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Heilbronn

Prozess wegen versuchten Mordes in Tamm: Mietauto führt zu mutmaßlichen Tätern

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Im Heilbronner Prozess wegen eines mutmaßlich versuchten Auftragsmordes in Tamm haben am Freitag weitere Zeugen ausgesagt. Ein in Aachen gemietetes Auto könnte den Angeklagten zum Verhängnis werden.


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Ein in Aachen gemietetes Fahrzeug könnte zwei Niederländern zum Verhängnis werden. Sie müssen sich seit Mitte April vor der ersten Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts verantworten.

Erste Staatsanwältin Sara Oeß wirft den Angeklagten G. und B. vor, von Holland nach Tamm gefahren zu sein, um im Auftrag einen Mitarbeiter einer Stuttgarter Security-Firma zu erschießen. Der Geschädigte überlebte den Anschlag. Ihm musste allerdings der linke Unterschenkel amputiert werden.

Prozess in Heilbronn: Zeugen schildern Schüsse und Flucht beim mutmaßlichen Auftragsmord in Tamm

Schüsse aus einer Pistole in einer Wohnstraße in Tamm. Eine verdächtige Person, die sich eine eine Weile lang bei einem Altkleidercontainer aufgehalten hatte. Dazu ein schwarzer VW Polo, der zu schnell fuhr und dabei gefährliche Überholmanöver in der rund 12.000 Einwohner zählenden Kleinstadt riskierte.

Am zweiten Prozesstag sagten am Freitag weitere Zeugen aus.

Im Wohngebiet fallen auf offener Straße mehrere Schüsse

Es ist der 12. Mai 2025 kurz nach 19 Uhr. In einem Wohngebiet in Tamm fallen auf offener Straße mehrere Schüsse. Zeugen berichten, wie sie einen Mann gesehen haben, der um sein Leben rennt. Ein anderer sei ihm gefolgt und habe mit einer Pistole auf den Flüchtenden geschossen.

Vor dem Heilbronner Landgericht müssen sich seit Mitte April zwei Männer aus den Niederlanden wegen gemeinsamen versuchten Mordes verantworten.
Vor dem Heilbronner Landgericht müssen sich seit Mitte April zwei Männer aus den Niederlanden wegen gemeinsamen versuchten Mordes verantworten.  Foto: Ralf Seidel

Einen dunklen Hoody soll der Täter getragen haben. Als der Geschädigte mit seinem Hund spazieren war, sei der Schütze plötzlich aufgetaucht. Eine Zeugin hatte die beiden rennenden Männer aus ihrem Fenster heraus gesehen. Zuvor war ihr der Verfolger aufgefallen, als er sich über einen längeren Zeitraum an einem Altkleidercontainer aufhielt.

Wegen der Schüsse habe sie Angst gehabt. Schließlich sei sie aber nach einer Weile auf die Straße gegangen. „Ich ging hinaus, um zu helfen, falls jemand in Not sein sollte“, sagte die Zeugin. Wenig später sah sie mehrere Menschen, die in einer Hofeinfahrt gegenüber einer Kindertagesstätte um eine liegende Person herum standen. Rettungskräfte seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingetroffen. „Erste Hilfe wurde aber schon geleistet.“

Zeugen kommt Auto mit Euskirchener Kennzeichen verdächtig vor

Andere Zeugen berichteten von einem dunklen Fahrzeug, das auffällig schnell und riskant durch die Stadt Richtung Autobahnauffahrt fuhr. „Es kam nicht aus Ludwigsburg“, sagten mehrere Zeugen. Es trug ein Euskirchener Kennzeichen.

Die Polizei fand schnell heraus, dass es sich um das Fahrzeug eines Aachener Autoverleihers handelt. Dort hatten die Angeklagten das Fahrzeug am 11. Mai gemietet. Auf mehreren Videoaufnahmen des Autoverleihers sind die beiden Angeklagten eindeutig zu erkennen. Zu hören sei darauf auch ein Telefonat des Angeklagten G.. Dabei soll er gesagt haben: „Ich habe ein Auto. Ich werde es erledigen.“

Noch am selben Abend soll G. versucht haben, den Geschädigten in Tamm auf offener Straße zu erschießen. Wegen einer Ladehemmung sei der Versuch gescheitert, so die Staatsanwältin. Laut Sara Oeß sollte B. an diesem Abend den Fluchtwagen steuern. Nach dem Scheitern ist er aber wieder zurückgefahren. Das ergibt sich laut einem Polizeibeamten aus der Funkzellenauswertung des Handys sowie einer erneuten Videoaufzeichnung des Aachener Autoverleihers. „Er kann zur Tatzeit am 12. Mai nicht am Tatort gewesen sein“, so der Polizist.

Angeklagter wird mehrfach wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt

So hat G. das gemietete Fahrzeug offensichtlich alleine behalten. Damit wurde er zweimal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn und in Tamm geblitzt. Am 12. Mai soll er den Anschlag erneut versucht haben. G. räumte die Tat bereits am ersten Prozesstag ein. Allerdings habe er das Opfer nicht töten, sondern nur einschüchtern wollen. B. habe von alldem nichts gewusst, so der Angeklagte G. weiter.

Laut Staatsanwältin haben G. und B. im Auftrag gehandelt. Wie die Verbindung des Auftraggebers nach Holland zustande gekommen ist, ist offenbar noch unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Verdächtige, die als Auftraggeber infrage kommen.

Geschädigter hatte vor seiner Stuttgarter Wohnung verdächtige Personen gesehen

Der Geschädigte hielt sich zur Tatzeit bei seiner Schwester in Tamm auf. Weil der Stuttgarter laut einem Polizeibeamten bereits in den vorangegangenen Tagen maskierte Männer vor seiner Wohnung gesehen habe. Gegenüber der Polizei sagte er, er habe mit niemandem Streit.

Der versuchte Mord in Tamm steht mutmaßlich im Zusammenhang mit Bestechungsfällen im Unterstützungsbereich der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Im Fokus stehen offenbar rivalisierende Security-Unternehmen. Laut der Sonderkommission „Frost“ der Ludwigsburger Polizei könnte auch eine Brandstiftung damit zusammenhängen.




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