Wie der Weg aus der Sucht gelingen kann
Beim Sucht-Selbsthilfetag in Heilbronn treffen sich Selbsthilfegruppen und berufliche Suchthilfe zum Austausch.

"Selbsthilfegruppen sind das beste Mittel, damit jemand trocken bleibt." Davon ist Manfred Geiger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen für Suchtkranke Region Heilbronn-Franken (Arge), fest überzeugt. Doch ohne die Profis der beruflichen Suchthilfe geht es eben auch nicht. Am Samstag trafen sich die Vertreter beider Gruppen zu einem Sucht-Selbsthilfetag im Heilbronner Arkus, um sich auszutauschen, zu informieren und zu vernetzen.
Mehr als 40 verschiedene Sucht-Selbsthilfegruppen gehören zur Arge. Nur ein Bruchteil davon präsentierte sich wie verschiedene Beratungsstellen und Kliniken auf dem Markt der Möglichkeiten, der den Fachtag mit Diskussionsforen begleitete. "Es ist ein Zusammenspiel", erläutert Manfred Geiger. "Wir in den Selbsthilfegruppen begleiten die Betroffenen vor, während und nach der Therapie." Lerne man sie vorher kennen, könne man sie auch an die entsprechenden Stellen vermitteln, damit ihnen so schnell wie möglich geholfen wird. "Denn wir sind keine Therapeuten", betont er. Nach der Therapie gilt es, trocken zu bleiben, egal ob Alkohol, Drogen oder Glücksspiel. "Es gibt einige, die schon 20 bis 30 Jahre in der Gruppe sind."
Schon seit vielen Jahren dabei
Wie Willi, Leiter der Selbsthilfegruppe für Suchtkranke in Bad Wimpfen. Seit 40 Jahren. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen. Rita Mayer leitet die Kreuzgrundgruppe 5, die Seniorengruppe, in Heilbronn und ist auch schon 33 Jahre dabei. "Es bringt einem auch selber was", betont sie, die als Angehörige betroffen ist. Mit den Leuten in der Gruppe könne man einfach anders sprechen als mit dem Nachbarn. "Das ist kein Kaffeekränzchen, da kann es hart zur Sache gehen", ergänzt Willi.
Das weiß auch Sibylle Dietel, Leiterin des Gruppentreffs im Haus der Diakonie. Zu den Treffen kommen im Schnitt 15 Leute, parallel bietet sie es auch online über Zoom an. "Das habe ich wegen Corona angefangen, und es hat sich bewährt. Darüber kann ich auch Neue gewinnen", erzählt sie. Einmal im Monat treffen sich aber alle persönlich. Sibylle Dietel arbeitet eng mit der Suchtberatung der Diakonie zusammen, diese vermitteln ihre Klienten oft zum Gruppentreff. "Auch die wissen ja, dass durch den Besuch einer Selbsthilfegruppe die Wahrscheinlichkeit höher ist, langfristig und dauerhaft abstinent zu bleiben."
An den Ursachen ansetzen
Wichtig ist es vor allem, an sich zu arbeiten. "Jeder hat Gründe, zu trinken, und nur, wenn ich an die rangehe, kann ich es auch schaffen." Dafür brauche man neue Bewältigungsstrategien, denn ohne Veränderung ändert sich nichts. Dabei hilft auch die Gruppe, das gegenseitige Verständnis, das Auffangen bei einem Rückfall, das Mutmachen am Anfang.
Unterstützung bekommen alle Gruppen beim Selbsthilfebüro Heilbronn, getragen vom Paritätischen, finanziert von Stadt und Landkreis Heilbronn sowie den gesundheitlichen Gruppen vom Verband der gesetzlichen Krankenkassen. "Wir organisieren zum Beispiel Fortbildungen, Supervision und Austauschtage, denn die Leute sind zwar sehr engagiert, kommen aber fast immer beruflich aus einem ganz anderen Bereich", erläutert Leiterin Sandra Ophüls.
Blick durch die Rauschbrille
Dirk Schulze setzt mit seiner Privatinitiative "Die Reise mit der Drogeneisenbahn" früher an, will als betroffener Angehöriger präventiv arbeiten, Augen öffnen und das seit über 20 Jahren. Rauschbrillenparcours zeigen, was mit wieviel Alkohol oder Drogen im Blut eben alles nicht mehr geht.
Am Smokerlyzer können Raucher den Kohlenmonoxidgehalt im Blutkreislauf testen. "Der ist vor allem bei Shisha-Nutzern ganz stark", erklärt er. Von denen hält Dirk Schulze sowieso nichts. Sie sind ein Kapitel seiner Ausstellung "Kiffer's Paradise", das aufzeigen soll, wie Werbung arbeitet, wo die Gefahr scheinbar harmloser Dinge wie Shishas, Zigaretten oder Hanfprodukte liegt. "Niemand würde sich mit dem Hammer aufs Knie schlagen, aber was du innen mit dir anstellst, das siehst du nicht", stellt er fest. Und genau daran will er etwas ändern.
Aus den Diskussionsforen
Angeregt diskutierten die Besucher in den drei angebotenen Foren. Im ersten referierte Robert Prager Loos, der Chefarzt der Klinik für Suchttherapie im ZfP Weinsberg über den langen Weg zur Entkriminalisierung von Cannabis und ob dieser Weg überfällig oder gefährlich ist. Streetworkern Jasmin Treefz, Koordinatorin der Suchtberatung der Caritas Heilbronn-Hohenlohe, sprach über die Kooperation zwischen beruflicher Suchthilfe und Suchtselbsthilfe, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Daniel Nakhla, therapeutischer Leiter der Klinik Münzesheim über Glücksspielsucht und die Schnittstellen zur Medienabhängigkeit.
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