Waldorfschule wirft Kinder raus – Mutter erhebt Gewaltvorwürfe gegen Erzieherin
An der Waldorfschule in Heilbronn haben Kinder die Schule verlassen müssen, nachdem ihre Mutter Vorwürfe gegen eine Betreuerin erhoben hatte. Was die Waldorfschule zu den Vorwürfen sagt.
Die Kinder waren unendlich traurig, ihr schulisches Umfeld zu verlieren, ihre Klassenkameraden. „Alle haben geweint und ich auch. Die Kinder haben ihre Klassen geliebt“. Sophie Weber (Name von der Redaktion geändert) fühlt sich Wochen später noch „wie geprügelt“, wenn sie ihre Geschichte erzählt.
Alles dreht sich um das Verhalten einer Betreuerin in der Kernzeit der Heilbronner Waldorfschule und den Umgang der Schule mit dem Konflikt. Die Frau habe Schüler geschlagen, geschubst und als „dumm“ bezeichnet.
Waldorfschul-Geschäftsführer Jörg Hartmann: Vertrauensverhältnis war durch andere Vorkommnisse zerrüttet
Als sich die Mutter im Herbst 2025 bei der Schulleitung beschwert und sich an den Kinderschutzbund wendet, fliegen kurz darauf ihre Kinder von der Schule. So erzählt sie das. Erschüttert und entsetzt ist sie noch immer.

Ob es diesen Zusammenhang gibt? „Das ist nicht der Fall“, sagt Waldorfschul-Geschäftsführer Jörg Hartmann gegenüber der Stimme. Vielmehr sei das Vertrauensverhältnis durch andere Vorkommnisse zerrüttet gewesen.
Mutter und Ärztin war sehr überzeugt vom Konzept der Waldorfschule
Lange Jahre ist die Ärztin überzeugt vom Konzept der Waldorfschule, von der Idee, dass jeder Schüler hier in seinem eigenen Tempo wachsen und lernen darf. Sie packt an beim Basar, hilft beim Gartentag, wenn Bäume geschnitten werden und Rasen gemäht wird und die Eltern das Schulgebäude putzen.
Schon vor den Sommerferien 2025 habe die Betreuerin Kindern gedroht, sie geschlagen und beschimpft. Zur Strafe hätten Einzelne auf „einem harten Stuhl“ sitzen müssen.
Die Situation eskaliert im Herbst, Erzieherin entschuldigt sich nicht
Die Situation eskaliert im Herbst. Im Oktober habe die Erzieherin, die nach Auskunft der Schule gerade erst die Ausbildung begonnen hat, einen Freund ihres Kindes heftig geschubst. Der Freund sei zu Boden gestürzt. Geschäftsführer Jörg Hartmann teilt dazu schriftlich mit: „Es gab einen Konflikt, weil ein Kind beim Verlassen des Gebäudes nicht die Jacke anziehen wollte.“
Sophie Webers Sohn ist Zeuge der Szene. Als die Mutter des geschubsten Jungen die Betreuerin später zur Rede stellt, habe diese alles abgestritten. „Gib zu, dass du lügst“, soll sie gesagt haben. Eine Entschuldigung seitens der Erzieherin gibt es nicht.
Waldorfschul-Geschäftsführer: Es hat ein klärendes Gespräch stattgefunden
Jörg Hartmann sagt dagegen: „Es hat ein klärendes Gespräch stattgefunden, und der Konflikt konnte für alle Seiten zufriedenstellend beigelegt werden.“ Er verweist auf das Schutzkonzept der Waldorfschulen, das man anwende.
Sophie Weber sieht das ganz anders. Die Psychiaterin, die als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin an der Waldorfschule sogar Workshops für gewaltfreies Miteinander anbietet, hat das Gefühl, dass die Geschäftsführung nicht nach dem Schutzkonzept an Waldorfschulen aktiv wird und bemängelt die fehlenden Konsequenzen für die Betreuerin.
Deshalb wendet sie sich an den Kinderschutzbund. Dieser bietet an, die Sache zu übernehmen und das Bildungsministerium einzubeziehen. „Die Schulleitung darf nicht länger untätig sein“, ist deren Credo. Weil Sophie Weber transparent sein will, leitet sie die E-Mail an die Waldorfschulleitung weiter. „Ich habe der Schule vertraut, ich habe nie mit so einer Entwicklung gerechnet.“
Trotz massiver Kritik kann die Frau ihre Ausbildung zur Erzieherin an der Waldorfschule fortsetzen
Auch von der Kinderschutzgruppe der Schule kommt nicht die erhoffte Rückendeckung, so die Ärztin. Im November erfährt sie, dass die Betreuerin sie wegen übler Nachrede angezeigt hat. Wenige Tage später erhält sie per Einschreiben die Kündigung aller drei Schulverträge und fällt aus allen Wolken.
„Es herrscht große Angst unter den Eltern, Kritik zu äußern“, sagt sie. Sie erbittet Hilfe beim Regierungspräsidium. Eine Beschwerde bei der Landesarbeitsgemeinschaft Waldorfschulen Baden-Württemberg wird abgelehnt, die Kinder seien nicht mehr Teil der Waldorfschul-Gemeinschaft.
Dass ihre Kinder leiden, schmerzt doppelt. Aber es hilft nichts. Sophie Weber macht sich auf die Suche nach neuen Schulplätzen, schließlich bringt sie alle unter. Trotzdem bleibt ein schales Gefühl von Resignation und davon, das Vertrauen in ein System verloren zu haben.
An der Waldorfschule geht alles weiter wie gehabt. „Die Mitarbeiterin ist im Rahmen ihrer Ausbildung weiter bei uns beschäftigt“, sagt der Geschäftsführer.
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