Eine Mühle am heutigen Standort auf Sontheimer Gemarkung hat es offenbar schon im Mittelalter gegeben. 1774 übernimmt die Familie Rahmer die in die Jahre gekommene Mühle und baut sie aus. Auch mit der beginnenden Industrialisierung entwickelte sich die Mühle weiter. Doch eine Woche vor Kriegsende, brennen die Gebäude im Bombenhagel aus. Emil Rahmer baute die Mühle schließlich mit seiner Familie und Freunden am Standort wieder auf.
Rahmer Mühle soll verkauft werden: Von Heilbronner Bürokratie ausgebremst?
Die Rahmer-Mühle, ältester Gewerbebetrieb der Stadt, wird zwischen Auflagen und Amtswegen zerrieben. Die Stadt Heilbronn lässt eine Nachnutzung nicht zu. Nun könnte der Traditionsbetrieb verkauft werden.
Ein Kapitel Heilbronner Wirtschaftsgeschichte neigt sich dem Ende zu. Dieter Rahmer will seine Mühle in Sontheim, die seit 1774 im Besitz der Familie ist, jetzt verkaufen. Der Betrieb war in den vergangenen Jahren immer mehr in Schwierigkeiten geraten, weil sich die Rahmenbedingungen für die Produktion von Weizenmehl und Vogelfutter verschlechtert hatten. So durfte die Traditionsmühle seit dem 30. September 2021 aus Lärmschutzgründen nur noch von 6 bis 22 Uhr produzieren. In den Nachtstunden standen die Mühlräder dagegen still.
Rahmer Mühle: Stadt Heilbronn hatte Erweiterung abgelehnt
Damit musste die Mühle auch die Produktion von hochwertigen Weizenmehlen herunterfahren und schließlich ganz einstellen. Die dringend benötigte Erweiterung der Gebäude um eine Mehl- und Getreidehalle hatte die Stadt Heilbronn schon Jahre zuvor abgelehnt, weil Teile des Neubaus in ein angrenzendes Schutzgebiet hineinreichen würden. Auch einem Geländetausch stimmte die Verwaltung nicht zu.

Damit blieb dem Familienbetrieb die Konzentration auf die Vogelfutterproduktion, die Dieter Rahmer zeitweise in großem Stil betrieb. Doch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich, auch weil sich der Markt veränderte. „Die Stadt lässt mich am langen Arm verhungern. Es gab ständig neue Auflagen und Schikanen“, erhebt Dieter Rahmer Vorwürfe gegen die Verwaltung. Auch jetzt, in der heißen Verkaufsphase für das 11.000 Quadratmeter große Mühlengelände, sei die Stadt in keiner Weise kooperationsbereit, so der 76-Jährige.
Mehrere Interessenten für das Gelände der Rahmer Mühle in Heilbronn-Sontheim
Es gäbe durchaus einige Interessenten, aber dazu müsste das Gelände einer neuen Nutzung zugeführt werden, erläutert Rahmer. „Konkret würden Baufirmen das weitläufige Gelände übernehmen, und auch für den Wohnungsbau wäre die Rahmermühle ein spannendes Gebiet“, betont Friedhelm Wagner. „Doch die Stadt lehnt bisher alle Vorschläge ab“, ärgert sich der Projektmanager der Immobilienfirma Josef Christof, der die Vermarktung übernommen hat.
Begründet wird diese Ablehnung von der Stadtverwaltung mit mehreren Punkten. „Das Mühlenareal liegt im Einwirkungsbereich von mehreren Schutz- und Gefahrengebieten“, schreibt Christoph Rundel. Dazu zählten das Landschaftsschutzgebiet „Schozach-Weidach-Wertwiesen“, das das Areal zur Süd- und Westseite begrenzt. Ein Teilbereich der Fläche sei zudem von hundertjährigem Hochwasser bedroht, so der Heilbronner Abteilungsleiter Stadtplanung. Zudem liege die Mühle in einer Kaltluftleitbahn des Schozachtals.
Dieter Rahmer: Sämtliche angebotenen Nutzungen wurden verhindert
„Auch ein Wohnnutzung wird an dieser Stelle als falsch verortet angesehen“, betont Rundel. „Die Mühle könnte grundsätzlich weiterbetrieben werden, sofern die Auflagen eingehalten werden“, so der Stadtplaner. Geht es nach der Stadt, könnte Dieter Rahmer künftig auch einen Mühlenladen oder ein Mühlencafé betreiben.
Für Dieter Rahmer ist das ein Unding. „Das kann man doch nicht machen, dass man sämtliche angebotenen Nutzungen verhindern will“, ärgert sich der Mühlenbesitzer. Man habe daraufhin Bebauungsplanänderungen vorgeschlagen, so dass wir rund 90 Wohnungen bauen könnten. Die würden in Heilbronn doch dringend gebraucht, ergänzt Friedhelm Wagner. „Daraufhin hieß es aus dem Stadtplanungsamt: Dafür haben wir keine Kapazitäten frei“, ärgert sich Wagner.
Zukunft der Heilbronner Rahmer-Mühle bleibt offen
Wie es mit der Rahmermühle weitergehen soll, ist daher derzeit völlig offen. „Die Stadtverwaltung hat Eigentümer und Bauinteressenten im April umfassend über die planungsrechtliche Situation und die möglichen Nutzungen informiert“, unterstreicht Christoph Rundel.
Für Mühlenbesitzer Dieter Rahmer bedeutet das, dass er zunächst weiterhin mit seinen 20 Mitarbeitern Vogelfutter produziert und vertreibt. Er hofft nun darauf, dass er zumindest die leer stehenden Nebengebäude verpachten kann.
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Stimme.de
Kommentare
Lutz Pahlke am 27.11.2025 14:13 Uhr
Das ist typisch für diese Stadt! Die Verwaltung scheint völlig überfordert eine Lösung zu finden, lieber lässt man ein Unternehmen, zahlt ja auch Gewerbe- und sonstige Steuern, "vor die Hunde gehen". Weiter so!!!
Nur mit dem Titel "Universitätsstadt" kann man nicht überleben, es gibt auch noch Hersteller oder Produzenten die für eine Kommune wichtig sind.
Auch Anwohner, und das gilt nicht nur in diesem Fall, sollten sich überlegen was sie mit ihren Beschwerden erreichen.
Der Stadt kann ich nur raten, in letzter Sekunde noch tätig zu werden!
Wolfgang Ernst am 27.11.2025 14:09 Uhr
So kann man die letzten Familienbetriebe kaputt machen, die Verantwortlichen der Stadt sollten sich schämen.
Veronica Härdtner am 27.11.2025 06:59 Uhr
Wenn man bedenkt was die Mühle an Kriegen durchgemacht und überlebt hat. Sie stirbt durch unsere heutige Politik und eine kurzsichtige Stadtverwaltung. Traurig.
Oskar Munk am 27.11.2025 06:28 Uhr
Will sich Heilbronn mit Gewalt ins aus schießen