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Kritik an Ermittlungen

Heilbronner Opfer hatte Hoffnung aufgegeben: Betrugsfall nach Monaten aufgelöst

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Der Heilbronner Michael Pfäffle ist Opfer eines Betrugs geworden. Er hatte die Hoffnung, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wird, bereits aufgegeben. Doch nun sitzt ein Mann in Haft.


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Es geschah bereits im Herbst 2023, als der Heilbronner Geschäftsführer Michael Pfäffle vom Kärcher Center Opfer eines Betrugs wurde. Ein Leasingnehmer hatte die von ihm geliehenen Reinigungsgeräte zum Weiterverkauf angeboten und war untergetaucht.

Pfäffle meldete den Fall der Polizei, lieferte stichhaltige Beweise und den Namen des tatverdächtigen Syrers gleich mit. Trotzdem kamen Polizei und Staatsanwaltschaft erst spät in die Gänge, das Verfahren wurde zwischenzeitlich sogar eingestellt – irrtümlicherweise, wie die Staatsanwaltschaft eingestand.  

Heilbronner Betrugsopfer glaubte nicht mehr daran: mutmaßlicher Betrüger in Untersuchungshaft

Doch jetzt ist die Situation eine andere: Der 40 Jahre alte Tatverdächtige wurde vor einiger Zeit am Flughafen Zürich in der Schweiz bei seiner Einreise aus Ägypten festgenommen. Wenige Tage später wurde er an die deutschen Behörden übergeben. Anschließend begann am Heilbronner Amtsgericht der Prozess gegen ihn.

Der Mann wurde im Februar wegen Computerbetrugs in neun Fällen und einem weiteren Betrug in einem Fall zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Er befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Heilbronner Betrugsopfer hatte Ermittlern Hinweise gegeben – Schaden bleibt

Pfäffle sagt, die Verurteilung des Mannes habe bei ihm wieder ein wenig Vertrauen in den Rechtsstaat herstellen können. „Stehen lassen möchte ich das so aber nicht.“ Wenn der Fall schneller bearbeitet worden wäre, würde er jetzt mutmaßlich nicht auf einem solch hohen Schaden von mehr als 20.000 Euro sitzenbleiben, ist der 42-Jährige überzeugt.

Pfäffle hatte damals den Behörden mitgeteilt, in welchem arabischen Geschäft in der Karlstraße in der Heilbronner Innenstadt seine Geräte zum Weiterverkauf angeboten wurden. „Da hätte mal jemand vorbeigehen können“, sagt Pfäffle. „Das wird ja nicht zu viel verlangt sein.“

Bei der Heilbronner Polizei kommentiert man diesen erneuten Vorwurf nicht mehr. Und Mareike Hafendörfer, Sprechern der Staatsanwaltschaft, sagt: „Es wäre spekulativ, ob der Schaden geringer ausgefallen wäre.“ Sie hatte die Perspektive ihrer Behörde bereits im Frühjahr vergangenen Jahres geschildert.

Michael Pfäffle wurde im Herbst 2023 zum Opfer eines Betrugs. Polizei und Staatsanwaltschaft kamen trotz konkreter Hinweise auf den Täter erst spät in die Gänge.
Michael Pfäffle wurde im Herbst 2023 zum Opfer eines Betrugs. Polizei und Staatsanwaltschaft kamen trotz konkreter Hinweise auf den Täter erst spät in die Gänge.  Foto: Hoffmann, Adrian

Bei Betrugsdelikten bestehe sehr oft eine vertragliche Beziehung zwischen den Beteiligten, erklärte sie. Die Unterscheidung zwischen einem Betrug und einer bloßen Vertragsverletzung sei aber nicht immer eindeutig zu treffen. Nur im ersten Fall bestünde ein Anfangsverdacht zur Aufnahme von Ermittlungen, im letzten nicht oder nicht eindeutig. Dann werde der Sachverhalt häufig zunächst der Staatsanwaltschaft mit der Bitte um Würdigung vorgelegt.

Heilbronner Betrugsopfer will prüfen, ob er Anspruch auf Schadensersatz hat

Für polizeiliche Ermittlungen sei aber nicht pauschal eine Zustimmung der Staatsanwaltschaft erforderlich, führte Hafendörfer damals aus. Entscheidungen treffe die Polizei abhängig vom Einzelfall. Es wäre für die Polizei möglich gewesen, den Verkaufsraum zu kontrollieren, in dem Pfäffle die gestohlene Ware vermutete – allerdings, so Hafendörfer: „Ob das aus ermittlungstaktischer Sicht sinnvoll ist, ist im Einzelfall zu entscheiden, weil ja mögliche Tatverdächtige argwöhnisch werden könnten.“

Michael Pfäffle will nun prüfen, ob in seinem Fall aufgrund der Versäumnisse eine Schadensersatzpflicht des Staates besteht. Dazu werde er sich mit seiner Rechtsschutzversicherung besprechen. Er gehe auch davon aus, dass es nur glückliche Fügung war, dass der Mann ausgerechnet in der Schweiz festgenommen wurde. „In Deutschland wäre er vermutlich nicht aufgehalten worden“, zeigt Pfäffle sich frustriert über eine aus seiner Sicht lasche deutsche Strafverfolgung.




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