Versuchter Auftragsmord in Waldenburg: Splitter des Tatfahrzeugs an Kleidung des Opfers
Das Tatfahrzeug für den mutmaßlich versuchten Auftragsmord in Waldenburg am 23. Mai 2025 hat die Polizei wenige Tage nach dem Anschlag in einer Tiefgarage gefunden. Dort fanden Mitarbeiter des Landeskriminalamts Spuren des Opfers.
Ein silberner Ford Focus soll die Exfrau des Hauptangeklagten K. im Prozess gegen drei Angeklagte wegen des mutmaßlich versuchten Auftragsmordes in Waldenburg angefahren haben. Das hatten bereits mehrere Augenzeugen in der Hauptverhandlung vor dem Heilbronner Landgericht berichtet.
Jetzt hat sich dieser Verdacht weiter erhärtet. Zwei Wissenschaftler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA) bestätigten am Mittwoch vor der ersten Schwurgerichtskammer, dass der Ford Focus die Exfrau des Hauptangeklagten K. sehr wahrscheinlich mit großer Wucht angefahren hat.
Prozess in Heilbronn: Neue LKA-Gutachten erhärten Verdacht auf Auftragsmord in Waldenburg
Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte F. die Tat verübt haben, als die Geschädigte am 23. Mai 2025 ihr Kind vom Kindergarten in Waldenburg abholen wollte. Seine damalige Freundin und Mitangeklagte G. soll ihm bei der Planung geholfen haben, so Oberregierungsrätin Miriam Birk-Braun.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hat ebenfalls Anklage gegen den Exmann der Geschädigten erhoben. K. soll F. und G. beauftragt haben, seine Exfrau zu töten. Das Opfer überlebte den Anschlag. Die Anklage lautet deshalb unter anderem auf gemeinschaftlich versuchten Mord.
LKA-Mitarbeiter: Ford Focus war mit hoher Wahrscheinlichkeit das Tatfahrzeug
Lack- und Glasspuren fanden die Mitarbeiter des LKA an der Kleidung der Geschädigten, die dem Ford Focus mit hoher Wahrscheinlichkeit zuzuordnen seien. Und sie untersuchten eine Faserspur an der beschädigten Windschutzscheibe des Fahrzeugs, die ebenso wahrscheinlich von der Jacke der Frau stammte.
Das Auto war bereits vor der Tat am 23. Mai mehrfach in Waldenburg aufgefallen. Mutmaßlich wollten F. und G. die Gewohnheiten des späteren Anschlagsopfers ausspionieren. Nach der mutmaßlichen Tat war der Ford Focus in der Tiefgarage der Angeklagten G. abgestellt. Die Polizei hatte ihn dort wenige Tage später gefunden. Zum damaligen Zeitpunkt waren F. und G. ein Paar. Sie erwarteten ein gemeinsames Kind.
In einem der vorangegangenen Prozesstage hatte G. ihren Verteidiger Michael Traub erklären lassen, sie habe mit dem Mordanschlag nichts zu tun. Vielmehr sei sie darüber entsetzt gewesen, dass ihr Lebensgefährte versucht habe, einen Menschen zu töten. Auch mit der Planung habe sie nichts zu tun gehabt. F. und K. haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Angeklagte steckte wegen Spielsucht immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten
G. steckte finanziell offenbar immer wieder in der Klemme. Nicht zuletzt wegen ihrer Spielsucht, sagte ihre Mutter am Mittwoch im Zeugenstand. Ihr Ehemann und Stiefvater von G. habe ihre Schulden immer wieder beglichen, so die Zeugin. Derzeit bezahlt er auch die monatlichen Raten für einen Immobilienkredit seiner Stieftochter. Das Geld hätte er gerne von ihr zurück, sagte der Stiefvater.
Unmittelbar nach dem missglückten Anschlag auf das Leben der Exfrau des Hauptangeklagten, flogen F. und G. in die Türkei in den Urlaub. Das Geld für die Tickets hatte ihnen zuvor der Stiefvater von G. ausgelegt. Eine Woche vor dem Anschlag habe seine Stieftochter die Kosten dafür zurückbezahlt. Sie übergab 2400 Euro in einem Umschlag.
Nach der Schule hatte die Öhringerin verschiedene Anstellungen. Zuletzt war sie bei einem Weinsberger Gebäudereinigungsunternehmen als Objektleiterin angestellt. Dabei sei sie für den Breitenauer See zuständig gewesen, sagt deren ehemalige Chefin. Im Dezember 2024 habe sie die Stelle angetreten. „Sie kam aber einfach nicht zur Arbeit“, sagte die Geschäftsführerin der Firma.
Mit dem Dienstfahrzeug einer Reinigungsfirma an der Adresse des späteren Opfers vorbeigefahren
Stattdessen habe sie den Dienstwagen für längere private Fahrten genutzt. Laut GPS-Auswertung des Dienstfahrzeuges fuhr die Angeklagte am 16. März, also gut zwei Monate vor dem mutmaßlichen Anschlag, mit dem Dienstfahrzeug vier Mal an der Wohnadresse der später Geschädigten vorbei. Das sagte einer der ermittelnden Polizeibeamten am Mittwoch im Zeugenstand.
Am Tag ihrer Verhaftung habe G. ihre Mutter angerufen. Sie solle ihre Tochter von der Schule abholen. F. habe „Scheiße gebaut“, soll sie ihrer Mutter am Telefon gesagt haben. „Wenn du nichts mehr von mir hörst, hörst du von meinem Anwalt“, habe sie wörtlich gesagt, so die Mutter der Angeklagten im Zeugenstand.
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