Zufriedenheit der Patienten ist dem neuen SLK-Chef am wichtigsten
Als neuer Geschäftsführer möchte Thomas Weber die medizinische Qualität weiter erhöhen. Außerdem ist es sein Ziel, das Vertrauen der Bürger in seine Klinik zu stärken.

Seit Jahresbeginn ist Thomas Weber neuer Chef der SLK-Kliniken. Der einstige Geschäftsführer der AOK Heilbronn-Franken ist damit nach einigen Jahren außerhalb Heilbronns beruflich in die Region zurückgekehrt. Bei SLK übernimmt er gut aufgestellte Häuser, doch Weber möchte bald eigene Akzente setzen.
Herr Weber, wie fühlt es sich an, nach vielen Jahren nun wieder in Heilbronn eine so verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen?
Weber: Sehr gut! Natürlich kenne ich die Kliniken des SLK-Verbundes auch als Bewohner dieser Region. Ich gehe mit Freude und Zuversicht an die neue Aufgabe!
Vieles ist ja bereits begonnen worden, beispielsweise der zweite Bauabschnitt am Gesundbrunnen, die Versorgungsstruktur im Landkreis?
Weber: Ja, die Rahmenbedingungen sind vorgegeben. Aber die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung sind die Herausforderungen, die oft auch auf dem bereits eingeschlagenen Weg neu ausgerichtet werden müssen. Denn im Gesundheitsbereich gibt es nie Stillstand, es kommen immer wieder neue Gesetze.
Wie war die Vorstellungsrunde bei den Mitarbeitern?
Weber: Die Mitarbeiter machen mir den Einstieg relativ einfach. Ich habe wohl noch einen gewissen "Anfängerbonus" (lacht). Es wird aber dennoch nichts zurückgehalten, ich spüre eine große Offenheit. Ich merke, dass sich die Mitarbeiter mit den aktuellen Themen und Herausforderungen in der Gesundheitsbranche sehr differenziert auseinandersetzen und mir konkrete Fragen stellen. Das ist ein positives Zeichen, denn so können wir gemeinsam über Lösungen reden. Generell spüre ich an allen Standorten eine sehr hohe Motivation.
Gibt es für 2020 einen Masterplan?
Weber: Ich habe als der Neue ja noch einen gewissen Blick von außen. Natürlich habe ich meine Vorstellungen für die Zukunft, aber dazu ist es noch ein bisschen zu früh. Mein Vorgänger Dr. Jendges und seine Führungscrew haben vieles entwickelt und dadurch auch die großen Themen für 2020 gesetzt, so dass wir solide wirtschaften können. Es gibt aber dennoch einige Stellschrauben, durch die wir Akzente verändern können.
Und was sind Ihre großen Themen?
Weber: Ich möchte das Ganze auf die Meta-Ebene ziehen: Warum geht man wie ich in die Gesundheitsbranche? Antwort: der Patienten wegen. Wir arbeiten für Menschen in schwierigen Lebenslagen, in denen sie unsere Hilfe brauchen. Sie geben uns dabei - mehr oder weniger freiwillig - ein extrem hohes Maß an Vertrauen, ja sogar ihr Leben in unsere Hand. Diese Verantwortung zu spüren und zu leben im Sinne der besten Versorgung, das möchte ich jedem Mitarbeiter vermitteln. Der Patient muss im Mittelpunkt stehen, darauf müssen wir unsere Struktur ausrichten.
Aber das scheitert in deutschen Krankenhäusern oft am Personalmangel. Wie wollen Sie diese Probleme lösen?
Weber: Wir müssen neue Konzepte erstellen, die vorhandenen Fachkräfte optimal einsetzen und vor allem auch ans Unternehmen binden.
Und wie?
Weber: SLK macht schon unheimlich viel für die Mitarbeiter! Wir müssen das nur mehr nach innen und auch nach außen vermitteln. Dazu zählt, dass wir als akademisches Lehrkrankenhaus und Krankenhaus der Maximalversorgung jungen Ärzten nicht nur eine vollständige Aus- und Weiterbildung anbieten können, sondern durch die Medizin auf sehr hohem Niveau auch eine hervorragende Qualifizierung. Im Bereich der Pflege ist ein Ziel, den vorhandenen ausgebildeten Pflegekräften mehr Zeit für die Versorgung und Betreuung der Patienten zu geben und bestimmte Arbeitsbereiche durch andere qualifizierte Berufsgruppen erledigen zu lassen.
Auf welche Aufgabe haben Sie als neuer Geschäftsführer besonders Lust?
Weber: Die sehr hohe medizinische Qualität noch zu erhöhen, zum Beispiel! Es stehen große Investitionen im Bereich Medizintechnik und medizinischer Versorgung an. Auch in der Lungenklinik Löwenstein tätigen wir größere Investitionen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel haben wir unsere Gesundheitsakademie mit einem zweiten Kurs erweitert. Dazu müssen wir baulich die Kapazitäten erhöhen.
Was haben Sie medizinisch noch vor?
Weber: Wir müssen als Klinik weiter an unserem Leistungsprofil arbeiten und unsere Kompetenz im Spitzenbereich für die Zukunft schärfen. Wir haben alle medizinischen Bereiche bis auf eine Herzchirurgie. Noch mehr Gewicht soll das Tumorzentrum mit dem Molit-Institut bekommen, da sind wir im Bereich der personalisierten Medizin in der Onkologie mit Professor Martens schon in der Champions League.
Welchen Führungsstil haben Sie?
Weber: Ich würde ihn als "situativ" beschreiben, also flexibel beziehungsweise individuell. Denn meine Überzeugung ist: In einer Krise muss anders geführt werden, wie wenn alles rund läuft. Wichtig ist mir, auch die Stimmungen der Mitarbeiter wahrzunehmen.
Und wie sieht es mit Vertrauen aus?
Weber: Ich möchte durchaus gerne schnell entscheiden, auch mal aus dem Bauch heraus. Aber nur dann, wenn die Fakten bekannt sind. Und: Entscheidungen, die von mir erwartet werden, müssen immer Ergebnisse liefern.
Klingt mehr nach klarer Betriebswirtschaft als nach Versorgungsromantik!
Weber: Die medizinische Qualität - und damit die Zufriedenheit der Patienten - ist die absolute Basis für alles. Das muss allen klar sein, denn die Mitarbeiter sind am Patienten, nicht ich. Ich kann nur den Rahmen schaffen. Um Zukunft zu gestalten, ist es notwendig, Gewinne zu erwirtschaften. Wir brauchen als kommunale Klinik ein gewisses Maß an Autonomie, um auch in Zukunft aus eigener Kraft investieren zu können. Deshalb brauchen wir den wirtschaftlichen Erfolg, ohne den Blick auf den Menschen zu vergessen.
Was wünschen Sie sich persönlich?
Weber: Dass es eine noch höhere Zufriedenheit gibt. Wir werden alles tun, um dies im Fokus zu haben. Ich würde mich freuen, wenn die Bevölkerung stärker wahrnehmen würde, was in unseren Kliniken geleistet wird und welche Bandbreite bei uns vorhanden ist. Das prägende Bild muss sein: Ich kann mit größtem Vertrauen in die SLK-Kliniken gehen.
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Kommentare
Peter Henschel am 24.01.2020 17:49 Uhr
Gewinne aus einer Klinik generieren zu wollen ist wohl eher kontraproduktiv zur eigentlichen Aufgabenstellung!