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Kampf gegen Schmierereien in Heilbronn ist ein Kampf gegen Windmühlen

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Bei der Eindämmung der Graffitis stößt Heilbronn an Grenzen. Jährlich entstehen der Stadt so Kosten in Höhe von 50.000 bis 60.000 Euro. Auch viele Privatleute sind betroffen.

Auch die Unterführung an der Burenstraße ist seit Wochen verunstaltet.
Auch die Unterführung an der Burenstraße ist seit Wochen verunstaltet.  Foto: Zimmermann, Thomas

ABK, ACAB, MAUSE GANG, und immer wieder ELKE. Die Schriftzüge verschandeln derzeit wieder vermehrt das Heilbronner Stadtbild. Zu den Fällen hinzu kommen sinnloses Gekritzel und mehr oder weniger ästhetische Kunstwerke an zahlreichen öffentlichen Plätzen und privaten Häuserwänden, wie ein Gang durch die Stadt zeigt.

Nicht nur für das Stadtbild ist die Erscheinung, die verharmlosend Graffiti genannt wird, zum Ärgernis und zur teuren Plage geworden. So entstehen dem Heilbronner Stadtsäckel jährliche Kosten von 50.000 bis 60.000 Euro. Auch für Hausbesitzer und Vermieter sind die Schmierereien ein Riesenproblem, das ebenfalls mit erheblichen Kosten für die Beseitigung einhergeht.


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Zahlreiche Fälle in einer Straße

 Foto: Seidel

"Vor ein paar Wochen wurde unsere Hauswand beschmiert", ärgert sich eine Nordstadtbewohnerin, die sich an die Heilbronner Stimme gewandt hat. "Kats Text Elke" lautete der Schriftzug, der ihre Hauswand verschandelte. Sie sei dann mit offenen Augen durch die Straße und die Nachbarstraßen gelaufen - mit erschreckendem Ergebnis. "Allein bei uns in der Straße habe ich zehn betroffene Häuser, Kabel- oder Telefonkästen entdeckt, die mit ähnlichen Graffitis beschmiert waren", schildert die Frau ihre Erfahrungen. Die Schmierereien in ihrem Umfeld hat sie dokumentiert und die 16 Bilder an die Redaktion geschickt.

Geringe Aufklärungsquote

"Eine Zunahme an Graffitis beobachten wir nicht, wobei es schon immer aber auch Schwankungen gibt", sagt die Pressesprecherin der Stadt, Suse Bucher-Pinell, auf Anfrage. Die Polizei stellt derzeit eine eher gleichbleibend hohe Zahl der Schmierereien fest. Die Aufklärungsquote ist bei solchen Delikten generell gering. "2022 sind die Fallzahlen im Vergleich zu 2021 gestiegen. Die Aufklärungsquote ist gesunken", sagt Polizeisprecher Daniel Fessler. Die Zahlen sind vorläufig, weil der Sicherheitsbericht des Landes für 2022 noch nicht veröffentlicht ist.

 


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Auffällig ist aber, dass die Stadt derzeit kaum noch hinterherkommt, die Schmierereien zeitnah zu beseitigen. So ist die Bahn-Unterführung an der Burenstraße seit Monaten nicht mehr gereinigt worden. Auch an vielen öffentlichen Plätzen und Privathäusern an markanten Stellen der Stadt fallen die Graffitis ins Auge. In den Vorjahren war das anders.

Personelle Engpässe

Es sei nach wie vor Ziel der Stadt, Graffitis an städtischen Gebäuden zeitnah zu entfernen, versichert die Verwaltung. "Je schneller wir Graffitis entfernen, desto weniger motivierend ist es zu sprayen", unterstreicht Johannes Straub, Leiter des städtischen Gebäudemanagement. Es spielten jedoch auch personelle Ressourcen eine Rolle, so die Stadt. Obszöne, rassistische oder politische Schmierereien werden in jedem Fall zeitnah entfernt", versichert Bucher-Pinell.

Tatortreiniger als Alternative

Zum städtischen Bauhof gibt es inzwischen eine Alternative. So wurden vor fünf Jahren vom Haus des Jugendrechts in Heilbronn Zusammenarbeit mit dem Verein Seehaus in Leonberg das Projekt Tatortreiniger ins Leben gerufen. Das Haus des Jugendrechts ist eine Kooperation von Polizei, Staatsanwaltschaft, Amtsgericht und Jugendamt mit dem Ziel Jugendkriminalität schnell zu bearbeiten oder zu verhindern. "Im Projekt haben wir Jugendliche, die ihre Sozialstunden ableisten, indem sie Graffiti-Schmierereien entfernen", erläutert Michael Dzillak, Leiter Haus des Jugendrechts.

"Das ist für uns ein guter Weg, um den Geschädigten zu helfen", ergänzt Polizeihauptkommissar Marius Müller, bei dem die Fälle zusammenlaufen. Dass auch mit solchen unkonventionellen Angeboten keine Trendwende eingeleitet werden kann, weiß auch Müller. "Es ist nur sehr schwer, an die Leute ranzukommen und die Szene zum Umdenken zu bewegen", so der 39-Jährige. In Einzelfällen gelinge das aber durchaus.

Für die Frau in der Nordstadt, die die Schmiererei an ihrem Wohnhaus angezeigt hat, kam der Hinweis auf die Tatortreiniger allerdings zu spät. Sie hatte bereits einen Maler beauftragt, den hässlichen Schriftzug zu entfernen. Die Kosten: 400 Euro.

 

Graffiti

Bedeutung der Schriftzüge

Hinter vielen Schriftzügen, die als Graffitis durch die Stadt geistern, stecken häufig auch handfeste Botschaften. So wird die auch in Heilbronn häufig auftretende politische Botschaft ACAB mit "All Cops Are Bastards" übersetzt − ein beliebter Code von Linksextremisten. Deutlich harmloser ist die Abkürzung ABK hinter der "Alt Böckinger Kanaken" steckt. Für die Schriftzüge Elke oder Esel gibt es dagegen bisher keine eindeutige Erklärung. 

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