Wie Chefärzte aus der Region Heilbronn KI einsetzen
Bei der VHS Heilbronn erklären SLK-Krebsmediziner Uwe Martens, SLK-Gefäßchirurg Thomas Karl und Handchirurg Peter Hahn von der Vulpius-Klinik, welche Rolle Künstliche Intelligenz spielt.

Heilbronn zeigt, wie es mit Künstlicher Intelligenz (KI) an die Weltspitze kommen will. Der Innovationspark IPAI sorgt weit über die Grenzen der Region hinaus für Beachtung. Auch die regionale Wirtschaft und Mediziner aus der Region setzen auf KI.
Drei Chefärzte aus der Region, drei unterschiedliche Arten, KI in der Medizin einzusetzen, aber eine gemeinsame Erkenntnis: Künstliche Intelligenz (KI) ist ein bedeutsames Werkzeug, das Ärzte bei ihrer Arbeit in vielfacher Weise unterstützen kann. Die letzte Entscheidung trifft aber weiter der Mensch.
KI-Gespräch der VHS Heilbronn: Drei hochkarätige Mediziner über Chancen und Risiken der KI
Professor Uwe Martens, SLK-Krebsmediziner in Heilbronn, Dr. Thomas Karl, SLK-Gefäßchirurg in Bad Friedrichshall und Professor Peter Hahn, Handchirurg an der Bad Rappenauer Vulpius-Klinik erklärten im Gewölbekeller der VHS Heilbronn, wo sie KI bereits einsetzen.
Bei Martens geht es unter anderem um Bildanalyse und die Unterstützung ärztlicher Entscheidungen. Eindrücklich zeigte er in seinem Vortrag, wie die KI Prozesse auf Knopfdruck erledigt, die zuvor vom Menschen in langwieriger Kleinarbeit abgearbeitet werden mussten. „Das wird den Arbeitsprozess unheimlich beschleunigen.“ Martens hat die Hoffnung, dass hocheffiziente KI auch eine Antwort auf den Personalmangel im Gesundheitswesen geben kann und dass Ärzte durch die Entlastung von bürokratischen Erfordernissen wieder mehr Zeit für die empathische Arbeit am Patienten haben.
Peter Hahn ist Handchirurg und Programmierer
Peter Hahn ist seit 42 Jahren Chirurg, außerdem programmiert er seit zehn Jahren KI-Anwendungen für die Vulpius-Klinik, Programmieren ist seine zweite Leidenschaft, wie er erzählt. Hahns Problem: Große Datenmengen sind in Deutschland kaum verfügbar. Sein Plädoyer: „Wir brauchen in Deutschland einen offeneren Umgang mit dem Thema. Wir haben ein Werkzeug an der Hand, um Gutes zu tun, aber wir haben nicht die Daten dafür.“
Hahn ist es trotzdem gelungen, die KI in verschiedenen Bereichen für den Klinikalltag nutzbar zu machen. So hat er Patientendaten aus der Handchirurgie zusammengetragen und ausgewertet. Es sei gelungen, die Wartezeit von Patienten auf den Eingriff im Durchschnitt um 30 Minuten zu senken. „Das ist immer noch nicht optimal, wir haben eine hohe Variationsbreite.“ Trotzdem sei die Zeitersparnis wichtig.
Am Plattenwald unterstützt eine KI bei komplexen Eingriffen
Thomas Karl zeigt anhand von Bildern, wie in seiner Klinik für Gefäßchirurgie bedrohliche Bauchaortenaneurysmen mit Unterstützung von KI sicher und schonend behandelt werden. Die KI erstellt dabei im Vorfeld eine dreidimensionales Karte aus dem Bauchraum, bei der OP navigieren die Operateure mithilfe dieser Karte durch das Gefäßsystem. „So können wir komplexe Eingriffe wesentlich genauer planen, das macht die Eingriffe für den Patienten sicherer“, sagt Karl. Die KI sei total in ihrem Alltag angekommen. „Das System hat uns noch nie enttäuscht.“ Trotzdem mahnt er, es sei nötig, Technik immer wieder kritisch zu hinterfragen. Vor allem um den „rasanten Wissenszuwachs in der Medizin zu ordnen“ sei die KI ein Segen, „aber wir dürfen ihr nicht blind vertrauen."
So sieht die Zukunft aus
Hahn geht davon aus, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren das zeitraubende Schreiben von Arztbriefen von KI-Sprachmodellen übernommen wird. Martens mahnt, man müsse es leichter ermöglichen, dass Patienten ihre Daten für die Forschung spenden. Karl sagt, natürlich habe die KI Risiken, das sei auch jedem klar, der sich damit befasse: „Aber die Büchse der Pandora ist längst geöffnet.“
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