Neuerkrankungen verfünffacht – Todesfälle durch Hautkrebs steigen
Hauterkrankungen waren das Thema bei der Heilbronner Abendvorlesung mit SLK-Klinikdirektor Harald Löffler. Es ist eine Thematik, die weiter an Brisanz zunehmen wird.

Die Häufigkeit von Hautkrebs nimmt seit einigen Jahrzehnten stetig zu. Laut Deutscher Krebsgesellschaft hat sich die Zahl der Neuerkrankungen an schwarzem Hautkrebs hierzulande zwischen 1970 und 2015 verfünffacht. Ein deutlicher Anstieg der Fälle wird seit 2008 beobachtet. Das liegt unter anderem daran, dass in diesem Jahr das Hautkrebsscreening eingeführt wurde.
Auch die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs ist laut Statistischem Bundesamt gestiegen – binnen 20 Jahren um 55 Prozent. Während 2021 etwa 4100 Menschen daran starben, waren es 2001 lediglich 2600 solcher Todesfälle. Die Sterberate wegen Krebserkrankungen insgesamt erhöhten sich im selben Zeitraum demnach nur um zehn Prozent.
Abendvorlesung mit SLK-Klinikdirektor Harald Löffler: Klimawandel wird Probleme mit Hauterkrankungen verschärfen
Das Thema wird weiter an Brisanz gewinnen – und das liegt am menschgemachten Klimawandel, wie Dermatologe Professor Harald Löffler, SLK-Klinikdirektor und erster Referent der Abendvorlesung "Medizin hautnah" in diesem Semester, erklärte. Denn der Anstieg der Hautkrebsfälle ist eng mit den längeren Aufenthalten in der Sonne verknüpft. "Haben Sie schon einmal 28 Grad Ende Oktober erlebt?", fragte er angesichts der hochsommerlichen Temperaturen im Herbst in die Runde.
Zur Erklärung der Prozesse im Körper wählte er das Bild einer Regentonne: Die im Laufe des Lebens angesammelte UV-Strahlung wirkt auf die Haut – irgendwann ist es zu viel, die Haut trägt Schäden davon, das Fass läuft also über, Hautkrebs entsteht. Zu unterscheiden ist zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs. Vor allem Menschen, die regelmäßiger UV-Strahlung ausgesetzt sind, wie Dachdecker, Straßen-Bauarbeiter, auch Golfer, haben durch die Exposition ein erhöhtes Risiko für weißen Hautkrebs.
Schwarzer Hautkrebs ist dagegen assoziiert mit "Schock-Besonnung", wie Löffler das nennt. Der Klassiker: Menschen, die Sonne nicht gewöhnt sind, setzen sich im Urlaub zu lange ungeschützt der Strahlung aus und bekommen einen Sonnenbrand. Für die Haut sei das wie ein Schock, erklärt er. Sie reagiere mit einer Entzündung bei dem Versuch, sich gegen den Schaden zu wehren und ihn zu reparieren.
Abendvorlesung in Heilbronn: Unterscheidung zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs
Während weißer Hautkrebs nicht streut und deshalb in der Regel auch nicht tödlich ist, ist bei schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, eine schnelle operative Entfernung notwendig. "Der Tumor wird rausoperiert", danach könne unter Umständen Bestrahlung notwendig sein oder eine Immuntherapie. Diese habe eine "Revolution" gebracht, erklärt Löffler im Gespräch mit Stimme-Moderator Thomas Zimmermann.
"Als ich Assistenzarzt war, lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach schwarzem Hautkrebs bei drei Prozent, heute liegt sie bei 60 Prozent", macht er den Zuhörern Mut. Enorm wichtig sei das zeitige Erkennen einer Entartung, durch Selbstuntersuchung und die Inanspruchnahme regelmäßiger Vorsorge-Checks beim Arzt. Denn: "Es gelingt, einen Großteil der Patienten zu heilen, wenn sie rechtzeitig kommen."
Tipps vom SLK-Klinikdirektor: Kinder schützen, indem man selbst ein gutes Vorbild ist
Eindringlich fiel Löfflers Appell in Sachen Kinder- und Jugendschutz aus. Er verstehe, dass junge Menschen sich wenig für das Thema interessierten, so der mehrfache Vater. "Wenn ich Kind und Jugendlicher bin, kann ich nur durchs Leben gehen, indem ich mich unverwundbar fühle." Deshalb sei es Aufgabe der Erwachsenen, den klugen Umgang mit Sonne vorzuleben. "UV-Schutz muss zur Selbstverständlichkeit werden." Es gehe darum, "die UV-Belastung von Anfang an gering zu halten", damit in späterem Alter möglichst wenig Schäden auftreten. Der positive Nebeneffekt: Die Haut altert langsamer, wenn sie regelmäßig gut geschützt wird.
Welchen gravierenden Unterschied das macht, zeigte Löffler am Foto eines Lkw-Fahrers: Die Haut der linken Gesichtshälfte des Mannes erscheint mindestens um zehn Jahre älter als die Haut rechts. "In der Seitenscheibe ist in der Regel kein UV-Filter", so Löffler. Das deutlich sichtbare Resultat ließ ein Raunen durchs Publikum gehen. Noch einen weiteren Rat hatte Löffler mitgebracht: Auch wer auf Rauchen verzichtet, tut seiner Haut Gutes. Denn Rauchen führt ebenfalls zu vorzeitiger Hautalterung.
Nächste Abendvorlesung: In der zweiten Abendvorlesung des Semesters am Dienstag, 14. November, geht es unter der Pyramide der Kreissparkasse um Nieren- und Harnleitersteine. Referent des Abends ist SLK-Chefarzt Gencay Hatiboglu. Die Reihe ist eine Kooperation zwischen SLK-Kliniken, Kreissparkasse und Heilbronner Stimme.

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