Prozess gegen Wollhaus-Raser: Ermittler verzweifeln bei Passwörtern des Angeklagten
Zwei Polizeibeamte sagten am neunten Verhandlungstag beim Raserprozess in Heilbronn aus. Vor Gericht muss sich ein 21-Jähriger verantworten, der in der Wollhausstraße einen tödlichen Unfall verursacht haben soll.

Seit Mitte August muss sich der 21-jährige Angeklagte unter anderem wegen Totschlags im sogenannten Raser-Prozess vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. Am 12. Februar knallte er in der Wollhausstraße mit seinem BMW mit rund 100 Stundenkilometern in das Fahrzeug einer Familie. Der 42-jährige Familienvater war sofort tot. Die Ehefrau und die beiden Kinder wurden verletzt.
Richter Alexander Lobmüller erklärte bereits am ersten Verhandlungstag, dass ein Urteil unter anderem wegen Mordes und dreifachen versuchten Mordes infrage kommen könnte.
Angeklagter steht seit Mitte August vor Gericht
Keine wesentlichen Erkenntnisse hat am Montag der neunte Verhandlungstag gebracht. Lediglich zwei Polizeibeamte waren als Zeugen geladen. Sie sollten das iPhone und das Mac-Book des Angeklagten auswerten. Weil sie aber die jeweiligen Gerätepassworte nicht knacken konnten, haben sie keinen Zugriff auf die Daten.
Gericht interessiert Fahrverhalten und Verhältnis zu schnellen Autos
Bereits mehrfach war der Beschuldigte vor dem Unfall in der Wollhausstraße wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen auffällig. Darüber hinaus war er offenbar schon im Vorfeld in verschiedene Unfälle mit dem Auto und dem Motorrad verwickelt. Freunde und Verwandte beschrieben ihn in vorangegangenen Prozesstagen im Zeugenstand aber als gemäßigten Fahrer. Eine Frage, die das Gericht seit Prozessbeginn interessiert, ist, welches Verhältnis der Angeklagte zu schnellen Autos hat und wie sein tatsächliches Fahrverhalten aussah.
Nach dem Unfall in der Wollhausstraße hatte der Beschuldigte seine Beiträge in den sozialen Medien gelöscht. Licht ins Dunkel sollte deshalb die Auswertungen des iPhones und des MacBooks bringen. Aber weder der Kriminalhauptkommissar des Polizeipräsidiums Heilbronn noch sein Kollege vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg konnten dazu am Montag Informationen liefern. Den Beamten ist es nicht gelungen, die Passwörter zu knacken.
Anwältin spricht von persönlichen Daten
Auf Anraten seiner Anwälte gibt der Angeklagte die Passwörter auch nicht bekannt, so Anke Stiefel-Bechdolf. "Wir geben nichts heraus", sagte die Rechtsanwältin am Rande des Verhandlungstages. Schließlich seien die Daten persönlich.
Vertreter der Nebenklage will Accountprofile und Backups anfordern lassen
Tim Maly, Vertreter einer der Nebenkläger, habe in eigener Recherche herausgefunden, dass der Beschuldigte im Internet einen aktiven Account in der Heilbronner Raser- und Poserszene habe. Der Anwalt stellte den Antrag, Profilkopien der Accounts in den sozialen Medien und bei WhatsApp anzufordern, um an gelöschte und bislang unbekannte Daten zu kommen. "Das wurde bisher ungenügend untersucht", kritisierte Maly die Ermittler.
Außerdem forderte Maly, Kopien des iCloud-Backups bei Apple anzufordern, um so an die Daten auf dem iPhone und dem MacBook zu gelangen. Den angesetzten Verhandlungstag am kommenden Mittwoch hat die Kammer abgesetzt. Der nächste Prozesstag findet am 4. Dezember statt.
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