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Prozess am Landgericht
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Raubüberfall in Heilbronner Kirche: „Ein Wunder, dass meine Mutter überlebt hat“

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Ein 41-jähriger Mann steht vor Gericht, weil er eine Seniorin in einer Heilbronner Kirche brutal niedergeschlagen und ausgeraubt haben soll. Jetzt erzählt ihre Tochter im Zeugenstand, wie sehr sich das Leben der Seniorin verändert hat.


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Die Tochter muss sich immer wieder sammeln und sich die eine oder andere Träne aus dem Gesicht tupfen, als sie vor der 2. Großen Strafkammer des Heilbronner Landgerichts von dem Angriff auf ihre Mutter berichtet. Die 90-jährige Dame wurde bei einem mutmaßlichen Raubüberfall im Heilbronner Deutschordensmünster im vergangenen Jahr brutal niedergeschlagen.

Tochter der 90-Jährigen spricht über Angriff im Heilbronner Deutschordensmünster

„Es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat“, sagt die 65-Jährige im Zeugenstand, die ihre Mutter nach dem Angriff wochenlang bei sich in Karlsruhe pflegte. Ihre Verletzungen seien schwer gewesen: Das Gesicht blau geschlagen, Rippen angebrochen, Blutergüsse und Hämatome am ganzen Körper. Eine große Platzwunde am Kopf habe eine Narbe hinterlassen, die bis heute sichtbar sei.

Laut Gericht soll der mutmaßliche Täter – gebürtig aus Backnang – die Seniorin zunächst beleidigt, dann zu Boden gestoßen und auf sie eingetreten haben. Anschließend soll er ihr die Handtasche entrissen haben und geflüchtet sein.

Der Angeklagte im Gespräch mit seinem Strafverteidiger.
Der Angeklagte im Gespräch mit seinem Strafverteidiger.  Foto: Berger, Mario

Gestohlene Handtasche in Mülleimer bei Heilbronner Nikolaikirche gefunden

Die Tasche wurde samt Inhalt in einem Mülleimer nahe der Nikolaikirche gefunden, wie sowohl ein Polizist als auch ein Arbeiter aussagten, der sie während seiner Spätschicht entdeckt hatte.

Der 41-Jährige sei nach der Tat vor einer Bäckerei in der Nähe des Tatorts angetroffen worden. Ein Polizist hatte dies bereits am vorangegangenen Prozesstag als unübliches Verhalten bewertet – normalerweise würden Täter flüchten.

Prozess in Heilbronn: Warum der mutmaßliche Täter in die Psychiatrie kommen könnte

Da der Mann zur Tatzeit möglicherweise akut psychotisch war und somit in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt sein könnte, steht eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum. Derzeit ist der Angeklagte im Maßregelvollzug des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg untergebracht. In der Vergangenheit habe er immer wieder unter manischen Phasen gelitten, die meist in der Psychiatrie endeten, erzählte der angeklagte Mann zuletzt vor Gericht.

In den Gerichtssaal wird der 41-Jährige meist mit Hand- und Fußfesseln sowie einem Sicherungsgurt um die Taille geführt. Wie schon bei der vergangenen Sitzung bat er die meisten Zeugen nach deren Aussagen um Entschuldigung für seine „grässliche Tat“ und sein Verhalten danach – so auch am Mittwoch die Tochter der angegriffenen Frau sowie den Mesner, der ebenfalls als Zeuge aussagte. Dieser hatte den mutmaßlichen Raubüberfall mitbekommen und war zuvor selbst vom Angeklagten in der Kirche beleidigt sowie nach Geld beziehungsweise Gold gefragt worden. Zudem leistete er Erste Hilfe bei der verletzten Frau.

Mit Faust ins Gesicht geschlagen: Tochter schildert Angriff auf ihre Mutter in Heilbronn

Die Tochter schilderte dem Vorsitzenden Richter Alexander Lobmüller, dass ihre Mutter den Angeklagten bereits vor der Tat in der Kirche als auffällig wahrgenommen habe, als sei er nicht bei allen Sinnen gewesen: Er sei laut gewesen und habe mit den Füßen gegen eine Tür getreten. Sie habe ihn darauf angesprochen, dass ein solches Verhalten in einem Gotteshaus respektlos sei und sei darauf in Richtung Ausgang gelaufen.

Der Mann sei ihr gefolgt, habe ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und an ihrer Tasche gezerrt. Sie sei zu Boden gestürzt, woraufhin er auf sie eingetreten haben soll. 

90-jährige Dame nimmt Entschuldigung an und lässt Botschaft ausrichten

Seit dem Überfall habe sich das Leben der Seniorin stark verändert. Unbefangen in der Kirche zu beten, sei für sie nicht mehr möglich. Zwar habe sie die Attacke mental den Umständen entsprechend verkraftet, doch körperlich sei sie nicht mehr so fit wie zuvor, berichtete die Tochter. Sobald es draußen dämmert, traue sie sich nicht mehr aus dem Haus. Die Kirche besuche sie nur noch zu Zeiten, in denen später Gottesdienste stattfinden, um nicht allein zu sein.

Dem Täter wolle sie nie wieder begegnen, doch seinen Brief habe sie gelesen und seine Entschuldigung akzeptiert. „Sie verzeiht Ihnen“, sagte die Tochter in Richtung des Angeklagten, der daraufhin mit den Tränen kämpfte. „Aber sie bittet Sie, niemals wieder die Faust gegen irgendjemanden zu erheben.“ Im Anschluss an ihre Zeugenaussage reichte sie dem Mann die Hand.




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