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Perle der Gartenkultur: So ist der Botanische Obstgarten in Heilbronn entstanden

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25 Jahre sind seit dem Gemeinderatsbeschluss für den Botanischen Obstgarten in Heilbronn vergangen: Ulrich Frey erzählt, wie es zu diesem Kleinod kam und wer die richtigen Weichen dafür gestellt hat.

Von Stefanie Pfäffle
Zu jeder Jahreszeit schön: der Botanische Obstgarten. Ulrich Frey hat in alten Akten gewühlt, um die Entstehung des Botanischen Obstgartens zu rekapitulieren.
Foto: Archiv/Christiana Kunz
Zu jeder Jahreszeit schön: der Botanische Obstgarten. Ulrich Frey hat in alten Akten gewühlt, um die Entstehung des Botanischen Obstgartens zu rekapitulieren. Foto: Archiv/Christiana Kunz  Foto: Kunz

Eigentlich ist Ulrich Frey nicht so wahnsinnig erpicht darauf, meterdicke Aktenberge zu durchforsten. Aber weil vor 25 Jahren, genau am 29. Juli 1998, der Gemeinderatsbeschluss fiel, den heutigen Botanischen Obstgarten (BOG) aufzubauen, hat der Vorsitzende des Fördervereins Garten- und Baukultur doch mal beim Grünflächenamt so einige Projekte durchgearbeitet und präsentiert am Samstag einer kleinen Runde von 14 Interessierten einen Überblick darüber, was bis dahin und danach geschehen ist.

Im Laufe des Vortrags wird deutlich: Vieles hängt mit vielem zusammen. Da ist zum Beispiel der 1851 gegründete Armenversorgungsverein, der ein Armenhaus gründete und acht Jahre später auch eine Knabenbeschäftigungsanstalt direkt daneben. Diese diente dazu, die Kinder von berufstätigen Eltern nach der Schule zu beschäftigen und zu bilden. 1912 zog diese in das Gebäude der heutigen Jugendkunstschule um. 1934 aber wurde die Stiftung vom Hitlerregime liquidiert und auf dem Gelände des heutigen Botanischen Obstgartens das städtische Obstgut eingerichtet, das bis 1968 Bestand hatte. Auf Plänen von damals ist bereits die Verbindung zwischen Neckarsulmer und Weinsberger Straße zu sehen, die nun wieder im Gespräch ist und über die Wiese führt, die dem BOG bei Veranstaltungen als Parkplatz dient. "Wenn das kommt, müssen wir mit Einschränkungen rechnen", weiß Frey.

Vor dem Botanischen Obstgarten gab es auch andere Ideen

Ulrich Frey ist der Vorsitzende des Fördervereins Garten- und Baukultur.
Foto: Stefanie Pfäffle
Ulrich Frey ist der Vorsitzende des Fördervereins Garten- und Baukultur. Foto: Stefanie Pfäffle  Foto: Stefanie Pfäffle

Das Gelände steht also seit 1968 mehr oder weniger leer. Vier Fragen galt es im Laufe der Jahre zu beantworten: Was geschieht damit (1995), wohin soll das schöne Gartenhaus aus der Cäcilienbrunnenstraße (1997), wo soll das Arboretum von Heilbronn entstehen (1998) und wo ist Platz für die vom Regierungspräsidium geforderten Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Stadtbahn (2000)?


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1998 beschließt der Gemeinderat interfraktionell, das ehemalige städtische Obstgut einer Mehrfachverwendung zuzuführen. "Das Liegenschaftsamt hätte da eigentlich gerne ein Wohngebiet gehabt, aber meine Frau entdeckte, dass ein großer Teil als Stiftungsgrundstück des Armenversorgungsvereins eingetragen ist", erzählt der Baubürgermeister a.D. Ein Wohngebiet war damit vom Tisch. Stattdessen sollte eine ökologisch bewirtschaftete Gartenanlage mit Arboretum, Klein-, Schul- und Schaugärten entstehen. "Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, der 1999 ins Amt kam, stand voll dahinter, aber es sollte keine öffentliche Grünfläche werden, also meinte er, Frey, denken Sie sich was aus."

Botanischer Obstgarten sollte Ersatz für gefällte Bäume sein

Noch vor der Gründung des Fördervereins am 23. Juli 2000 und sogar des Gemeinderatsbeschlusses kam das erste Gartenhaus aus der Cäcilienbrunnenstraße. "Mein Großvater Karl und sein Bruder Fritz Bauer hatten es in ihrer Glaserei und Schreinerei gebaut", erzählt Wolfgang Kurz. Doch als das Grundstück bebaut werden sollte, musste es weg. "Frau Schneider vom BUND meinte, das muss gerettet werden und meine Idee war dann, hier steht doch alles leer, provisorisch geht das auf jeden Fall", erklärt Helga Mühleck, Freys Frau und von Anfang an Projektverantwortliche im städtischen Grünflächenamt. Es sollte das erste von inzwischen 15 Gartenhäuschen sein.


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Beim Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Stadtbahn 2000 wurde offiziell festgehalten, dass der Botanische Obstgarten der Ersatz für die 141 zu fällenden Bäume wird. "Der Obstgarten ist also eine gesetzliche Einrichtung, die schon deswegen der ständigen Obhut der Stadt unterstellt ist", betont Frey.

Perle der Gartenkultur soll erhalten bleiben

Gleich zwei Modellvorhaben brachten dem Förderverein zusätzlichen Geldsegen. Beim ersten wurde die Obsthalle zur Veranstaltungshalle eingerichtet und vieles vom damaligen Programm ist bis heute erhalten. Durch das zweite wurden Blumenbeete gepflanzt und der Hofladen eingerichtet. Nach dem Ende 2009 ging die Pflege der Anlage zurück an die Stadt.

Der Vorsitzende hofft sehr, dass sie diese Verpflichtung zum Unterhalt weiter ernst nimmt, ernster als aktuell vor allem. "Das Bienenhaus ist schon seit Monaten nicht nutzbar, dem Güglinger Weinberghaus wurde die Tür eingetreten und noch nicht restauriert." Diese Perle der Gartenkultur müsse erhalten werden.

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