Warnstreik in Heilbronn: Rund 300 Menschen bei Demo in Innenstadt
Rund 300 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst sind am Freitag dem bundesweiten Verdi-Aufruf zum Frauenstreiktag mit Demonstrationszug und Kundgebung am Kiliansplatz in Heilbronn gefolgt.
“Wir wollen vor der dritten Verhandlungsrunde noch einmal ordentlich Druck machen“, erklärt Katharina Kaupp, Verdi-Geschäftsführerin des Bezirks Heilbronn-Neckar-Franken. „Anlässlich des heutigen Equal Pay Day - dem internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern - und dem Frauentag am Samstag wollen wir explizit für ,Frauenberufe´ im Gesundheits- und Sozialwesen eine politische Botschaft schicken.
Wenn wir Frauen streiken, steht die Welt still.“ Rund 300 Beschäftigte der SLK-Kliniken, des Krankenhauses Crailsheim und der städtischen Kindergärten waren am Freitagvormittag dem Streik-Aufruf gefolgt und verliehen der Forderung nach Tariferhöhungen und höheren Zuschlägen mit Trillerpfeifen, lila Luftballons und Schilderungen aus dem belastenden Arbeitsalltag Nachdruck.
Streik in Heilbronn: Mitarbeiter von SLK-Kliniken und Kitas bei Demonstration – was Verdi fordert
Hintergrund ist der Tarifstreit mit Bund und Kommunen. Verdi fordert eine Tariferhöhung sowie höhere Zuschläge für die Arbeit zu belastenden und ungünstigen Zeiten. Die Vergütungen im öffentlichen Dienst sollen um acht Prozent, also um mindestens 350 Euro steigen, bei Azubis und Praktikanten um 200 Euro. Außerdem fordert die Gewerkschaft drei zusätzliche freie Tage. Mitte März soll in Potsdam zum dritten Mal verhandelt werden.
Bundesweiter Warnstreik bei Kliniken und Pflegeheimen – Demo in Heilbronn: Dritte Verhandlungsrunde steht bevor
Mit Parolen wie „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn – alles andere ist purer Hohn“ stimmen sich die Streikenden während des Demonstrationszugs zum Heilbronner Kiliansplatz ein. Annelie Schwaderer, stellvertretende Landesfachbereichsleiterin des Gesundheitswesens von Verdi: „Gemeinsam packen wir es an, wir haben Macht. Wir stehen Seite an Seite, weil unsere Arbeit Bedeutung hat und Anerkennung verdient.“
Seit 1987 arbeitet Helga Kopton als Krankenschwester und berichtet: „Auf dem Papier ist viel geregelt, in der Realität sieht es aber anders aus.“ Frauen würden nach wie vor benachteiligt. „Die Fähigkeit zum Multitasking wird schamlos ausgenutzt“, sagt sie. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche für zu wenig Geld. Damit muss Schluss sein“, erklärt sie und fordert Entlastung, eine bessere Bezahlung und ein gesundes Arbeiten. Erziehung und Bildung werde immer noch als Frauensache gesehen, entsprechend niedrig sei die Entlohnung. Außerdem fehle Personal. „Für junge Menschen ist der Beruf dadurch nicht attraktiv. Das muss sich ändern“, sagt Erzieherin Myriam Ruff.
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