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Kritik an Behörden

Keine Ermittlungen trotz stichhaltiger Beweise – Heilbronner Betrugsopfer versteht die Welt nicht mehr

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Michael Pfäffle fiel einem Betrug zum Opfer – und lieferte den Behörden die Beweise, sogar den Namen des mutmaßlichen Betrügers. Ermittelt wurde trotzdem erstmal nicht, das Verfahren gar eingestellt. Pfäffle spricht von System-Versagen.

Geschäftsführer Michael Pfäffle im Kärcher Center in Heilbronn. Der mutmaßliche Betrugsfall "lässt mir keine Ruhe".
Geschäftsführer Michael Pfäffle im Kärcher Center in Heilbronn. Der mutmaßliche Betrugsfall "lässt mir keine Ruhe".  Foto: Hoffmann, Adrian

Michael Pfäffle (41) versteht die Welt nicht mehr. Vor vier Monaten ist er einem mutmaßlichen Betrug zum Opfer gefallen. Ein Leasingnehmer bot die von Pfäffle geliehenen Kärcher-Reinigungsgeräte zum Weiterverkauf an. Seither ist er untergetaucht. Pfäffle meldete den Fall der Polizei. Diese informierte die Staatsanwaltschaft. Dann der Schreck: Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. Ein Irrtum, sagt Mareike Hafendörfer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Das Verfahren war mit der Begründung eingestellt worden, es gebe nicht genügend Ermittlungsansätze. Dabei hatte Pfäffle stichhaltige Beweise vorgelegt: In einem arabischen Geschäft in der Karlstraße in der Heilbronner Innenstadt wurden Geräte zum Kauf angeboten, die der Leasingware von Pfäffle glichen.

Zudem erhielt einer seiner Kunden ein Kaufangebot – von derselben Handynummer, die der mutmaßliche Betrüger, ein Syrer, zum Vertragsabschluss bei Pfäffle angegeben hatte.

Betrugsopfer aus Heilbronn beklagt: Polizei hätte schon viel früher ermitteln können

Auf Nachfrage unserer Redaktion hatte Hafendörfer im Dezember mitgeteilt, dass der Polizeibericht am 24. Oktober der Staatsanwaltschaft vorgelegt und das Verfahren zunächst eingestellt worden sei. Es sei irrtümlich als Verfahren gegen einen "nicht ermittelbaren Täter" erfasst worden.

Aufgrund einer Mail von Pfäffle vom 7. Dezember sei die Akte der Fachabteilung vorgelegt worden. Die Ermittlungen seien wieder aufgenommen worden. Ein Bericht in der Zeitung zur Thematik könnte die Ermittlungen gefährden, hatte Hafendörfer damals gesagt. Sie bat darum, die weiteren Ermittlungen abzuwarten.

Gibt es ein Kommunikationsproblem zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft?

Michael Pfäffle beklagt, dass offenbar erst die Presse nachfragen müsse, bevor etwas getan werde. Wenn das in anderen Fällen auch so sei, sei das eine schlechte Entwicklung. Wochenlang hätte die Polizei bereits ermitteln können, es sei aber nichts geschehen.

Und zum "Irrtum" meint er: Es gebe offenbar ein Kommunikationsproblem zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Name des mutmaßlichen Betrügers sei von Anfang an benannt gewesen. Pfäffle holt zum Rundumschlag aus. "Es läuft gehörig was falsch in Deutschland", sagt er. Gewisse Milieus trieben ihre Spielchen mit den Behörden. Ermittler hätten direkt loslegen können bei dieser Steilvorlage. "Wieso muss da erst ein riesen Eiertanz losgehen?"

Staatsanwaltschaft widerspricht mutmaßlichem Betrugsopfer: Es gebe kein systemisches Versagen

Hafendörfer stimmt Pfäffle in einem Punkt zu: Klar sei, dass der Fall Anlass biete, alle Beteiligten für eine frühzeitige Kommunikation zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft zu sensibilisieren. Es handle sich aber weder um "systemisches Versagen" noch sei Überlastung der Grund für den Ablauf. Hafendörfer erklärt die Sicht der Behörde so: "Wir sehen darin einen Einzelfall."

Durch eine Verkettung mehrerer Umstände sei die Akte nicht frühzeitig richtig bearbeitet worden. Zwar seien Fehleinschätzungen für den betroffenen Geschädigten unbefriedigend. "Sie werden sich aber auch mit mehr Personal nicht sicher vermeiden lassen".

Bei einer inzwischen erfolgten Durchsuchung des Geschäfts sei keine Leasingware mehr aufgefunden worden, sagt Hafendörfer weiter. Es lasse sich aber auch nicht mehr sicher sagen, ob eine frühere Durchsuchung erfolgreich gewesen wäre. Die Ermittlungen seien nahezu abgeschlossen. Es werde zum einen wegen Betrugs gegen den Vertragspartner von Pfäffle ermittelt. Zum anderen werde dem Betreiber des Geschäfts in der Heilbronner Innenstadt Hehlerei vorgeworfen.

Betrugsopfer aus Heilbronn zieht bitteres Fazit: Täter wüssten um "lasche" Strafverfolgung in Deutschland

Was Michael Pfäffle besonders ärgert: Dass ihm von Seiten der Staatsanwaltschaft auch noch empfohlen worden sei, sich einen Rechtsanwalt zu nehmen. Er habe entgegnet: "Wieso brauche ich einen Anwalt, habe ich etwas verbrochen?" Ein solches Vorgehen von Ermittlungsbehörden nutze nur einem: dem Täter.

Ihn wundere es nicht, wieso Menschen an den Abläufen im Rechtsstaat zweifelten. Clan-Kriminelle bekämen auf Staatskosten Pflichtverteidiger, sagt er mit Blick auf den arabischstämmigen Remmo-Clan in Berlin. Während in Fällen wie seinem er als Geschädigter selbst die Ermittlungsarbeit anstoßen müsse. Er sei zwei Adressen abgefahren, die der mutmaßliche Betrüger bei Vertragsabschluss hinterlassen hatte. Es sei niemand anzutreffen gewesen, und nach einer Firma habe das alles nicht ausgesehen.

Das bittere Fazit für Pfäffle: Täter wüssten genau um die "lasche" Strafverfolgung in Deutschland, "und diese Strukturen werden von ihnen skrupellos ausgenutzt". Was wäre mit einem Anwalt gewonnen gewesen, fragt Pfäffle rhetorisch. "Der hätte doch auch wieder nur Briefe hin- und hergeschickt."

 

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