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Heilbronn

Weitere Vorwürfe an Waldorfschule: Schüler soll andere mit Messer bedroht haben

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Eltern bemängeln, dass Gewaltvorfälle an der Heilbronner Waldorfschule unter den Teppich gekehrt werden. Derweil fordert die Schulverwaltung Eltern auf, in sozialen Medien gegen die Stimme-Berichterstattung zu posten.


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Die Reaktionen auf die Berichterstattung über Gewaltvorwürfe an der Waldorfschule Heilbronn-Sontheim reißen nicht ab. Immer wieder melden sich Eltern zu Wort. Strukturelle Defizite im Umgang mit Vorfällen bemängelt eine Mutter.

Das Muster sei immer gleich. Aussagen von Kindern würden relativiert oder ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt, Vorfälle abgeschwächt. „Wer den Mund aufmacht, muss Sorge haben, dass die Verträge von Schulseite aus gekündigt werden.“ Die Fluktuation der vergangenen Jahre sei groß. 

Heilbronner Waldorfschule fordert Eltern zu Postings in sozialen Netzwerken auf

Andere schreiben, sie könnten „nur Gutes“ von der Schule berichten. Die Erzieherin, gegen die eine Mutter Gewaltvorwürfe erhebt, und deren drei Kinder daraufhin aus der Schule geworfen wurden, sei „ein guter Mensch“.  Ein langjähriger Lehrer meldet sich, dass kein einziger Schüler in 30 Jahren aus der Einrichtung „geflogen sei“. Einer Vertragsauflösung gehe ein wochenlanger Prozess voraus. Empört sei das Kollegium über die Berichterstattung.

Ob die Reaktionen von Schulseite aus lanciert sind, ist offen. Der Heilbronner Stimme liegen Unterlagen vor, in denen die Öffentlichkeitsarbeit der Schulverwaltung Eltern schriftlich dazu auffordert, in den sozialen Medien Kommentare gegen die Berichterstattung der Stimme zu posten. 

Mutter berichtet über Vorfall an Heilbronner Waldorfschule: Schüler zog Rambo-Messer aus dem Hoodie

Telefonisch und schriftlich berichtet eine Mutter von „gravierenden körperlichen Vorfällen“ unter den Kindern. „Alles begann vor einem Jahr“, erzählt Sabine M. (Namen der Eltern von der Redaktion geändert). „Ein Schüler zog ein großes Rambo-Messer mit gezackter Klinge aus seinem Hoodie und sagte zu meinem Sohn und dessen Freund, dass er an diesem Tag ein bestimmtes Kind ,abstechen werde’. Wenn sie etwas verrieten, seien sie dran.“

Als ein anderes Kind sich daheim anvertraute, erwarteten die Eltern eine Aufklärung des Falles. Doch bis auf einen temporären Schulausschluss sei wenig passiert.

Diesen Vorwurf weist Jörg Hartmann, Geschäftsführer des Vereins für Waldorfpädagogik Unterland, von sich. Das Gegenteil sei der Fall: „Als ein Schüler tatsächlich ein Messer mit an die Schule brachte, haben wir dies mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, Behörden und Personen thematisiert und auch die Klassen- und Schulgemeinschaft mit einbezogen.“

Sabine M. hat nach Vorfall an Heilbronner Waldorfschule Strafanzeige gestellt

Sabine M. hat damals Strafanzeige gestellt, wie eine weitere Familie auch. „Doch das Verfahren wurde eingestellt“, sagt sie. Auch als Kinder einen Jungen massiv körperlich angegangen hätten, sei die Rückmeldung gekommen, die Eltern sollten aufhören, ihre Kinder zu befragen.

Katharina L., die ihre Kinder deswegen von der Waldorfschule genommen hat, bestätigt das und nimmt Bezug auf Attacken auf ihren Sohn. „Uns wurde geraten, nach den Übergriffen auf unseren Sohn möglichst nicht mit anderen Eltern zu sprechen, um keine Unruhe zu erzeugen.“

„Gewalt ist ein großes Thema. Aber das will niemand sehen“

Das Verhalten habe sie in dem Eindruck verstärkt, „dass die Schule mehr darum bemüht war, die Situation nach außen zu beruhigen, als sie inhaltlich aufzuarbeiten oder wirksam zu lösen“.Sabine M.: „Gewalt ist ein großes Thema. Aber das will niemand sehen.“

In einer anderen Klasse eines ihrer Kinder fehle die Lehrerin seit annähernd zwei Jahren. „Es gibt keinerlei gleichwertigen Ersatz. Als Hausaufgabe malen die Schüler hauptsächlich Bilder. Ich kann nicht sagen, was mein Kind im vergangenen Jahr gelernt hat.“ Dass Eltern Unterricht übernähmen, sei gängige Praxis.

Jörg Hartmann weist Kritik an Waldorfschule zurück: Im Krankheitsfall gebe es adäquate Vertretungen

Jörg Hartmann bestreitet das. Im Krankheitsfall gäbe es adäquate Vertretungen. So kümmere sich derzeit eine „qualifizierte“ Klassenhelferin, die sich berufsbegleitend zur Klassenlehrerin ausbilden lasse, mit einer „erfahrenen, qualifizierten“ Mentorin um die Klasse. Hartmann: „Die Behauptung, über längere Zeiträume würden andere Eltern ohne fachlichen Hintergrund eingesetzt, ist verleumderisch.“

Sabine M. weist darauf hin, dass die Mentorin, also die ausgebildete Lehrerin, sich um drei Klassen gleichzeitig kümmern müsse. „Wie soll so etwas funktionieren? Das muss Superwoman sein.“  

Sie bemängelt ferner, dass eine Anwesenheitskontrolle fehle. „Ich habe zwei Mal mein Kind bewusst nicht entschuldigt. Es gab keinerlei Rückmeldung.“ Auch gegen diesen Vorwurf wehrt sich Hartmann. „Wir führen wie jeder ordentliche Schulbetrieb Klassenbücher, in denen An- wie Abwesenheiten der Schüler dokumentiert sind.“

Für ihre Kinder hat Sabine M. inzwischen neue Schulen gesucht. Ihr ernüchtertes Fazit zur Waldorfschule: „Die Kinder lernen nichts. Sie sind nicht geschützt. Und jeder Vorfall wird unter den Teppich gekehrt und vertuscht. Damit komme ich nicht klar.“ 




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