Vortragsreihe an der VHS Heilbronn: Wie KI unsere Arbeitswelt verändern kann
Vertreter der regionalen Wirtschaft sprechen in der Vortragsreihe KI Gespräche bei der VHS Heilbronn über Chancen für Unternehmen.

Künstliche Intelligenz (KI) wird die Wirtschaft und den Arbeitsalltag verändern - das ist kein neuer Fakt und nahezu unbestritten. Wie genau diese Veränderung aber aussieht, welche Chancen und Risiken es gibt und wie Unternehmen in der Region damit umgehen, das ist noch nicht klar.
Vortragsreihe an der VHS Heilbronn: Diese Gäste haben am Montag über KI in der Arbeitswelt diskutiert
Über die Zukunft der KI in der Arbeitswelt haben Jörg Ernstberger von Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken, Michael Unser von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, Ninos Mirza von der IHK Heilbronn-Franken sowie Simon Hiller vom Ferdinand-Steinbeis-Institut am Montagabend in Heilbronn diskutiert.
Erstmal abwarten, was die anderen machen?
Ob man künftig überhaupt noch an KI vorbeikomme, will Moderator Carsten Friese zu Beginn wissen. Nein, da sind sich alle einig. Doch ob die regionalen Unternehmen bereits genug dafür tun und die Chancen von KI ausreichend auf dem Schirm haben, da sind sich die Teilnehmer nicht so sicher. "Das sagen sie einem ja nicht. Wenn man fragt, sagen sie: Natürlich sind wir da dabei", meint Jörg Ernstberger. Viele würden auch erst einmal abwarten, was man beispielsweise bei Audi mache. Michael Unser ist schneller und klarer in seiner Einschätzung, für ihn machen die Firmen bisher ganz klar zu wenig.
KI gegen Fachkräftemangel - warum manche Unternehmen den Fokus noch nicht auf KI legen
Branchenunabhängig ist das Thema Fachkräftemangel auch im Zusammenhang mit KI unumgänglich, denn KI könnte ein Baustein sein, um den Fachkräftemangel zumindest etwas abzufedern. Nach Ansicht von Michael Unser ist KI in der Produktion schon in weiten Teilen angekommen, vieles laufe bereits völlig automatisiert ab. "Da geht nicht mehr viel", meint er. Für Jörg Ernstberger ist hier dagegen vieles noch nicht ausgeschöpft, er sieht KI nicht als Fachkräfteersatz, sondern als "Arbeitskräfteersatz". Das heißt, KI soll einfachere Arbeiten übernehmen, um Mitarbeiter direkt höher qualifizieren zu können, aber: "Nicht jeder hat den Schuss gehört." Doch nicht nur das: Besonders kleine Unternehmen hätten aktuell mit so vielen Herausforderungen zu kämpfen, dass sie teils schlicht keine Zeit hätten, sich mit dem Thema KI intensiv auseinanderzusetzen, merkt Ninos Mirza an.
Schwächelnde Wirtschaft, zu schlechte Rahmenbedingungen: Das muss sich ändern
Damit ist man beim Grundsätzlichen angekommen, der insgesamt schwächelnden Wirtschaft. Die hohen Energiepreise, der lahmende Netzausbau, zu langsames Internet seien ein Problem und gleichzeitig Voraussetzung für mehr Digitalisierung. Eine Strukturreform müsse her, eine Wirtschaftsagenda 2030, die alle wichtigen Themen abdecke, so Ernstberger. "Ich wäre ja schon froh, wenn ich auf dem Weg nach Hause durchgehend telefonieren könnte", fügt Michael Unser an. "Da haben wir erst einmal ganz andere Probleme."
Grundsätzlich sind sich alle vier einig: Man sieht KI als Chance, die man nutzen müsse. Aber die Rahmenbedingungen müssten besser werden und Unternehmen und Mitarbeiter dürften die Entwicklung nicht verschlafen. Doch in Heilbronn habe man mit dem Ipai die besten Voraussetzungen, um vorne mit dabei zu sein.
KI in der Zukunft? "Wir sind schon längst da"
Zum Schluss will Moderator Carsten Friese wissen, ob in 20 Jahren "Roboter überall normal sind"? Ja, sind alle überzeugt, aber "vielleicht bei uns in Deutschland zehn Jahre später als woanders", meint Ernstberger - halb im Scherz, halb besorgt. "Wir sind schon lange da", findet Simon Hiller. Denn unser Smartphone oder die Smartwatch begleiten uns schließlich schon jetzt permanent durch den Alltag.
Die Vortragsreihe
Die Volkshochschule Heilbronn (VHS) beschäftigt sich in der Veranstaltungsreihe "KI-Gespräche" mit dem Einsatz von KI in verschiedenen Lebensbereichen. Schwerpunkt soll der Austausch zwischen regionalen Akteuren sein, beispielsweise aus der Wirtschaft, dem Bildungs- oder Gesundheitswesen.
Der nächste Vortrag findet am Montag, 22. April, um 18.30 Uhr im Deutschhofkeller statt. Es geht um KI an Schulen, konkret um die Frage: "Wie wird Künstliche Intelligenz Lehren und Lernen in der Schule verändern?"
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