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Reaktion auf Vorwürfe

Nach Rauswurf von Kindern: Waldorfschule Heilbronn verteidigt Vorgehen

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Nach Gewaltvorwürfen gegen eine Erzieherin spricht der Schulleiter der Heilbronner Waldorfschule von „hämischem unfairem“ Verhalten der Mutter. Der Kinderschutzbund weist dagegen darauf hin, dass Kindern oft nicht geglaubt wird. 


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Die Berichterstattung über drei Kinder, die die Waldorfschule Heilbronn-Sontheim aus ihrer Einrichtung geworfen hat, schlägt hohe Wellen. Grund für den Rauswurf, so Geschäftsführer Jörg Hartmann, sei das zerrüttete Vertrauensverhältnis der Eltern zur Schule gewesen. Zuvor hatte die Mutter Gewaltvorwürfe gegen eine angehende Erzieherin im dortigen Hort erhoben.

Leitung der Waldorfschule Heilbronn wendet sich mit einem Brief an die Eltern 

Auf Instagram kocht die Diskussion hoch. „Mutter beschwert sich, Zack, Vertrag gekündigt. Mehr muss man eigentlich nicht wissen“, schreibt ein User. „Traurig, für die Mutter“, ein anderer. Andere halten der Waldorfschule die Stange. Sie schreiben von „einseitiger Berichterstattung“. 

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Auch die Schulleitung meldet sich am vergangenen Freitag mit einem Schreiben an Elternschaft und an die Redaktion der Heilbronner Stimme zu Wort. Den Vorwurf der Mutter Sophie Weber (Name von der Redaktion geändert) war gewesen, dass eine Erzieherin im Oktober ein Kind so heftig geschubst habe, dass es hingefallen sei. Ihr Sohn war Zeuge. Aktenkundig ist, dass die Betreuerin den betroffenen Jungen daraufhin der Lüge bezichtigte. Den Vorfall habe man in einem gemeinsamen Gespräch geklärt, so Geschäftsführer Jörg Hartmann. Bereits im Sommer hatte Sophie Weber das Verhalten der Betreuerin gegenüber Kindern kritisiert. 

Ihre Kinder haben mit dem Vorfall im Herbst nichts zu tun. Trotzdem schreibt  Jörg Hartmann im offenen Brief: Man habe mit Schulführung und Vorstand diskutiert und schon damals signalisiert, dass ein Wechsel der Kinder von Familie Weber „im Interesse aller Beteiligten“ wäre. 

Streit an Waldorfschule Heilbronn: Mutter berichtet von Rauswurf ohne Vorwarnung

Sophie Weber bestreitet das. „Uns hat keiner vor der Kündigung signalisiert, dass wir die Schule wechseln sollen“, sagt die Ärztin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. Intensiv war die ganze Familie in Waldorfschul-Aktivitäten involviert gewesen. „Wir haben uns nicht ,getrennt’, sondern wir wurden ohne Vorwarnung, ohne Abschlussgespräch, zum Halbjahr rausgeworfen.“ Schon vor Jahren habe sie für einen gewaltfreien Umgang von Lehrern gegenüber Kindern plädiert und auf ein fehlendes Beschwerdemanagement hingewiesen. Damals hatte sie „zehn, elf Eltern im Hintergrund, die sich aus Angst vor Konsequenzen nicht zu reden trauten“. 

Nach den Gesprächen bezüglich des Vorfalls im Herbst, so Geschäftsführer Jörg Hartmann, habe Sophie Weber trotzdem den Kinderschutzbund bemüht. Die Schule habe darauf eine Vertreterin aktiv eingeladen. Diese habe nichts beanstandet. 

An der Heilbronner Waldorfschule  stehen Gewaltvorwürfe gegen eine Erzieherin im Raum. Drei Kinder wurden daraufhin wegen des zerrütteten Verhältnisses der Schule zu den Eltern rausgeworfen.
An der Heilbronner Waldorfschule stehen Gewaltvorwürfe gegen eine Erzieherin im Raum. Drei Kinder wurden daraufhin wegen des zerrütteten Verhältnisses der Schule zu den Eltern rausgeworfen.  Foto: Ralf Seidel

Chefin des Heilbronner Kinderschutzbundes: Der Fall ist sehr ungewöhnlich

Die damalige Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes ist inzwischen nicht mehr dort tätig. „Wir haben seit 1. Januar von dieser Schule nichts gehört, es besteht kein Kontakt“, sagt die Leiterin des Heilbronner Kinderschutzbundes, Tatjana Fink. „Der Fall ist sehr ungewöhnlich“, sagt Fink. „Unser Fokus liegt immer auf den Kindern. Sie sind die Leidtragenden, indem sie entweder an einer Schule sind, an der es nicht gut läuft, oder einen Schulwechsel verarbeiten müssen.“ Und: „Sehr oft wird Kindern nicht geglaubt.“ Grundsätzlich habe der Kinderschutzbund Lotsenfunktion. „Eine Möglichkeit der Schule wäre gewesen, von uns eine Begleitung zu erbeten, ein Schutzkonzept mit Ablaufplan.“ 

Ein Schutzkonzept habe die Schule, so die Leitung schriftlich. „Wir betonen unsere Rolle als Vorreiter der Anti-Gewalt-Arbeit für und mit Kindern.“ Das ist eigentlich auch Sophie Webers Ziel, auch wenn die Schulleitung ihr Verhalten als „hämisch und unfair“ bezeichnet. Die Psychiaterin sagt: „Es geht mir nicht um Rache, sondern, dass sich am Beschwerdemanagement etwas ändert. Es geht um Kinderschutz. Ich kann mich nicht einerseits täglich für Kinder einsetzen und dann bei sowas wegschauen.“ Andere Eltern hätten genau vor dem Angst, was ihr passiert sei und hielten lieber den Mund. „Das ist schlimm.“    




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