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Nachwirkungen von Corona

Lehrer fühlen sich auf neue Pandemie schlecht vorbereitet – was sagen Schulen in Heilbronn?

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Ein Jahr nach Corona-Ende ist die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft alarmiert. Wie es bei Gesundheitsämtern und beim Einzelhandel aussieht, und wie sie auf eine neue Pandemie vorbereitet wären.

Lehrer beobachten, dass auch heute noch Schüler mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen.
Lehrer beobachten, dass auch heute noch Schüler mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen.  Foto: Philipp von Ditfurth (dpa)

Maskenpflicht, Ausgangssperre, geschlossene Schulen und Geschäfte: Corona hat über Monate hinweg das Leben lahmgelegt. Vor einem Jahr sind die letzten Maßnahmen ausgelaufen, Gesundheitsminister Karl Lauterbach erklärt die Pandemie für beendet. Auf eine weitere fühlen sich einige Lehrer unzureichend vorbereitet.

Die Corona-Folgen für Kinder und Jugendlichen wirken nach. Noch immer merken Lehrer, dass beispielsweise einigen Erstklässlern der Umgang mit Gleichaltrigen schwerfällt.

Schulen merken die Nachwirkungen der Corona-Pandemie noch heute – Schulen in Heilbronn vorbereitet

Ihnen hätte die Sozialisierung in der Kita gefehlt, die eine Zeitlang wegen Corona geschlossen waren, sagt Jana Kolberg von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sollten Schulschließungen, wenn auch kurzzeitig, nötig sein, so ist rechtlich laut der GEW-Vorsitzenden in Hohenlohe alles geregelt.

Das Schulgesetz im Land lässt den digitalen Unterricht zu. Nur seien Lehrer weder ausreichend geschult, noch hätten sie eine gute technische Ausstattung. Das Land habe es immer noch nicht geschafft, Lehrern einheitliche Dienst-Mailadressen einzurichten, so Jana Kolberg. Schulen in Heilbronn sind nach eigenen Angaben und aus Elternsicht gut vorbereitet. "Durch Corona kam ein Schub bei der Digitalisierung", sagt Viviane Kalisch, Vorsitzende des Heilbronner Gesamtelternbeirats.

Lernen aus der Pandemie: So könnten Schulen auf neuen Virus reagieren

Der Präsenzunterricht bleibe der Regelfall und habe Vorrang vor anderen Unterrichtsformen, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums. Zugleich betont er auf Anfrage, dass die Auswirkungen auf den Unterricht von den Eigenschaften des Krankheitserregers abhingen. Das Schulgesetz sei geändert, "Fern- oder Hybridunterricht rechtssicher und datenschutzkonform geregelt".

Mit der Pandemie habe es einen Ausstattungsschub in den Schulen durch Förderprogramme von Land und Bund gegeben. "Die Herausforderungen sind nur gemeinsam von Bund, Land und Kommunen zu bewältigen", so der Sprecher. "Die Pandemie hat auch gezeigt, dass im Bereich der Kompetenzen der Lehrkräfte ein zusätzlicher Schulungsbedarf besteht." Dafür habe das Land bis Ende dieses Jahres neun Millionen Euro in Hand genommen und neben dem regulären Fortbildungsangebot rund 160.000 zusätzliche Lehrer bei der Digitalisierung fortgebildet.

Das sagen die Heilbronner Einzelhändler zu einer weiteren Pandemie

Von "einer schrecklichen Zeit" spricht die Heilbronner Einzelhändlerin Eva Schnepf. Bis heute habe man bei Umsatz und Frequenz nicht mehr an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen können, betont die Geschäftsführerin des Schreibwarengeschäfts Seel, die den Einbruch mit 20 Prozent beziffert.


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"Die Pandemie hat auch den Zulauf zum Internet beschleunigt", so Schnepf. Die Gastronomiebranche sieht sich als großer Verlierer der Pandemie. Noch immer seien die Corona-Hilfen in vielen Betrieben nicht abgerechnet, klagt Martin Kübler. Auch die Rücknahme der Mehrwertsteuererhöhung bringt ihn auf die Palme. Dass die Politik aus den Corona-Erfahrungen gelernt habe, glaubt er nicht. "Bei der nächsten Pandemie würden wir die Zeche wieder zahlen", fürchtet der Chef des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis Heilbronn.

So sieht es in den Gesundheitsämtern in Heilbronn und Hohenlohe aus

Vor Corona waren die Gesundheitsämter personell ausgedünnt - auch in Hohenlohe und Heilbronn. Deshalb waren sie vor allem zu Beginn der Pandemie überfordert, um die Krise auf Kreisebene zu bewältigen. Krasses Beispiel war die Übermittlung von Daten per Fax.

Seitdem wurden einige Schwachstellen ausgemerzt. Vieles läuft digitaler, die Melde- und Kommunikationswege wurden optimieren. Alle Mitarbeiter werden regelmäßig geschult. Und alle relevanten Akteure noch besser vernetzt: zwischen den Kreisen sowie mit Bund und Land. Die Personalstellen wurden aufgestockt, doch es fällt schwer, Ärzte zu gewinnen.

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