefere, dem müsse die Fahrerlaubnis lebenslänglich entzogen werden. Er setze dabei auch auf den Bund als Gesetzgeber, sagte Strobl. Einzelheiten dazu nannte er nicht. „Wir müssen hier wirklich alle Register ziehen“, sagte der Minister. „Es ist nicht nur irre, was diese Leute machen. Es ist auch lebensgefährlich.“ Er habe kein Verständnis dafür, dass mehrfache Wiederholungstäter ihren Führerschein stets zurückbekämen. „Das kann ich niemandem erklären“, sagte der Heilbronner CDU-Politiker.


Nach dem Strafgesetzbuch kann ein Führerschein bereits unter sehr engen Voraussetzungen ein Leben lang entzogen werden. Nach Angaben des Innenministeriums geht es Strobl aber um klare und strikte Vorgaben im sogenannten Fahrerlaubnisrecht. Es legt fest, wer in Deutschland unter welchen Bedingungen einen Führerschein haben darf und in welchen Fällen der Staat ihn entzieht oder beschränkt.

Verkehrsminister verlangt konsequentere Sanktionen gegen Verkehrsrowdys

Verkehrsminister Winfried Hermann spricht sich ebenfalls für strengere Maßnahmen aus, formuliert seine Forderungen jedoch zurückhaltender als Strobl. „Die sollten die rote Karte bekommen, bevor etwas passiert, und zwar für längere Zeit“, sagte er. Ziel sei es, den Druck auf „diese Klientel“ zu erhöhen. Zugleich mahnte Hermann, Vorfälle dieser Art nicht zu relativieren. „Da gibt es Verursacher und Verantwortliche“, sagte Hermann.

Der Grünen-Politiker plädierte außerdem dafür, Fahrzeughalter stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Verkehrsrowdys können, wenn sie überhaupt erwischt werden, sich heute zu oft damit herausreden, sie wüssten nicht, wer ihr Auto gefahren sei.“

Illegales Autorennen in Ludwigsburg: Brüder mit langer Akte vor Gericht

Zuletzt hatten entsprechende Erkenntnisse im Prozess um zwei Brüder für Aufsehen gesorgt. Sie stehen wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht, weil sie in Ludwigsburg bei einem illegalen Autorennen einen Unfall mit zwei Toten verursacht haben sollen.

Nach Aktenlage hatten sie seit ihrer Jugend dutzendfach Regeln im Straßenverkehr ignoriert und waren damit offenbar immer wieder durchgekommen. Zwar hatte das zuständige Landratsamt den beiden mehrmals den Führerschein abgenommen. Sie erhielten ihn im Laufe der Jahre aber wiederholt zurück, weil sie ein psychologisch-medizinisches Gutachten vorlegen konnten. Ihnen wurde unter anderem Fahren ohne Fahrerlaubnis, Tankbetrug und Unfallflucht sowie wiederholte massive Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen.

Die sogenannte Fahrerlaubnisakte des älteren Bruders umfasst 113, die des jüngeren immerhin noch 67 Einträge. Der 32-Jährige hatte seinen Führerschein nach einer langen Sperre erst zwei Monate vor dem fatalen Autorennen zurückerhalten.

Die Polizei hat am Freitag (13. Februar) in Heilbronn zwei Autos aus der Raser- und Poserszene beschlagnahmt.
Die Polizei hat am Freitag (13. Februar) in Heilbronn zwei Autos aus der Raser- und Poserszene beschlagnahmt.  Foto: Polizei Heilbronn

Polizei beschlagnahmt zwei hochmotorisierte Autos in Heilbronn

Aktuelle Entwicklungen in Heilbronn zeigen zudem, wie präsent die Problematik weiterhin ist. Bei einer Beschlagnahmung von zwei Fahrzeugen aus dem familiären Umfeld des sogenannten Wollhaus-Rasers sind am Freitag am Heilbronner Sülmertor zwei Polizisten verletzt worden. Zwei Personen wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz und beschlagnahmte die hochmotorisierten Autos wegen wiederholter Verkehrsverstöße. Die Beschlagnahmeverfügung gilt zunächst für vier Wochen.

Bereits im Oktober hatte die Heilbronner Polizei einen Mercedes Benz CLS 500 4MATIC wegen massiver Regelverstöße sichergestellt, den die Stadt Heilbronn inzwischen eingezogen hat. Bei den nun beschlagnahmten Fahrzeugen handelt es sich um einen grauen Mercedes-Benz AMG CLS 53 4MATIC sowie einen grünen Mercedes-Benz GLE 400 D 4MATIC. Der AMG gehört demselben Fahrzeughalter wie das bereits zuvor eingezogene Auto, der GLE einem Familienangehörigen.

Nach Einsatz in Heilbronn: Polizei bestätigt Verbindung zu Wollhaus-Raser-Familie

Trotz der früheren Maßnahmen kam es im Dezember 2025 erneut zu einem gefährlichen Vorfall mit einem der Fahrzeuge. Nach Polizeiangaben raste der Fahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch ein Industriegebiet, nötigte durch dichtes Auffahren andere Verkehrsteilnehmer und beging weitere Verstöße. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei dem Fahrzeughalter um einen Cousin des sogenannten Wollhaus-Rasers, während die Ermittlungen zu den Widerstandshandlungen und Angriffen auf die Beamten andauern.

Polizeipräsident Frank Spitzmüller betonte am Freitag eine konsequente Linie: „Wir fahren eine Nulltoleranzstrategie gegen gefährliche, unbelehrbare, Grenzen überschreitende Raser bis hin zur polizeirechtlichen Beschlagnahme deren Fahrzeuge.“ 

Die aktuellen Entwicklungen in Heilbronn und die schweren Vorwürfe im Ludwigsburger Raser-Prozess rücken die Problematik nun erneut in den Fokus und verstärken die politische Debatte über strengere Vorgaben im Fahrerlaubnisrecht. (pen/dpa)




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