Sinken die Spritpreise an Tankstellen jetzt für länger? Das sagen Heilbronner Autofahrer
Auch wenn die Preise nachgelassen haben: Die Kosten für Benzin und Diesel bleiben hoch. Was sagen Heilbronner Autofahrer dazu, dass Tankstellen-Betreiber die Spritpreise nur noch einmal täglich erhöhen sollen?
Benzinpreise von etwa 1,70 Euro je Liter? Das war einmal. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Kraftstoffpreise deutlich nach oben geklettert. Zu Beginn der ersten März-Woche sind die Preise für den Liter Super E5 auch im Raum Heilbronn erstmals über die Zwei-Euro-Marke geklettert. Mit leichten Schwankungen waren in den vergangenen Tagen in der Regel etwa zwei Euro pro Liter zu berappen.
An diesem Donnerstag, 12. März, gibt es leichte Entwarnung: Mit Rückblick auf den Vortag sind die Preise an den Tankstellen zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges wieder zurückgegangen: Wie der ADAC vermeldet, waren Super E10 und Diesel im deutschlandweiten Durchschnitt am Mittwoch um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent billiger als am Dienstag.
Allerdings bleiben die Kraftstoffpreise weiter hoch: Am Donnerstag um 14.30 Uhr liegen die Literpreise im Landesdurchschnitt alle über der Zwei-Euro-Marke. Spitzenreiter in Baden-Württemberg ist Diesel mit durchschnittlich rund 2,13 Euro.
Österreichisches Modell an deutschen Tankstellen: Nur eine Benzin-Preiserhöhung pro Tag?
Um dem Preisdruck und der -verwirrung entgegenzuwirken, kündigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an, dass Tankstellen in Deutschland zukünftig nur noch einmal täglich ihre Spritpreise erhöhen sollen. Jegliche Form von Preissenkungen sollen allerdings in unbegrenzter Zahl möglich sein. In Österreich gibt es diese eingeschränkte Benzin-Preis-Dynamik bereits. Zumindest manche Wirtschaftsexperten halten dieses Modell kaum für hilfreich, um dem hohen Benzin-Preisdruck entgegenzuwirken.
Und auch bei den Autofahrern und Tankstellen-Angestellten im Raum Heilbronn gibt es Skepsis. Barbara Montella hat gerade an der Jet-Tankstelle in der Heilbronner Oststraße getankt. „Ich hoffe zwar, dass die Preise wieder runtergehen, aber diese Beschränkung auf lediglich eine einmalige Preis-Erhöhung pro Tag wird da wenig bringen. Dann werden die Preise einfach vorschnell auf hohem Niveau festgesetzt“, sagt die Heilbronnerin.
Viel besser sei es ihrer Ansicht nach, dass Deutschland bei hohem Benzinpreis-Druck Teile der nationalen Ölreserven freigibt, um für höheres Angebot zu sorgen. Das ist auch bereits geschehen.
Tankstellen-Mitarbeiterin im Raum Heilbronn: „Benzinpreis-Erhöhungen viel zu rasant“
Angesichts der angezogenen Spritpreise ist Autofahrerin Karin Walter zornig: „Das ist unverschämt. Hier müssen die Politiker dringend entgegenwirken. Aber die haben sich sowieso schon zu weit vom Volk entfernt und sitzen in ihrer Blase.“
Walter ärgert sich angesichts der Spritpreise vor allem im Hinblick auf Menschen mit geringem Einkommen. „Meine Enkeltochter pendelt täglich nach Ludwigsburg. Sie ist auf das Auto angewiesen. Bei ihrem Azubi-Einkommen von 800 Euro sind diese Preise kaum zu bezahlen.“ Die Autofahrerin findet daher: „Diese Benzinpreise versauen den Schülern und Azubis ihre Ausbildung.“

Eine Angestellte einer Shell-Tankstelle im Landkreis Heilbronn findet die auf ein Mal beschränkte Preiserhöhung an deutschen Tankstellen, die nun kommen soll, völlig korrekt. „Die Preis-Erhöhungen derzeit von bis zu 50 Mal am Tag sind viel zu rasant und verwirrend für die Kunden“, erzählt die Beschäftigte. Meist seien die Preis-Anpassungen nach oben auf die kleinste Bewegung am Markt zu voreilig.
Heilbronner Autofahrerin an Tankstelle: „Benzin-Preise pure Abzocke“
Auch als Beschäftigte in der Branche findet sie die aktuell hohen Preise „traurig. Als Geringverdiener oder Rentner kann man sich so gut wie nichts mehr gönnen.“ Gelegentlich äußern Kunden nach dem Tanken beim Bezahlen ihren Unmut. „Sie wissen aber natürlich, dass wir Angestellten an der Kasse nichts dafür können.“ Dass Kraftstoff-Käufer ausfällig oder aggressiv werden – das habe sie noch nicht erlebt.
Sabine Fritsch regt sich sehr über die hohen Benzinpreise auf. „Für mich ist das pure Abzocke“, sagt die Heilbronnerin. „Die Benzinpreise gehen zu schnell nach oben – und zu langsam wieder runter.“ Sie denkt, dass die Preise sich langfristig wieder an das Niveau vom Februar dieses Jahres, vor der Eskalation des Iran-Konflikts, angleichen. „Das wird aber noch einige Zeit dauern“, sagt Fritsch.
Heilbronner Autofahrer: „Lebensmittelpreise wichtiger als Benzinpreise“
„Diese Benzinpreis-Gestaltung ist einfach nur bescheuert“, sagt Zfanett Papp. Die Bad Friedrichshallerin hat gerade an der Jet-Tankstelle in der Heilbronner Oststraße getankt. „Die Benzinpreise bei uns sind direkt nach der Eskalation des Nahost-Konflikts nach oben geschossen. Dabei haben die Ölkonzerne das Benzin noch zu alten, niedrigen Preisen eingekauft.“
Die Kosten für den Liter Kraftstoff treiben Adrian Nistor nicht sonderlich um. „Ich muss sowieso tanken. Was hilft es, wenn ich mich aufrege?“, fragt der Autofahrer aus Heilbronn. Er denkt, dass die Preise wieder sinken – und dauerhaft auf dem Niveau der ersten Wochen dieses Jahres bleiben werden. Nistor: „Ich halte es für wesentlich wichtiger, dass Lebensmittel nicht teurer werden und sich jeder bei uns etwas zum Essen leisten kann.“
Wer die Augen offen hält und sich informiert, findet im Raum Heilbronn einige Tankstellen, an denen man deutlich günstiger tanken kann als im Landesdurchschnitt. Dort sind Super E5, Super E10 und Diesel für unter zwei Euro zu haben, auch wenn der durchschnittliche Preis in Baden-Württemberg über dieser Marke liegt.
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