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Heilbronn

Missbrauch der Tochter? Opfer spricht im Gericht über Ekel, Scham und Suizidversuche

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Im Prozess gegen einen 47 Jahre alten Mann aus Heilbronn wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter setzte das Opfer seine Aussage vor dem Landgericht fort. Die 17-Jährige leide bis heute an Angstzuständen und habe Panikattacken.


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Selbstmordgedanken habe sie gehabt, sagte die 17 Jahre alte Zeugin am Donnerstag vor der zweiten Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts. Und Suizidversuche hinter sich. Der Selbstverletzungsdruck sei inzwischen weg. Narben an den Unterarmen und an der Taille zeugen bis heute davon. „Darauf bin ich nicht stolz“, sagte die 17 Jahre alte Tochter des Angeklagten. Inzwischen lebt sie in einer therapeutischen Wohngruppe in Stuttgart.

Ihr Vater sitzt seit Ende Januar auf der Anklagebank vor der zweiten Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts. Staatsanwalt Michael Koch wirft dem deutschen Staatsbürger mit russischen Wurzeln vor, zwischen Sommer 2021 und August 2022 mehrfach vaginalen Geschlechtsverkehr mit seiner damals zunächst zwölf und dann 13 Jahre alten leiblichen Tochter gehabt zu haben. Zuvor habe er sie bereits mehrfach zum Oralverkehr gezwungen.

Prozess um sexuellen Missbrauch in Heilbronn: 17-Jährige sagt bewusst öffentlich aus

Das mutmaßliche Opfer hatte bereits am vorangegangenen Verhandlungstag Ende März davon berichtet, was ihr Vater ihr angetan haben soll. Sie hatte sich bewusst dafür entschieden, ihre Aussage in öffentlicher Verhandlung zu machen. Damit die Öffentlichkeit mitbekommt, was ihr Vater ihr angetan habe.

Die Sitzung Ende März musste vor der Mittagspause abgebrochen werden. Inmitten der Schilderungen seiner Tochter hatte der Angeklagte gesundheitliche Probleme bekommen. So setzte die Kammer die Vernehmung der 17-Jährigen am Donnerstag fort. Angstzustände und Panikattacken seien bis heute ihre Begleiter. Aber es sei schon besser geworden. Selbstmordgedanken habe sie nicht mehr. Suizidversuche lägen hinter ihr. Soweit, einem Menschen zu hundert Prozent zu vertrauen, sei sie noch nicht.

Hinweis der Redaktion:

Im Einklang mit dem Pressekodex berichten wir in der Regel nicht über Selbsttötungen oder deren Versuche. In diesem Fall aber handelt es sich um einen Vorfall von erhöhtem öffentlichem Interesse.

Sollten Sie Probleme haben, depressiv sein oder über Suizid nachdenken, können Sie sich unter anderem an den Arbeitskreis Leben in Heilbronn wenden. Sie erreichen ihn unter 07131/164251 und akl-heilbronn@ak-leben.de. Dort erhalten Sie Hilfe. Auch die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 steht Ihnen zur Seite.

Wenn Sie um eine Person fürchten, hat der Arbeitskreis Leben Signale der Gefährdung zusammengefasst. Sie finden sie unter diesem Link.

LAG Home - Arbeitskreis Leben e.V. (AKL)

Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr: Wir unterstützen verzweifelte Menschen. Wir ermutigen, mit uns ein Stück Weg zu gehen, ohne vorgegebenes Ziel.

Mehrmals in der Woche habe ihr Vater sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen

Die 17-Jährige schilderte, wie sie von ihrem Vater vaginal penetriert worden sei. Wie sie sich habe hinlegen oder hinknien müssen. Davon, dass sie ihn habe zum ersten Mal oral befriedigen müssen, weil er sie habe bestrafen wollen. Zunächst habe sie ihn etwa dreimal pro Woche mit der Hand oder dem Mund befriedigen müssen, später habe er genauso oft Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt. In ihrem Zimmer, im ehelichen Bett und im Gartenhäuschen. „Ich habe mich geekelt und geschämt.“ Auch geschlagen habe ihr Vater sie immer wieder.

Der Vorsitzende Richter Alexander Lobmüller sagte bereits zum Prozessauftakt Ende Januar, dass die Kammer prüfe, ob sich der Angeklagte auch der Vergewaltigung schuldig gemacht haben könnte. Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Seine Tochter sei von Anfang an ein schwieriges Kind gewesen.

Ehefrau des Angeklagten: Stieftochter hat sich Vergewaltigung ausgedacht

Das sagte auch die Ehefrau des Angeklagten und Stiefmutter des mutmaßlichen Opfers am Donnerstag im Zeugenstand. Die Geschichte mit der Vergewaltigung habe sich die heute 17-Jährige nach den Pfingstferien 2021 ausgedacht. „Damit man Mitleid mit ihr hat und sie Freunde bekommt“, sagte die 43-Jährige. Freundinnen hatte das mutmaßliche Opfer zu diesem Zeitpunkt aber offenbar bereits. Ihnen soll sie von dem mutmaßlichen Missbrauch erzählt haben.

„Ich weiß nicht, wie das in einer Fünfzimmerwohnung passieren soll“, sagte die Ehefrau des Angeklagten. „Wenn so etwas geschehen wäre, hätte ich das gleich gemerkt.“ Stattdessen habe die Zeugin bemerkt, dass ihre Stieftochter bereits mit fünf Jahren zu masturbieren begonnen haben soll und ständig Pornos geschaut habe. Im Laufe der weiteren Vernehmung verstrickte sich die Zeugin mehrfach in Widersprüche. Zwischendurch platzte dem Vorsitzenden Richter Alexander Lobmüller der Kragen. „Sie erzählen irgendwas, am Ende bleibt davon nichts übrig.“

„Meine schöne Zeit war vorbei, als meine Mutter starb und ich meine Geschwister nicht mehr sehen konnte“, sagte das mutmaßliche Missbrauchsopfer am Donnerstag. Im Haus ihres Vaters habe es keine schöne Zeit gegeben. Deshalb spreche sie lieber über ihre Zukunft. Sie plane, nach der Realschule ein berufliches Gymnasium zu besuchen. Danach wolle sie Medizin studieren. „Ich bin sehr zuversichtlich.“




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