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Prozess in Heilbronn
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Versuchter Auftragsmord in Waldenburg: Ex-Frau spricht von Schlägen lange vor der Tat

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Im Prozess wegen eines mutmaßlich versuchten Auftragsmordes mit einem Auto in Waldenburg hat am Donnerstag das Opfer ausgesagt. Im Gerichtssaal herrschte erhöhte Sicherheitsstufe.


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Umgeben von mehreren Polizeibeamten hat die Hauptzeugin am Donnerstag den Großen Saal des Heilbronner Landgerichts betreten. Zuvor mussten die drei Angeklagten eine Tischreihe nach hinten rücken, um den Abstand zum Zeugenstuhl zu vergrößern. Im Schwurgerichtsprozess unter anderem wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes herrschte am dritten Verhandlungstag höchste Sicherheitsstufe. Die geschiedene Frau des Hauptangeklagten sagte am Vormittag aus. Laut Staatsanwaltschaft sollte sie am 23. Mai 2025 im Auftrag ihres Ex-Mannes ermordet werden.

Körperlich gehe es ihr so weit wieder gut, sagte die 30 Jahre alte gelernte Krankenpflegerin. Zurückgeblieben vom mutmaßlichen Mordanschlag mit einem Auto seien zwei Narben an der Lippe und eine Nervenschädigung an der rechten Gesichtshälfte, die sich bis heute taub anfühle. „Und ich habe mein altes Leben verloren.“ Wegen möglicher Gefährdung an Leib und Leben ist sie in einem Schutzprogramm. Die wechselnden Aufenthaltsorte sind geheim. „Dadurch verliert man auch Freunde und Familie.“

Opfer hörte den lauten Motor des mutmaßlichen Tatfahrzeugs

Am Tag der mutmaßlichen Tat habe sie ihre Tochter vom Kindergarten in Waldenburg abholen wollen. Nachdem sie die Straße überquert und am Eingangstor der Einrichtung gestanden habe, habe sie das Geräusch eines Automotors gehört, das immer lauter geworden sei. Es habe geklungen, als ob jemand ein Fahrzeug hochtourig beschleunigt. Als sie sich umdrehen wollte, sei es schon zu spät gewesen. Das heranrasende Fahrzeug habe sie bereits erfasst.

Weil sie versucht haben sollen, eine Frau in Waldenburg zu ermorden, stehen drei Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts.
Weil sie versucht haben sollen, eine Frau in Waldenburg zu ermorden, stehen drei Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts.  Foto: Berger, Mario

Laut ihrer Erinnerung konnte die Geschädigte noch zur Eingangstüre des Kindergartens laufen, wo sie dann zusammengebrochen sei. Mehrere Personen hätten ihr dann geholfen. Es kamen Rettungswagen, Notarzt und Polizei. Der mutmaßlich Täter war entkommen. Ihr sei aber sofort klar gewesen, dass ihr Ex-Mann dahinter steckt.

Laut Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Oberregierungsrätin Miriam Birk-Braun, sei die Tat vom Ex-Mann des mutmaßlichen Opfers geplant gewesen. Er soll die beiden anderen Angeklagten F.und G. angestiftet haben, seine geschiedene Frau zu ermorden. Dafür soll der 41-Jährige seinen 28 und 33 Jahre alten Komplizen zwischen 10.000 und 15.000 Euro versprochen haben. Die Anklage lautet deshalb unter anderem gemeinschaftlich versuchter Mord sowie gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs.

Bereits in der Ehe soll es körperliche Übergriffe gegeben haben

Bereits in der Ehe soll es immer wieder Streit und körperliche Übergriffe gegeben haben. Dabei soll K. sie nicht nur geschlagen und getreten, sondern einmal auch bis zur Ohnmacht am Hals gewürgt haben, sagte die Geschädigte. Ein anderes Mal habe er sie mit einer Waffe bedroht.

Immer wieder habe er ihr gedroht und gesagt, sie wisse ja, worauf sie sich eingelassen habe. Bevor die Zeugin ihn kennengelernt habe, soll er angeblich Mitglied einer Untergruppierung der Hells Angels gewesen sein. Außerdem soll er im Haus mehrere Waffen versteckt haben, so die Ex-Frau weiter.

Seit 2017 seien die beiden ein Paar gewesen. „Es gab relativ schnell körperliche Übergriffe“, sagte die Zeugin. Auch psychisch habe er sie unter Druck gesetzt. Etwa wenn sie sich mit Freundinnen getroffen habe. „Es gab aber auch längere Phasen, in denen alles gut war.“

Ende 2019 haben die beiden offenbar ein Haus gekauft und 2020 renoviert. Im Frühjahr 2022 hätten sie geheiratet und im Sommer eine Tochter bekommen. „Das war eine schwierige Zeit“, sagte die Geschädigte. Das Baby sei ein Schreikind gewesen. Acht Wochen nach der Entbindung habe es einen „schweren körperlichen Übergriff“ gegeben. Danach sei es noch ein halbes Jahr weitergegangen.

Ex-Frau zog Anzeige wegen der Bedrohungslage wieder zurück

An dem Tag, als sie ihn schließlich verlassen habe, habe es noch einmal „eine große Auseinandersetzung“ gegeben. Dabei habe er gedroht, ihr den Schädel einzuschlagen. Sie sei zu ihrer Schwester geflüchtet und später in einem Frauenhaus untergekommen. Eine Anzeige wegen Körperverletzung habe sie wieder zurückgezogen. „Wegen der Bedrohungslage.“

Im anschließenden Streit ums Umgangsrecht sowie Trennungs- und Unterhaltszahlungen habe ihr Ex-Mann immer wieder gedroht. Er würde ihr Leben zerstören. „Wenn er das Kind nicht so oft sehen kann, wie er will, werde ich das nicht überleben“, soll er gesagt haben.

Die beiden anderen Angeklagten – ein Mann und eine Frau –, die am Tötungsplan beteiligt gewesen sein sollen, kenne sie nicht. „Ich habe sie nie gesehen. Sie sind mir völlig fremd.“ Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte F. die Geschädigte vor dem Kindergarten in Waldenburg angefahren haben.




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