„Ich schäme mich zutiefst“ – Angeklagter spricht über Kirchen-Attacke in Heilbronn
Nach einem brutalen Angriff auf eine 90-Jährige in einer Kirche steht der mutmaßliche Täter in Heilbronn vor Gericht. Er spricht über Drogen, Manien – und seinen Wunsch nach Therapie.
„Ich schäme mich zutiefst für das, was ich angerichtet habe.“ Mit diesen Worten trat der Mann vor Gericht, der im vergangenen Jahr eine 90-jährige Frau im Heilbronner Deutschordensmünster brutal niedergeschlagen und ausgeraubt haben soll. Der Mann soll die Seniorin zunächst beleidigt, dann zu Boden gestoßen und auf sie eingetreten haben. Anschließend entriss er ihr die Handtasche und flüchtete.
Die Frau erlitt schwere Verletzungen: eine Gehirnerschütterung, eine stark blutende Platzwunde am Kopf, zahlreiche Hämatome und eine Rippenserienfraktur.
Prozess um Raubüberfall in Heilbronner Kirche – Drogenkonsum und manische Phasen
Da der 41-Jährige, der gebürtig aus Backnang ist, zur Tatzeit möglicherweise akut psychotisch war und damit zumindest vermindert schuldfähig gehandelt haben könnte, steht eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum, informierte Stephanie Morgenstern, Pressesprecherin des Landgerichts Heilbronn, vorab. Derzeit ist der Angeklagte im Maßregelvollzug des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg untergebracht.
Vor dem Landgericht Heilbronn zeigte er sich einsichtig und reflektiert, sprach über seine Vergangenheit, die von Drogenkonsum, Depressionen und manischen Phasen geprägt war. Bei jeder manischen Episode sei er in der Psychiatrie gelandet, habe sich verwirrt gefühlt und sei im Alltag, etwa im Umgang mit Kollegen oder der Familie, negativ aufgefallen.
Tatverdächtiger hat Angriff in Heilbronner Kirche teilweise gefilmt
An den Angriff in der Kirche könne er sich nicht erinnern. Vor der Tat habe er tagelang kaum geschlafen oder gegessen, habe regelrechten Raubbau an seinem Körper betrieben. Kurz zuvor sei ihm sein Job gekündigt worden.

Vor Gericht wurde ein Video von seinem Handy abgespielt, das die Minuten vor sowie einen Teil der Tat zeigt. Darauf ist zu sehen, wie der Mann die Kirche betritt, laut aus Schriften vorliest und mit dem Mesner spricht. Plötzlich schlägt seine Stimmung um: Er beginnt, den Kirchendiener nach Gold zu fragen, wird laut und aufgebracht. Der Mesner zieht sich daraufhin in die Sakristei zurück, um die Polizei zu verständigen.
Angeklagter in Heilbronn: „Ich bin kein schlechter Mensch und will keiner sein“
Dann zeigt das Video, wie der 41-jährige Mann auf eine Frau mit einem Rollator zugeht, die gerade die Kirche verlassen will. Als sie den Vorraum erreicht, wird die Aufnahme wackelig – Schreie sind zu hören, dann ein kurzer, unscharfer Moment, in dem die Seniorin blutend am Boden liegt.
„Heftige Szenen“, kommentierte der Angeklagte sichtlich betroffen. Vor Gericht entschuldigte er sich persönlich bei dem Mesner, den Polizeibeamten und einer JVA-Beamtin, die als Zeugen aussagten. Die Beamtin schilderte, dass sich der Mann in Untersuchungshaft vermutlich in einem psychischen Ausnahmezustand befand. Er habe dort ausführlich und detailliert beschrieben, wie er die Seniorin niederschlug. Dies soll bei den anderen Insassen auf Unverständnis gestoßen sein, sodass sie begannen, ihm zu drohen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Angeklagte daraufhin in Einzelhaft verlegt.
„Ich bin kein schlechter Mensch und will keiner sein“, betonte er. Für die Zukunft wolle er eine Therapie machen – gegen Trauma, Sucht und sein Verhalten.
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