Stimme+
Interview
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

SLK-Kliniken-Chef Weber geht in den Ruhestand: „Alles war eine Teamleistung“

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

48 Jahre lang war er im Gesundheitswesen tätig, die letzten sechs davon bei den SLK-Kliniken Heilbronn. Ab sofort will Thomas Weber Privatmann sein und nochmal hohe Berge erklimmen.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Nach 48 Jahren im Gesundheitswesen, zuletzt sechs Jahre als Geschäftsführer der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH, geht Thomas Weber in den Ruhestand. Um seinen Abschied will er nicht viel Aufheben machen. Schließlich sei er ja nur ein paar Jahre in Verantwortung für den Klinikverbund gewesen, sagt er. Nüchtern und bescheiden fällt auch Webers persönliche Bilanz aus.  

48 Jahre Gesundheitswesen. Eine verdammt lange Zeit.

Thomas Weber: Ja, ich habe mit 16 Jahren bei der AOK meine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten begonnen. Danach ging es immer weiter: Studium, Personalleitung, Zuständigkeit für Finanzen, IT und Organisation, Marketingleitung, Geschäftsführung. Bei der AOK Heilbronn-Franken war ich 33 Jahre lang. 2010 kam dann der Ruf in die BBT-Gruppe, als diese einen neuen Kaufmännischen Direktor für das Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim suchte. Dadurch bin ich von den Budget-Verhandlungen mit den Kliniken auf die Seite der Krankenhäuser gewechselt – also vom Versicherer zum Anbieter von Gesundheitsleitungen. 

Zehn Jahre später dann SLK, als Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers Thomas Jendges.

Weber: Auch den Wechsel habe ich nie bereut. Das Gesundheitswesen ist eine besondere Branche, die ich für mich immer als sehr sinnstiftend empfunden habe. Wir kümmern uns um Menschen in besonderen Lebenssituationen, in der Klinik noch mehr als bei einer Krankenkasse. Auch wenn die unmittelbare Betreuung der Patienten auf der Ebene von Ärzten und Pflegekräften stattfindet, ist es unsere Aufgabe in der Verwaltung, Strukturen zu schaffen, damit die Patienten so gut wie möglich versorgt werden.

Die Pandemie begann mit Webers Arbeitsbeginn bei den SLK-Kliniken

Ihr Anfang bei SLK war nicht leicht, die Pandemie kam mit Ihnen an.

Weber: Fünf Wochen nach meinem Start hatten wir den ersten Corona-Patienten. Das war eine sehr intensive, herausfordernde Zeit. Ich kannte die Abläufe bei SLK noch nicht im Detail, musste aber schnell weitreichende Entscheidungen treffen. Dadurch habe ich das Haus und die Mitarbeiter dann auch sehr schnell kennengelernt. Was mich sehr beeindruckt hat: Am Anfang wussten wir ja noch wenig über die Auswirkungen der Krankheit, auch wir hatten Angst. Trotzdem war der Fokus der Mitarbeiter immer auf dem Patienten und darauf, wie sie ihm helfen können. 

Er gilt im Land als Top-Experte in der Gesundheitsbranche: Thomas Weber. Kein Wunder, hat er doch sein gesamtes Berufsleben in dem Sektor verbracht.
Er gilt im Land als Top-Experte in der Gesundheitsbranche: Thomas Weber. Kein Wunder, hat er doch sein gesamtes Berufsleben in dem Sektor verbracht.  Foto: KD BUSCH.COM

Gibt es etwas, worauf Sie im Rückblick stolz sind?

Weber: Stolz ist ein Wort, das ich eigentlich nicht benutze. Ich mag es nicht, oder, Herr Burkhardt? (schaut zu seinem Pressesprecher, der nickt zustimmend). Ich selbst habe relativ wenige Verdienste, alles war eine Teamleistung, nur so bewegt man etwas. Aber ich bin sehr zufrieden damit, wie die Mitarbeiter auch in schwierigen Phasen agiert und zusammengehalten haben. Das hat mir viel Kraft gegeben. Und natürlich sage ich auch: Nicht alle meine Entscheidungen waren richtig, angesichts der Vielzahl an Themen geht das auch gar nicht.

Kritik an den SLK-Kliniken: Thomas Weber ist meistens gelassen geblieben 

Wir als Zeitung haben immer wieder kritisch über SLK berichtet: über lange Wartezeiten in den Notaufnahmen, Patienten in Flurbetten, die Fluktuation beim Führungspersonal. Haben Sie das als ungerecht empfunden?

Weber: Ich fand es manchmal nur schade, dass die medizinische Qualität durch solche Berichte in den Hintergrund tritt, denn die ist an vielen Stellen sehr gut. Ansonsten habe ich mich eher selten aufgeregt und bin meistens gelassen geblieben, auch wenn es wieder einmal negative Schlagzeilen gab (der Pressesprecher nickt entschieden). In dieser Position steht man im Fokus, da muss man auch einiges aushalten können.  

Thomas Weber (im Januar wird er 65) stammt aus Heilbronn und wohnt im Landkreis Heilbronn. Als junger Mann hat er gegen den heutigen Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn, Harry Mergel, Fußball gespielt. Dem Sport gilt, als Zuschauer, immer noch seine Leidenschaft. In diesen Tagen feiert er seinen Ausstand bei SLK, wird aber bis zum Jahresende erreichbar sein, wenn wichtige Entscheidungen anstehen.

Was werden Sie nun tun in Ihrem Ruhestand?

Weber: Nachdem in der Zeitung gestanden hatte, dass ich aufhöre, haben mich Headhunter angerufen und mir neue Jobs angeboten (lacht). Irgendwann habe ich dann gefragt, was an dem Wort „Ruhestand“ eigentlich nicht zu verstehen ist. Ich werde ab Januar Privatmann sein und endlich mehr Freizeit haben. Konkrete Pläne habe ich noch keine, aber ich bin sicher, dass mir nicht langweilig wird. Ich hatte vor meinem letzten Wechsel zu SLK schon mal ein halbes Jahr Pause, da bin ich auch nicht in ein Loch gefallen. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und habe mir vorgenommen, an meiner Fitness zu arbeiten, damit ich vielleicht auch nochmal Bergwandern kann. Der Kilimandscharo steht noch auf meiner Liste.

Und mit dem Gesundheitswesen wollen Sie gar nichts mehr zu tun haben?

Weber: Mal sehen, vielleicht mache ich noch das eine oder andere ehrenamtlich. Vizepräsident des DRK Heilbronn bin ich ja schon. Aber jetzt freue ich mich erstmal drauf, keine täglichen Verpflichtungen mehr zu haben. 




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben