Auf den Spuren des ersten katholischen Bischofs aus Heilbronn
Weingärtner Holger Schwarz hat die Vita seines Ur-Ur-Großonkels Remigius erforscht, der vor genau 150 Jahren in Sontheim zur Welt kam und später in Asien zum Titularbischof avancierte. Remigius ist der erste katholische Bischof aus Heilbronn, es folgte nur noch einer.

Das gut gerahmte historische Porträt im Sontheimer Weingut Schwarz ist ein Blickfang. Es zeigt den Kapuzinermönch Pater Remigius Schwarz, der eigentlich Eugen hieß. Er kam am 11. März 1873, also vor 150 Jahren, zur Welt, wurde 1895 zum Priester geweiht und wirkte ab 1910 als Apostolischer Präfekt, im Prinzip also als Bischof eines im Aufbau befindlichen katholischen Bistums in einem Missionsgebiet. Eine Kopie des Porträts findet sich in einem 1988 aufgelegten Jubiläumsband zum 800-jährigen Bestehen Sontheims - eingereiht in eine Ahnengalerie der Dorfgrößen, darunter auch der Vater des Paters, namentlich Wilhelm Schwarz, geboren am 2. April 1835 und von 1875 bis 1885 Bürgermeister des späteren Heilbronner Stadtteils.
Ein besonderer Wein für Remigius
"Viel mehr wussten wir in unserer Familie damals nicht über diesen Vorfahr", berichtet der heute 46-jährige Holger Schwarz. "Nur Großonkel Walter, der 1910 geboren wurde, muss ihm als kleiner Bub mal auf Heimaturlaub begegnet sein." Erst als Holger und sein Vater Eugen Schwarz vor rund 20 Jahren einen passenden Namen für eine aus Dornfelder, Regent und Cabernet Mythos gewonnene Rotwein-Cuvée suchten und die Idee geboren wurde, diesen inzwischen mehrfach preisgekrönten Wein "Remigius" zu taufen, begann sich Holger Schwarz um dessen Vita zu kümmern. Das passende Etikett gestaltete Thomas Keck - und integrierte darauf das historische Konterfei.
Noch ein Bischof aus Sontheim
Doch außer dem Foto sei selbst im Stadtarchiv Heilbronn nichts über Remigius Schwarz zu finden gewesen, was den Jungwinzer doch ein bisschen wunderte. Denn mutmaßlich handelt es sich bei seinem Ur-Ur-Großonkel um den ersten katholischen Bischof, den die einstige Reformationshochburg Heilbronn, respektive der spätere Stadtteil Sontheim, hervorgebracht hat. Der laut Stadtarchivdirektor Christhard Schrenk zweite und vorerst letzte stammt auch aus Sontheim und findet sich ebenfalls im weit verzweigten Schwarz"schen Stammbaum wieder: Blasius Sigebald Johannes Kurz (1894-1973), der 1939 vom Vatikan zum Titularbischof ernannt worden war.
Komplizierte Recherche
Holger Schwarz" Recherche konzentrierte sich aber auf Remigius. Übers Internet stieß er auf die "Deutsche Kapuzinerprovinz" mit Sitz in Münster, wo man ihn postwendend auf deren Kloster in München-Schwabing verwies. Dort wiederum hieß es, er solle es doch in den Dependancen in Rom oder Innsbruck versuchen, da Remigius zwar Deutscher war, aber ehedem in Brixen zu den Kapuzinern stieß, also in einer Stadt in Südtirol/Italien, die damals noch zum ungeteilten Tirol/Österreich gehörte. Prompt konnten die Patres vom Inn weiterhelfen.
Deren Archivar Manfred Massani zauberte aus seinen Beständen die wichtigsten Lebensdaten hervor. Remigius, bürgerlich Eugen Schwarz, kam am 11. März 1873 in Sontheim zur Welt. 1890 trat er ins Kloster ein, und war nach dem Studium in Brixen zunächst in Sterzing und Salzburg tätig. Von 1898 an wirkte er dann als Missionar in Bettiah/Nepal. 1910 schließlich wurde er zum dortigen Apostolischen Präfekten. Aus dem Totenbuch geht hervor, dass Remigius der letzte apostolische Präfekt von Bettiah war, wörtlich: "Ein Mann von bestem Willen, zuletzt vereinsamt. Er meldete sich zur Orientmission, kam nach Beirut, wurde Feldkaplan und musste als Kriegsopfer in seinem Flecktyphus den Hass der Türken gegen die Christen fühlen."
Totenheft von Tante Maria aus Amerika
"Ich weiß nicht, ob das heute politisch ganz korrekt ist", gibt Holger Schwarz zu verstehen und verweist auf eine andere Quelle: Die Kopie eines Totenheftchens, das ihm Tante Maria aus Amerika zugespielt habe. Darin heißt es: "Auf alle mögliche Weise trachtete er darnach, dass durch seine eigens dazu bestimmten Missionäre auch in den entlegendsten Heidengebieten die himmlischen Wahrheiten verkündet werden."
Seelsorger im Ersten Weltkrieg
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges sei Remigius von der englischen Regierung gezwungen worden, seine Mission zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. "In seiner Zeit der Verbannung" zog es ihn wieder in den Orient, wobei er 1917 zum "hoch geachteten" Habsburger K.u.K-Seelsorger für österreichische und deutsche Soldaten abgeordnet worden sei. Schon am 23. Februar 1918 ist er - neun Monate vor Kriegsende - im von Karl May sogenannten wilden Kurdistan an einer Lungenentzündung gestorben.
Lücke der Kirchenhistorie geschlossen
Mit den Forschungen hat der Sontheimer Weinbautechniker Holger Schwarz eine kleine Lücke in der Geschichtsschreibung schließen können, indem er den Nachnamen und das Geburtsdatum seines Ur-Ur-Großonkels Remigius zuordnen und öffentlich zugänglich machen konnte. Darauf weist Robert M. Hammer aus München hin. Er hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, ein Verzeichnis aller "kirchlichen Vorstände" in Süd- und Ostasien zu erstellen, also Bischöfe, Titularbischöfe oder Apostolische Vikare und Präfekten. Das sei nicht immer einfach, da diese früher oft nur mit Vornamen, Herkunftsort oder Sterbedatum genannt wurden. Beim Kapuzinerpater und Titularbischof Eugen Schwarz sei es noch komplizierter, da er in einigen Missionsbüchern stets nur als "Remigio da Sontheim" aufgeführt worden sei, der Nachname tauchte früher bei Ordensleuten sowieso kaum auf, da sie mit dem Eintritt ins Kloster alles weltliche hinter sich ließen.
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