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Wie das Sontheimer Weingut Schwarz nach dem Tod des Juniorchefs weitermacht

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Der Tod des erst 46-jährigen Weingärtners Holger Schwarz hat viele erschüttert. Seine Familie kümmert sich aufopferungsvoll um das familieneigene Weingut in Heilbronn-Sontheim. Sie stößt aber an Grenzen.

Vater Eugen und Schwester Jasmin wollen weiterhin Wein verkaufen.
Vater Eugen und Schwester Jasmin wollen weiterhin Wein verkaufen.  Foto: Berger, Mario

Vielen Wengertern steht das Wasser derzeit bis zum Hals: weil die Kunden sparen und weniger Wein kaufen, weil in der Krise Betriebskosten in die Höhe schießen, und nicht zuletzt, weil sie bei der Traubenlese wegen Personalmangels unter Druck stehen. Manche trifft es besonders hart, zum Beispiel das Weingut Schwarz in Heilbronn-Sontheim. Juniorchef Holger Schwarz ist am 20. April im Alter von nur 46 Jahren gestorben, nach einem Schlaganfall.

Wie soll es nur weitergehen?

Holger Schwarz war ein großer Tüftler, entwickelte unter anderem eine Strategie gegen die Kirschessigfliege.
Holger Schwarz war ein großer Tüftler, entwickelte unter anderem eine Strategie gegen die Kirschessigfliege.  Foto: Krauth, Kilian

"Am Tag davor hat er noch gesagt: Macht Euch keine Sorgen, es geht mir besser, ich rufe morgen wieder an", berichtet seine Schwester Jasmin. "Dann kam der Anruf. Aber nicht von ihm, von der Klinik." Seitdem ist für die 40-jährige Grafikdesignerin, für ihre 42-jährige Schwester Evelyn, die Vermessungstechnikerin ist, und für den 75-jährigen Vater Eugen Schwarz nichts mehr wie es war. "Die Welt ist für uns anders geworden. Deine Spuren bleiben." So war in der Todesanzeige zu lesen, wohl durchdacht und schön formuliert. Heute ringen alle um die richtigen Worte. "Wir rennen der Arbeit hinterher, wissen nicht, wie es weitergehen soll. Und wollen doch alles im Geiste Holgers recht machen."


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Ein ganz besonderer Mensch

Mit glänzenden Augen berichtet Jasmin Schwarz von der großen Wertschätzung, die ihre Familie weit über die Trauerfeier hinaus erfahren durfte. Ein großer Trost, "zumal mein Bruder manchmal schrullig wirkte, wie ein Professor". Doch wo man hinkommt, heißt es: Der war blitzgescheit, handwerklich hochbegabt, hilfsbereit, erfindungsreich, historisch bewandert. So fand der ganzheitlich denkende und wirtschaftende Bio-Winzer nicht nur am Weinmachen Spaß. Er reparierte Oldtimer, konstruierte Maschinen zur Arbeitserleichterung, entwickelte eine Strategie gegen die gefürchtete Kirschessigfliege. Ein echter schwäbischer Tüftler.

 


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Weinautor Rudolf Knoll kümmert sich

Nicht von ungefähr ist es dem berühmten Weinautor Rudolf Knoll ein Anliegen, das Weingut Schwarz in sein neues Buch über den Heilbronner Wein einzubinden. "Im Frühjahr hatte ich noch Kontakt mit Holger. Als ich später nochmal anrief, sagte mir Vater Eugen, was passiert ist." Kurzerhand platzierte Knoll beim Fachblatt Wein+Markt einen Aufruf "Lesehelfer gesucht", den Kollege Joachim Brand vom Würzburger Juliusspital – er leitete bis vor kurzem lange das Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen – über Facebook multiplizierte. "Die Resonanz war enorm, aber es war auch Unseriöses dabei", berichtet Knoll.

Was mit Trauben von fünf Hektar geschieht

Inzwischen scheint der fünf Hektar große Betrieb, zumindest für die Traubenlese auf vier Hektar Lösungen gefunden zu haben. Ein bisher gepachtetes Hektar gehe an den Besitzer zurück. Für drei weitere habe man Abnehmer gefunden: Mitglieder der Genossenschaftskellerei Heilbronn, die das gemeinsam mit Freuden und Rentnern geerntete Lesegut dort abliefen können. Für ein Hektar, überwiegend in Steillagen, habe man noch niemanden. "Wo sollen wir nur hin mit diesen Trauben?", fragen sich alle.

Weinverkauf läuft weiter

Ungewiss ist auch, wie es auf Dauer weitergeht. Nicht nur aus steuerlichen Gründen könne man den Betrieb nicht einfach schließen. "Es geht auch um das Lebenswerk meines Vaters und meines Bruders," betont Jasmin Schwarz. Ganz zur Genossenschaft gehen, komme kaum in Frage. Schließlich wollten Kunden in ganz Deutschland weiter beliefert werden. "Wein haben wir noch genug. Da sind wir ja nicht die einzigen," betont die 40-Jährige und bringt so nebenbei die Problematik der gesamten Branche auf den Punkt.


Zu Familie Schwarz aus Sontheim

Familie Schwarz gehört quasi zum Sontheimer Dorfadel. Einer der Vorfahren war katholischer Bischof: Remigius. Betriebsgründer Wilhelm Schwarz war 1875-1885 Bürgermeister, Sohn Alfons später Vize und Gemeinderat. Dessen Sohn Hugo siedelte in den 1970ern auf die Hüttenäcker aus. Der heute 75-jährige Eugen Schwarz baute den Bauernhof zum Weingut um. Sohn Holger machte in Weinsberg den Techniker und ging bei G.A. Heinrich (Heilbronn) und Sankt Annagarten (Beilstein) in die Lehre. Im südafrikanischen Paarl praktizierte er beim Weingut Nederburg, in Moldawien war er als Berater tätig. Wer sich über Holgers oberschwäbischen Dialekt wunderte: Der Stimme sagte er einmal, das sei die Sprache von Mutter Susanne und Oma Berta. "Zudem war meine Kindergärtnerin Oberschwäbin."

 
 
 
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