Viele Tümpel für Gelbbauchunken im Forstrevier Wildeck
Für die Artenvielfalt im Wald sorgen Biotope - natürliche, künstliche und flächenhafte. Im Staatswald des Reviers Wildeck gibt es unendlich viele.

"Oh, genial", sagt Alexander Fichtner, der im Vorbeifahren einen Tümpel entdeckt. "Das ist perfekt, das Wasser ist stehen geblieben." Warum freut sich der Leiter des Forstreviers Wildeck so über diese Mulde?
Sie ist eine von sechs Mulden, die Waldarbeiter im vergangenen Winter am Feldweg oberhalb des Zubringers im Staatswald auf Heilbronner Gemarkung ausgegraben haben. Bei den jetzt steigenden Temperaturen kriechen die Gelbbauchunken aus dem Laub hervor und suchen sich einen Laichplatz. "In diesen Pfützen ist in den nächsten vier Wochen Leben drin", weiß der Fachmann.
Artenschutz gehört mit zu seinen Aufgaben, und so werden immer wieder neue Biotope angelegt. Der Schwerpunkt liegt auf der Gelbbauchunke, die anderswo ums Überleben kämpft, im Revier Wildeck jedoch weit verbreitet ist.
Teilweise durch Sprengung entstanden
"Unendlich viele", antwortet Fichtner auf die Frage, wie viele Biotope es auf den 1600 Hektar Staatswald gibt, die in seinem Verantwortungsbereich liegen. Da gibt es natürliche, etwa Fahrspuren vom Holzrücken, in denen sich Wasser staut, und künstliche.
Unter dem früheren Untergruppenbacher Revierleiter Jörg Kuebart habe das THW zu Übungszwecken Erde gesprengt, erzählt Fichtner. "Dadurch verdichtet sich der Mutterboden so stark, dass ein wunderschönes Biotop entsteht." Das Wasser bleibe stehen, und es siedle sich relativ schnell die Gelbbauchunke an.
Erhaltungsprogramm für Gelbbauchunken

An einer Stelle auf Untergruppenbacher Gemarkung entfernten Waldarbeiter dürre Bäume und baggerten Erde aus, die teilweise für einen Wall als Begrenzung zum Feldweg verwendet wurde. Der Tonboden ist so verdichtet, dass der Regen einen Teich entstehen ließ. Drumherum liegen morsche Äste, unter denen sich Ringel- und Schlingnattern verkriechen können.
"Wir müssen die Artenvielfalt im Wald fördern", beschreibt Fichtner den Auftrag und verweist auf das Gelbbauchunken-Erhaltungsprogramm von Forst BW. Wenn sich Fressfeinde wie Libellenlarven, die sich über die kleinen Kaulquappen hermachen, in dem Tümpel ansiedeln, macht sich die Amphibie davon. Diese Biotop-Tümpel sind nicht nur Lebensraum für Tiere, am Rand stelle sich Vegetation ein. Fichtner nennt Sumpfdotterblumen oder Erlen, Weiden und Birken, die durch Naturverjüngung wachsen.
"Wir brauchen alle Baumarten", macht er deutlich, wie wichtig Artenvielfalt ist. "Der Wald soll keine Monokultur sein, sondern ein Vollsortimenter", zieht er einen Vergleich heran. Und seine Aufgabe sei es, die Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen.
Mergelgruben und Trockenbiotope
Die Vielfalt an Habitaten ist groß. "Jedes für sich ist einzigartig", meint der Revierleiter und verweist auf Mergelgruben, aufgelassene Steinbrüche oder Trockenbiotope im Stubensandstein.

Das Alt- und Totholzkonzept sehe vor, dass Habitatbaumgruppen von 15 bis 25 Bäumen dauerhaft stillgelegt werden. Diese Bäume sind mit weißen Wellenlinien gekennzeichnet, gefällt werden dürfen sie nicht. Sie sind dauerhaft geschützt, weil sie in abgestorbenen Ästen Insekten beheimaten oder Spechtlöcher aufweisen, und wenn sie umfallen, zieht auch der Bockkäfer ein.
Heimat für Käfer und andere Insekten
Durch den Klimawandel würden mehr Bäume absterben, weil zum Beispiel die Kronen wegen der Trockenheit absterben. "Ein kranker Baum stellt für Käfer und andere Insekten eine Heimat dar", führt Fichtner aus. "Ich muss in meinem Revier jährlich etwa zwölf Habitatbaumgruppen ausweisen und sechs Biotope für die Gelbbauchunke anlegen", berichtet der Revierleiter vom Auftrag von Forst BW.
Im Forstrevier Wildeck gibt es aber auch flächenhafte Habitate. Gruppen von mehr als 25 Bäumen werden als Waldrefugien bezeichnet. Sie sind wie alle anderen Biotope kartiert.
1600 Hektar Staatswald
Das Forstrevier Wildeck umfasst 1600 Hektar Staatswald, die sich auf den Gemarkungen Wüstenrot, Obersulm, Löwenstein, Abstatt, Beilstein, Untergruppenbach und zum Teil Heilbronn erstrecken. Der Jahreshiebsatz beträgt rund 10.000 Festmeter. Die Biotope im Revier müssen nicht groß gepflegt werden. Die Tümpel für die Gelbbauchunken werden alle zwei bis drei Jahre von den Ablagerungen befreit, damit die Amphibien wieder den Rohboden vorfinden.



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