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Ungewisse Zukunft für Rahmer Mühle in Heilbronn: Seit 250 Jahren in Familienbesitz

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Die Rahmer Mühle in Heilbronn-Sontheim ist seit 250 Jahren in Familienbesitz – und noch sehr viel älter. Doch die Tradition könnte bald enden. Für den Besitzer keine einfache Situation.


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Die Rahmer Mühle in Sontheim ist seit genau 250 Jahren im Besitz der Familie Rahmer. 1774 hatten die Vorfahren der heutigen Eigentümer die damals baufällige Mühle an der Schozach übernommen und im Laufe der Jahrhunderte Schritt für Schritt ausgebaut. Gebaut worden war die Mühle 1571, und die noch erhaltenen Reste aus jener Zeit, die denkmalgeschützten Wappensteine mit dem Mühlkanal, gelten als Kulturdenkmal.

Heute steht die Mühle vor einer Zäsur. "Ich suche einen Nachfolger, einen Geschäftsführer, der die Mühle in die Zukunft führt", sagte Müllermeister Dieter Rahmer und verweist auf seine 74 Jahre und seinen angeschlagenen Gesundheitszustand. Ein weiterer Grund ist, dass die Banken ein Fortführungsprogramm fordern.

Das Wappen der Familie Rahmer datiert aus dem Jahr 1774. Es hängt noch heute am Giebel des Mühlengebäudes.
Das Wappen der Familie Rahmer datiert aus dem Jahr 1774. Es hängt noch heute am Giebel des Mühlengebäudes.  Foto: Berger, Mario

Ungewisse Zukunft für Heilbronner Mühlenbetrieb – Sohn Timo Rahmer hat andere Pläne

Dabei sollte alles anders laufen. Als Sohn Timo 2011 in den elterlichen Betrieb einstig, war klar: Der Müllermeister und Betriebswirt wird das Unternehmen einmal übernehmen. Doch Timo Rahmer überlegt es sich anders. Er gibt  die Aufgabe als Mitgeschäftsführer ab, hält aber noch Anteile und arbeitet nunmehr als Angestellter unter anderem in der Disposition in der Firma, in der aktuell 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. 

Für Dieter Rahmer keine einfache Situation, ist ihm die Mühle, in denen die Arbeit und der Schweiß vieler  Generationen liegt, doch ans Herz gewachsen.

Im Gespräch erinnert er an die Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts, blickt auf die Kriegsjahre zurück, als 1940 Vater Emil Rahmer eingezogen wurde und nur mit einem Bein zurückkehrte, und schildert aus Erzählungen die Bombardierung der Mühle 1945 durch die Amerikaner: "Das Anwesen brannte bis auf die Grundmauern nieder."

Wintervogelfutter als zweites Standbein für Rahmer Mühle in Heilbronn

Es folgt der Wiederaufbau. Mitte 1980 übernimmt Dieter Rahmer die Leitung. Er begleitet den Bau der Neckartalstraße und der damit verbundenen Verlegung der Schozach. 1987 stellt er die Mühle auf ein zweites Standbein: Neben der Mehlproduktion setzt Rahmer auf die Herstellung von Wintervogelfutter.

In den 1990er Jahren investiert er in Sonnenblumenfelder, die er in Ungarn und Russland pachtet. Er will bei der Vogelfutterproduktion unabhängig sein. In Spitzenzeiten arbeiten in den beiden Ländern mehr als 150 Feldarbeiter für ihn. Rahmer erhält den Innovationspreis der ungarischen Regierung. Heute ist diese Epoche Vergangenheit.

Lärmschutzauflagen: Rahmer kooperiert mit Frießinger Mühle aus Bad Wimpfen

Aus Gründen von Lärmschutzauflagen kooperiert Rahmer seit 2021 mit der Frießinger Mühle, in der sein Mehl gemahlen wird. Seitdem wird in Sontheim nur noch Wintervogelfutter mit dem Schwerpunkt Meisenringe und Meisenknödel produziert.

Bis zu zehn Millionen Meisenringe verlassen pro Jahr die Hallen. Beliefert werden europaweit rund 15 Firmen. "Das Geschäft boomt", freut sich Dieter Rahmer und betont: "Wir gehören zu den drei größten Wintervogelfutter-Herstellern in Deutschland." Ungebrochen floriert auch der Ladenverkauf mit Mühlenprodukten.

Und für dieses Umfeld sucht er jetzt einen Geschäftsführer. "Der Neue muss nicht vom Fach sein, aber er sollte Interesse für das Geschäft und Ahnung von Maschinen haben", beschreibt Rahmer sein Anforderungsprofil. Unterstützung und Einarbeitung seien selbstverständlich. Und wenn niemand den Anforderungen entspricht: "Dann stehe ich, so schwer es mir auch fallen würde, einem Verkauf aufgeschlossen gegenüber", blickt Rahmer in die derzeit ungewisse Zukunft.




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