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Minderjähriges Opfer spricht im Missbrauchs-Prozess über schlimme Erlebnisse

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Ein 47 Jahre alter Heilbronner ist des schweren sexuellen Missbrauchs seiner minderjährigen Tochter angeklagt. Das 17-jährige Mädchen sprach am Freitag im Heilbronner Landgericht über ihr Martyrium als Kind. 


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Nicht immer konnte sich die 17 Jahre junge Frau am Freitag an jede Einzelheit erinnern. Dazu habe ihr Vater ihr zu viel Schlimmes angetan. Einzelne Bilder gingen ihr aber nicht mehr aus ihrem Kopf, sagte die Geschädigte, die ihren Vater der mehrfachen Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauch beschuldigt.

Im Alter von sechs Jahren sei sie zu ihrem Vater gekommen. Nachdem ihre Mutter an Krebs gestorben war. „Meine Mutter hat viel Zeit mit mir verbracht und mir ihre Liebe gezeigt“, sagte die junge Frau im Zeugenstand. Ihr Vater, der zwischenzeitlich wieder verheiratet war, nicht. Bei ihm habe sie nicht aus dem Haus gehen dürfen und jeden Samstag die ganze Wohnung saubermachen müssen. Hätte nicht alles geglänzt, sei sie schwer bestraft worden.

Prozess in Heilbronn: Angeklagter soll Tochter regelmäßig mit Gürtel geschlagen haben

„Ich hatte große Angst vor ihm“, sagte die 17-Jährige. Dass er sie anschreien würde, wenn sie aus seiner Sicht etwas falsch gemacht habe. Erinnern kann sie sich gut an den Gürtel, mit dem sie ihr Vater im ehelichen Bett auf den entblößten Po geschlagen habe. „Ich weiß nicht, wie oft ich damit geschlagen wurde. Als Kind dachte ich eine Weile, dass das bei russischen Familien normal ist.“ Jetzt wisse sie, dass das nicht so ist.

Das Grab ihrer Mutter auf dem Sontheimer Friedhof habe sie nur in Ausnahmefällen besuchen dürfen, weil ihr Vater ihr eingeredet habe, ihre Mutter sei ein schlechter Mensch gewesen. So wie die ganze Familie mütterlicherseits, zu denen er den Kontakt mit seiner Tochter möglichst unterbunden haben soll.

Mehrfach soll der 47 Jahre alte Heilbronner seine minderjährige Tochter missbraucht und vergewaltigt haben. Dafür muss er sich vor dem Landgericht verantworten.
Mehrfach soll der 47 Jahre alte Heilbronner seine minderjährige Tochter missbraucht und vergewaltigt haben. Dafür muss er sich vor dem Landgericht verantworten.  Foto: Berger, Mario

Nach der Schule musste sie sofort nach Hause kommen, sagte die 17-Jährige. Mit ihren Freundinnen habe sie sich nicht treffen dürfen. Es klingt nach dem Leben von Aschenputtel.

Opfer musste Vater offenbar mit zehn Jahren erstmals oral befriedigen

Zur oralen Befriedigung habe der Angeklagte seine Tochter in der Sontheimer Wohnung erstmals gezwungen, als sie zehn Jahre alt war. Zum vaginalen Geschlechtsverkehr habe er sie gezwungen, als sie zwölf Jahre alt war. „Viele, viele Male“, sagte die Zeugin vor der zweiten Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts.

Immer wieder habe sie sich gewehrt. Dann habe der heute 47 Jahre alte Angeklagte ihr gedroht. Wenn sie jemandem davon erzählen würde, ruiniere sie die Familie. Außerdem würde ihr ohnehin niemand glauben, soll der Vater gesagt haben. Sie stünde dann ganz alleine da. Und sie komme in ein Internat. „Damals wusste ich nicht, dass das eine Schule ist. Ich dachte, dort werden Kinder ausgepeitscht.“

Vater soll mit seiner zehnjährigen Tochter Pornofilm angeschaut haben

Als sie von dem „ekelhaften blauen Mantel“ erzählte, mit dem der Angeklagte immer wieder in der Zeit zwischen vier und sechs Uhr morgens ihr Zimmer betreten haben soll, brach sie in Tränen aus. Dann musste sie ihn oral befriedigen. Damit sie wisse, wie das richtig geht, habe er ihr zuvor einen Pornofilm gezeigt.

Zwei bis drei Mal in der Woche sei er in ihr Zimmer gekommen. „Ich habe mich geweigert, aber dann ist es trotzdem passiert. Das war so eine schreckliche, ekelhafte Zeit.“ Der Vorsitzende Richter Alexander Lobmüller unterbrach daraufhin die Sitzung für 15 Minuten.

Als sie zwölf Jahre alte war, habe ihr Vater im Zimmer ihres Stiefbruders vaginalen Verkehr mit ihr gehabt. Anfangs habe es so sehr geschmerzt, dass der Angeklagte mehrere Versuche unternommen haben soll. Bis es schließlich zum Verkehr kam. Auch in der Gartenhütte ihres Sontheimer Gartens habe er Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt.

Prozess in Heilbronn: Tochter sollte Schäden mit Sex mit ihrem Vater abarbeiten

Als zusätzliches Druckmittel, um ihr Angst zu machen, habe der Angeklagte hohe Rechnungen genannt, die sie bezahlen solle. Etwa als sie Wasser auf dem Parkettboden vergossen habe. Oder als sie mit dem Fahrrad auf ein Auto gefahren sei. Dabei soll er sie vor die Wahl gestellt haben: entweder das Kind bezahle die mehrere Tausend Euro teuren Schäden, oder sie könne es quasi bei ihm abarbeiten, indem sie Sex mit ihm habe.

Schließlich habe sie sich ein Herz gefasst und ihren Freundinnen davon erzählt. Auch der Schulsozialarbeiterin. Danach habe es in der Schule ein Gespräch mit dem Vater gegeben. Der drohte danach seiner Tochter, sie solle sagen, dass sie gelogen hat. Was sie auch getan hätte.

Mit 13,5 Jahren habe sie sich schließlich ans Jugendamt gewandt. „Ich war damals kein Kind mehr.“ Die Mitarbeiter dort schickten das Opfer in eine Klinik und informierten die Polizei.

Richter unterbricht Verhandlung am Heilbronner Landgericht

Unmittelbar nach der Mittagspause musste Lobmüller die Sitzung erneut unterbrechen. Der Angeklagte gab an, unter Kopfschmerzen zu leiden und Schweißausbrüche zu haben. Justizvollzugsbeschäftigte hatten ihm kurz vorher ein Schmerzmittel gegeben. Nach einer weiteren Unterbrechung musste Lobmüller die Verhandlung für den gesamten Tag unterbrechen. Der Angeklagte hatte sich in seiner Zelle im Gerichtsgebäude offenbar übergeben.




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