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„Bye-bye, Heilbronx“: Spiegel-Autor sieht Heilbronn als Beispiel für Deutschland

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Nach der Stadtbild-Debatte untersucht der „Spiegel“ Heilbronn: Eine Reportage zeigt Gegensätze auf und unterstreicht die Bedeutung der öffentlichen Räume als Begegnungsort. 


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Unter dem Titel „Bye-bye, Heilbronx“ hat sich der „Spiegel“ (Ausgabe 8/2026) auf fünf Magazin-Seiten ausführlich der Stadt Heilbronn gewidmet. „Wir hatten nach der von Bundeskanzler Friedrich Merz aufgeworfenen und sehr emotional geführten Stadtbild-Debatte überlegt, wie sich das Thema aufnehmen lässt, ohne in Populismus zu verfallen“, erklärte „Spiegel“-Autor Lukas Eberle am Dienstag im Stimme-Gespräch den Ausgangspunkt der Recherche. 

Heilbronn als Stadt „ohne Strahlkraft“: Bewusst keinen bekannten sozialen Brennpunkt der Republik gewählt

Als gebürtiger Mutlanger, der in Schwäbisch Gmünd aufgewachsen ist, war Eberle Heilbronn – und natürlich auch der wenig schmeichelhafte Spitzname „Heilbronx“ – bereits von klein auf ein Begriff. „Ich wollte das Thema ganz bewusst nicht an einem der bekannten sozialen Brennpunkte wie etwa Duisburg-Marxloh hochziehen, sondern an einer Stadt ohne besondere Strahlkraft, die dennoch exemplarisch für viele andere Städte in Deutschland steht“, sagt Eberle. 

Dennoch bleibt die Frage: Warum ausgerechnet Heilbronn? Zwei ziemlich gegensätzliche Ereignisse mit überregionaler Reichweite waren ihm bezüglich Heilbronn noch im Gedächtnis. Die Debatte um eine Döner-Obergrenze und der Besuch von Bundeskanzler Merz anlässlich des IPAI-Spatenstichs. „Mein Eindruck war, in Heilbronn passiert etwas, das Thema ist hier präsent“, sagt der 44-Jährige.

Einblicke in die „Spiegel“-Recherche 

Es sind diese Gegensätze, die seinen Beitrag prägen. Wohlstand und Notstand – der Dönerladen neben dem Tempel für Luxusuhren. Immer mehr Arbeitslose und Bürgergeldempfänger in der Stadt, in der gleichzeitig der reichste Deutsche lebt. Heilbronx und Klein-Singapur – Müllsünder und drakonische Strafen für Bagatelldelikte. Digitales Paradies und gekapptes Internet – IPAI und Marktplatz. 

So hat Lukas Eberle als Außenstehender Heilbronn bei seinen Besuchen jedenfalls wahrgenommen. „Ich war in Summe sieben, acht Mal in Heilbronn. Einen Nachmittag habe ich in einem Café am Marktplatz gesessen, einen Freitagabend war ich mehrere Stunden dort gemeinsam mit einem Fotografen unterwegs“, berichtet Eberle von seinen Recherchen. Mit Oberbürgermeister Harry Mergel oder CDU-Stadtrat Christoph Troßbach hat er Treffen vereinbart, andere Leute hat er spontan angesprochen. „Die Heilbronner sind mir gegenüber sehr offen gewesen“, stellte Eberle erfreut fest.   

Die Kommunalpolitik mehr in den Blick nehmen 

Ihm war es wichtig, ein differenziertes Bild zu zeichnen, nicht plakativ nur die Probleme etwa am Marktplatz darzustellen: „Heilbronn ist im Ganzen kein Brennpunkt. Ich habe mich hier kein einziges Mal irgendwo unwohl gefühlt.“ Mitgenommen hat Eberle die Erkenntnis, dass auch der „Spiegel“ als überregionales Medium die Kommunalpolitik mehr in den Blick nehmen müsste. „Auf dieser Ebene wird das Zusammenleben der Menschen vor Ort ausgehandelt, hier müssen die gesellschaftlichen Konflikte angegangen werden. Das haben wir zu wenig im Fokus“, räumt er selbstkritisch ein. 

Das Fazit seiner Heilbronn-Recherchen fällt positiv aus. „Es lohnt sich, um die öffentlichen Räume zu kämpfen. Damit meine ich, dass sich darum gekümmert werden muss, dass sie lebenswert bleiben, dass sich die Menschen dort begegnen. Wenn öffentliche Orte verwaisen, ist das eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden.“ 




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