Hüftgelenk gebrochen: Kollegen retten für verunglückten Wengerter die Traubenernte
Der Sontheimer Wengerter und Besenwirt Werner Kühner hat sich das Hüftgelenk gebrochen. Der Weinbauer fürchtete schon den Totalausfall seines Jahrgangs 2023. Da meldet sich aus heiterem Himmel ein Kollege.

Alle Welt denkt nur noch an sich selbst, überall Ellenbogen und Neid, im Alltag, in der Wirtschaft, sogar im Weinbau. Oder? Es geht auch anders. Ein schönes Beispiel dafür ist die schnelle Hilfe, die Wengerter und Besenwirt Werner Kühner aus Heilbronn-Sontheim erfahren durfte.
Der 64-jährige Weinbautechniker hat sich am 9. September, "meinem persönlichen Nine Eleven", das Hüftgelenk gebrochen: einen Tag bevor er mit der Traubenlese beginnen wollte. Für fünf Hektar Reben fürchtete er den "Totalausfall". Doch kurzerhand konnten die guten Nachbarn aus der Spitzwegstraße, Franz und Alexander Bauer vom gleichnamigen Weingut, weitere Kollegen gewinnen, die Werner Kühner die Lese und damit den Jahrgang 2023 retteten.
Unfall passiert am Tag vor dem Lese-Start - Kollegen retten für Werner Kühner die Traubenernte
Der Reihe nach: "Sonntags habe ich noch Wein abgefüllt, damit ich Platz für den neuen Jahrgang bekomme", berichtet Kühner der Heilbronner Stimme. Montags dann habe er auf dem Betriebshof alles für die Traubenannahme gerichtet: Abbeermaschine, Presse, Wannen. "Das hat natürlich gedauert, so konnte ich erst abends in der Dämmerung nochmal raus und die Trauben angucken."
Es muss so gegen 19.45 Uhr gewesen sein, als er in Talheim zwischen zwei Rebzeilen auf dem Motorrad "mit Schmackes den Hang hochrauschen" will. "Aber das Gras war schon feucht. Plötzlich lag ich am Boden. Als ich aufstehen wollte, hat der Fuß in die andere Richtung geguckt."
Zum Glück hat Werner Kühner beim Unfall das Handy dabei
Glücklicherweise hat Kühner sein Handy dabei – "sonst hätte ich die Nacht draußen verbracht" – und erreicht den Kollegen Otto Hipp aus Talheim. "Der hat mich aufgelesen. Meine Tochter Ann-Kathrin holte mich ab, hat mich etwas hergerichtet und in die Klinik gebracht." Nach langem Warten dann die Diagnose: gebrochenes Hüftgelenk. "Dienstagfrüh bin ich dann gleich operiert worden und bekam eine Hüftprothese."
Kühner hegt schlimme Befürchtungen
"Alles wird mir verfaulen, alles geht kaputt: Das war nach dem Aufwachen mein erster Gedanke." Und: "Wie soll es nur weitergehen?" Aus heiterem Himmel ruft Franz Bauer an und beruhigt ihn: "Das kriegen wir hin." Wie dessen Sohn Alexander berichtet, habe er vom Kollegen Peter Kirschenlohr von dem Unfall erfahren, postwendend Ann-Kathrin Kühner angerufen, die er seit dem Kindergarten kennt. "Was muss gelesen werden, wo können wir helfen? Gleich mittwochs haben wir dann mit Weißburgunder und Muskateller angefangen."
Gleichzeitig hat der 33-jährige Alexander Bauer die Weinkontrolle kontaktiert. "Weinrechtlich darf man ja nicht einfach andere Trauben im eigenen Keller verarbeiten." Der zuständige Wolfgang Hehner habe den Notfall sofort erkannt und ausgesprochen kooperativ und unbürokratisch reagiert. "Tragt mal alles ins Herbstbuch ein", habe er gemeint. "Später müssen wir dann nochmal über alles reden. Dann geht alles Schlag auf Schlag.
Alle helfen mit vereinten Kräften
Andreas Lobmüller aus Talheim stellt die Vollernter-Maschine. Peter Kirschenlohr vom Weingut Senghaas-Kirschenlohr kümmert sich um den Transport. Das Weingut Amalienhof übernimmt den Trollinger, das Weingut Albrecht- Kiessling den Muskattrollinger und das Weingut Fischer den Lemberger. Nicht zuletzt verarbeiten die Bauers vier Parteien, eine weitere soll noch folgen, der Riesling. "Bald sind die ersten 2023er durchgegoren", freut sich Alexander Bauer.
"Man kann einen Kollegen nicht hängen lassen."
Für den Oenologen ist es "selbstverständlich, einem Kollegen unter die Arme zu greifen und ihn nicht hängen zu lassen". Auch das freut Bauer sehr: "Der Zusammenhalt unter uns Wengertern funktioniert": trotz Krise, trotz Konkurrenz, trotz Personalnot und trotz großem Zeit- und Lesedruck im Herbst 2023.
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