Der aus dem Schwabenland stammende Welt-Theologe Walter Kasper wird 90
Der katholische Theologe und römische Kurienkardinal Walter Kasper vollendet am Sonntag sein 90. Lebensjahr. In seiner Zeit als Rottenburger Bischof stärkte der Schwabe den Heilbronner Katholiken den Rücken. Aktuell übt er Kritik am Synodalen Weg der Deutschen.

Bei der Papstwahl 2005 galt Walter Kasper durchaus als "papabile". Doch bekanntlich konnte damals Joseph Ratzinger die Mehrheit der Kardinäle hinter sich versammeln, mutmaßlich weil der Schwabe anders als der Bayer zu fortschrittlich für die römisch-katholische Kirche ist. Anders als der abgehobene Ratzinger definiert Kasper seinen Glauben nämlich nicht vom göttlichen Ideal her, sondern als dynamischen Prozess vom Menschlichen zum Christlichen.
Einst in Hohenlohe und Unterland unterwegs
An diesem Sonntag feiert der in Heidenheim an der Brenz geborene und im Allgäu aufgewachsene Kurienkardinal seinen 90. Geburtstag. Glückwünsche werden den berühmten Theologen aus aller Welt erreichen, auch aus dem Unterland und aus Hohenlohe. Schließlich war Kasper von 1989 bis 1999 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und als solcher auch Oberhirte über die Dekanate der Region. Damals hat er unter der Leitidee der "Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation" mit dem Diözesanrat oft in Kloster Schöntal getagt, in der Region etliche Jugendliche gefirmt und Kirchengemeinden besucht.
Zwei Großprojekte in Heilbronn
Im Schulterschluss mit dem damaligen Dekan Monsignore Wolfgang Westenfeld brachte Kasper gleich zwei Großprojekte auf den Weg, mit denen die katholische Kirche in dem protestantisch geprägten Oberzentrum der Region, gleichsam in der Diaspora, Flagge zeigen sollte: das Bildungszentrum St. Kilian und das Heinrich-Fries-Haus. Den aus Oedheim stammenden Theologen Fries würdigte er an dessen 80. Geburtstag in der Festpredigt als "konstruktiven Kirchenkritiker und Vorbild für alle, die es mit der Kirche schwer haben".
Assistent von Theologen-Star Hans Küng
Schon in seiner Zeit als Tübinger Dogmatikprofessor (1970-1989) gelang dem großen Denker und Vermittler - anders als Hans Küng, dem Kasper als dessen Assistent Populismus vorwarf - der Spagat zwischen Tradition und Fortschritt. Eine Fähigkeit, die ihn letztendlich für höchste Ämter im Vatikan qualifizierte. Als Ökumene-Minister pflegte er gute Kontakte zur Ostkirche, stieß deutsche Protestenten aber mitunter vor den Kopf.
Feingeist mit Humor
In Rom, wo er sich wie daheim fühlt, ließ er den Draht in die Heimat nie abreißen. Mit schelmisch- schwäbischem Singsang nennt er seine Schwestern als beste Beraterinnen. Kasper ist ein Feingeist mit Humor und Kunstinteresse. Dem früh verstorbenen Heilbronner Künstler Raphael Seitz öffnete er die Türen bis zum Papst. Ein anderer kreativer Heilbronner, Arthur J. Elser, durfte für ihn einen seiner vielen Buchumschläge gestalten.
Kritik am Synodalen Weg der Deutschen
Kasper ist ein Meister der klaren Sprache. "Die Zeit" schätzt ihn als Autor und Interviewpartner. In der aktuellen Ausgabe verteidigt er - zum Auftakt der Deutschen Bischofskonferenz - Papst Franziskus gegen Kritik aus Deutschland. Vielen Anliegen des Synodalen Wegs könne dieser zustimmen. Andere aber dürften "die Einheit des Glaubens in der Weltkirche massiv gefährden". Nicht genug: Die wichtigen Themen des Synodalen Wegs habe Franzikus längst auf der Agenda: Stärkung von Laien und Frauen, Abbau des Klerikalismus, Überwindung der Verbotsmoral und Stärkung des Gewissens, Achtung vor gleichgeschlechtlich orientierten Menschen, Aufklärung des sexuellen und geistlichen Missbrauchs sowie nicht zuletzt eine Reform der römischen Kurie.
"Das alles ist in der Kirche möglich, ohne die Kirche auf den Kopf zu stellen", betont der romtreue Schwabe. Gleichzeitig unterstellt er den deutschen Reformern eine "rein binnenkirchliche Perspektive". Sie vernachlässigten die allgemeine Glaubenskrise im Westen, die Klimakrise, "die westliche Mitschuld an himmelschreiender Ungerechtigkeit in der Welt, die Verantwortung für den Frieden".
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