Vom Flüchtlingsheim zum eigenen Friseursalon
2015 flüchtete Milad Fathi aus Glaubensgründen aus dem Iran. Er kam nach Deutschland, um seinen Traumberuf auszuüben. Der Weg war nicht immer leicht.

Milad Fathi gehört zu den Menschen, in deren Gegenwart man sich sofort wohlfühlt. Seine Einladung in den Salon ist herzlich, er bietet Kaffee an, nimmt seinen Gästen die Jacke ab. Seine positive Ausstrahlung lässt nicht vermuten, wie schwer er es bei seiner Ankunft in Deutschland hatte.
2015 flüchtete Fathi aus Glaubensgründen aus dem Iran. "Ich bin vom Islam zum Christentum konvertiert. Das war dort nicht akzeptiert." Zunächst macht er eine Art freiwilliges soziales Jahr in der Türkei, schneidet erst Obdachlosen die Haare und kümmert sich dann um Straßenhunde. In der Türkei lernt Fathi Deutsche kennen, die ihm empfehlen, nach Deutschland zu kommen, um seinen Traumberuf auszuüben. Er folgt dem Rat. Seine Ausbildung zum Friseur, die er in seiner Heimat absolviert hat, wird hier aber nicht anerkannt. Er beginnt erneut eine Friseurausbildung.
Am Anfang lebt Fathi noch im Flüchtlingsheim. Dort will er so schnell wie möglich raus. Er findet ein Zimmer, das jedoch 300 Euro seines Azubi-Gehalts von 350 Euro schluckt. Er hält sich mit Putzen im Ausbildungsbetrieb und Trinkgeld über Wasser. "Die Ausbildungszeit war die schwerste Zeit meines Lebens", erinnert sich Fathi.
In der Corona-Krise den Schritt zur Eröffnung des Salons gewagt
Nach seinem ersten Ausbildungsjahr in Bretzfeld zieht er nach Heilbronn. "Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Hier habe ich tolle Leute kennengelernt, konnte eine sehr gute Ausbildung genießen und zahlreiche Weiterbildungen besuchen", schwärmt Fathi. Nach seiner Ausbildung macht er 2020 seinen Meister in einer Friseur-Akademie in Ulm. Ursprünglich will er direkt danach seinen eigenen Salon eröffnen. Doch der zweite Corona-Lockdown kommt dazwischen.
Knapp ein Jahr später wagt er dann den Schritt. "Im Oktober 2021 wurde alles gelockert, man durfte ohne Test zum Friseur gehen. Da dachte ich, dass alles wieder normal wird." Noch am selben Tag, an dem er beschließt, sich selbstständig zu machen, läuft er zufällig an dem Laden vorbei, der heute sein Friseur-Salon ist. "Das war für mich Schicksal", sagt Fathi. Er nimmt einen Kredit auf und renoviert den Salon in der Sontheimer Straße innerhalb von vier Wochen.
Heute genießt der 29-Jährige jeden Arbeitstag: "Jeden Tag lerne ich neue Menschen kennen. Jeden Tag gibt es neue Aufgaben zu meistern. Mich begeistert der Umgang mit der Kundschaft."
Noch in diesem Jahr möchte Fathi einen Auszubildenden einstellen. Aktuell führt Fathi, der ledig ist, den Laden mit einem Partner und arbeitet darauf hin, sein Team zu vergrößern. Auch wenn ihm zu Beginn viele Leute von dem Beruf abgeraten haben, hat sich Fathi nicht von seinem Ziel abhalten lassen. "Ich will der Welt zeigen: Wenn man gut in seinem Handwerk ist und mit Liebe arbeitet, kann man sich sein Leben gut leisten."



Stimme.de
Kommentare