Was in Teststellen in Heilbronn schief läuft
Wenig Zeit, falsches Test-Kit, wenig förderliches Ambiente: Ein stichprobenartiger Test in der Stadt zeigt zahlreiche Mängel. Dauerhaft schließen musste bislang nur ein Anbieter.

Ob eine Corona-Schnellteststelle korrekt arbeitet, ist für den Laien oft schwer nachvollziehbar. Wenn in Heilbronn Teststellen geschlossen wurden, dann wegen hygienischer Mängel - nicht wegen Fehlern bei der Durchführung. Unsere Stichprobe über mehrere Wochen zeigt: Anwendungshinweise der Tests werden häufig nicht eingehalten.
Wer getestet wird, erhält einen Nachweis über das Ergebnis und darüber, welches Test-Kit benutzt wurde. Online hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte alle anerkannten Antigen-Tests gelistet, die gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet werden dürfen. Hier lassen sich auch Gebrauchsanweisungen herunterladen. Fehlerquellen gibt es viele.
Stäbchen nur wenige Sekunden in beiden Nasenlöchern
Ein Versuch unserer Stichprobe in Heilbronn zeigt das Zeit-Problem. Die Anleitung zum benutzten Test-Kit schreibt vor, der Tupfer müsse 15 Sekunden lang in jedem Nasenloch verbleiben - erst dann sei genügend Probe am Tupferstäbchen. Der Mitarbeiter der Teststelle, die diesen Test nutzt, dreht das Abstrichstäbchen nur für wenige Sekunden in beiden Nasenlöchern.
Weitere Vorgabe: Ein Antigen-Test sieht vor, dass das Ergebnis nach 15 Minuten abgelesen werden muss. Die Gebrauchsanweisung ist präzise formuliert: weder früher, noch später als nach einer Viertelstunde ist das Ergebnis abzulesen. Bei der Teststelle vor Ort teilt man nach fünf Minuten das Ergebnis mit, versehen mit dem Hinweis, es ändere sich nun eh nichts mehr.
Nächster Versuch: Ein Testzentrum im Freien hat nach Wochen die eigenen Temperatur-Probleme zum Teil erkannt und mit einem Heizstrahler nachgerüstet. Hintergrund: Peter Liebert, Leiter des städtischen Gesundheitsamts, hatte in einer Rundmail an alle Testzentren darauf hingewiesen, dass die Aussagekraft der Tests bei schwankenden Temperaturen leide. Verwendet und gelagert gehören Tests bei Raumtemperatur, generell lege man Betreibern nahe, "Gebrauchsinformationen des Herstellers unbedingt zu beachten". Eine andere Teststelle hatte stets einen starken Heizstrahler betrieben. Die Benutzungshinweise für den dort durchgeführten Test warnen deutlich vor zu hohen Temperaturen.
Material wird mancherorts falsch verwendet
Material-Probleme lassen sich erkennen, wenn die Teile des Kits nicht zusammenpassen oder wenn sie nicht sachgemäß eingesetzt werden. So nutzt eine Teststelle zunächst hölzerne Teststäbchen, die für einen reinen Nasenabstrich gedacht sind. Konzipiert ist der verwendete Test laut Packungsbeilage für Proben aus Nasen-Rachen-Abstrich. Die Durchführung zeigt sich dann als kurzes, sanftes Tupfen im vorderen Nasenbereich.
Es gibt Tests, deren Anleitung gestattet, alle drei Varianten der gängigen Probenentnahme mit Tupfer: den einfachen Nasenabstrich, den Nasen-Rachen-Abstrich sowie den Mundhöhlen-Rachen-Abstrich. Bei einer Schnelltest-Stelle hatte man über Wochen hinweg einen Test benutzt, der einzig einen Abstrich am Rachen vorsah - einerlei ob über Mund oder Nase. Bei der Teststelle nahm man Proben aus dem vorderen Nasenbereich. Darauf angesprochen, teilt der Betreiber mit, dieses Modell sei durch ein anderes Test-Set ersetzt worden. Man könne sich nicht erklären, warum auf mehreren Testzertifikaten das Test-Kit vermerkt sei, das demnach gar nicht zum Einsatz gekommen sein soll.
Im Stadtkreis Heilbronn musste bisher nur eine Teststelle dauerhaft schließen. Drei schlossen vorübergehend und durften wieder öffnen, als die nötigen Hygieneauflagen erfüllt waren, erklärt Stadt-Sprecherin Suse Bucher-Pinell. "Im Gesundheitsamt befassen sich derzeit fünf Personen mit Teststellen. Sie überprüfen diese stichprobenartig und anlassbezogen." Kürzlich hieß es, dass Stuttgart 44 Teststellen kontrolliert und 13 davon geschlossen hatte - auch wegen mangelhafter Test-Praxis.
Zeitweise gab es keine kostenlosen Tests mehr
Seit Mitte November gilt wieder ein Anspruch auf einen gratis Antigen-Schnelltest pro Woche. Ab Ende März 2021 entstanden zunehmend private Testzentren. Am 10. August wurde beschlossen, dass es ab 11. Oktober keine kostenlosen Tests mehr geben würde. Der seit dem 13. November geltende Beschluss sieht vor, dass Testzentren acht Euro für den Abstrich und 3,50 Euro für das Test-Kit gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen können. In der ersten Phase waren es pauschal 18 Euro pro Test.




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