Stimme+
Diskussion um Aufnahmekriterien

Ärger um Josef-Schwarz-Schule: Forderung nach Grundschule im Heilbronner Neckarbogen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die private Josef-Schwarz-Schule im Neckarbogen bestimmt alleine über Aufnahmekriterien. Eine andere Grundschule gibt es in dem Stadtteil nicht. Das würden manche Heilbronner gerne ändern. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Kinder aus dem Heilbronner Stadtteil Neckarbogen sind der Dammgrundschule zugeordnet. Die Josef-Schwarz-Schule in der Nachbarschaft kann als Privatschule allein darüber entscheiden, wen sie aufnimmt. Wer es aus dem Stadtteil in diese Bildungsstätte schafft, für den übernimmt dann allerdings die Dieter-Schwarz-Stiftung bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze der Eltern das Schulgeld.

Fälschlicherweise hatten viele gedacht, dass alle Neckarbogen-Kinder automatisch die Schule, die verspätet öffnet, besuchen können. Auch einzelne Stadträte sind überrascht, es gibt schon die Forderung nach einer eigenen öffentlichen Schule in dem neuen Stadtteil. So äußern sich die sechs Fraktionen im Gemeinderat zu dem Thema.

Ärger um Aufnahmekriterien: Das sagt die Josef-Schwarz-Schule

Seitens der Josef-Schwarz-Schule (JSS) sagte Geschäftsführer Thomas Frenzel zum Aufnahmeverfahren: "Wir sind eine freie Schule mit einem besonderen pädagogischen Profil." Es sei daher sowohl für die Schule als auch für die interessierten Familien im Interesse des Kindes wichtig zu prüfen, ob die JSS die geeignete Schule sei.

Er gibt ein Beispiel: "Unser bilingualer Ansatz Deutsch/Englisch ist nicht immer passend, wenn Kinder bis zum Schulbeginn noch keine der beiden Sprachen altersgerecht beherrschen." Ähnlich sei es mit der Betonung "auf offenere Lernformen und Selbstorganisation. Nicht für alle Kinder ist dies die optimale Umgebung." Dies seien aber keine festen Regeln. "Es bedarf immer des Kennenlernens der Kinder und des Austauschs mit den Familien."

Diskussion um die Josef-Schwarz-Schule: So reagiert die SPD im Heilbronner Gemeinderat

Die SPD um den Fraktionssprecher Rainer Hinderer ist überrascht nach derjüngsten Berichterstattung über die Aufnahmekriterien in der Privatschule, in der erstmals über die Situation für die Grundschüler aus dem Neckarbogen berichtet wurde. Deutliche Kritik kam auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Nicht alle Kinder aus dem Stadtteil können automatisch die Schwarz-Schule besuchen: "Das hat sich uns so nicht erschlossen", sagt Rainer Hinderer im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.

Als das Rathaus die Finanzierungsvereinbarung mit der Schwarz-Stiftung vorgestellt hat, in der es um die finanzielle Unterstützung für Familien aus dem Neckarbogen für den Unterricht geht, ging er von einem Schulbesuch aller Grundschüler aus dem Stadtteil an der Schwarz-Schule aus. Er hat deshalb bereits die Stadtverwaltung aufgefordert, mit den Schulverantwortlichen nachzuverhandeln. "Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung hinbekommen." Seiner Ansicht nach muss auch an Privatschulen gelten, dass sie sich auf die Schüler einstellen und nicht umgekehrt.

Aufnahmekriterien für private Grundschule in Heilbronn: Das sagen die Freien Wähler

Für die anderen Fraktionen war es stets bekannt, dass die Privatschule allein über die Grundschüler entscheidet, die sie unterrichten will. Für Herbert Burkhardt ist es wichtig, dass an öffentlichen Schulen ähnliche Bedingungen herrschen wie an privaten. Das erreiche Heilbronn zwar nicht immer, aber die Stadt investiere viel, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

Zugleich betont er: "Kurze Beine brauchen kurze Wege." Seiner Ansicht nach ist es wünschenswert, investierte die Stadt im Neckarbogen in eine weitere Bildungsstätte. "Ich glaube, dass wir eine öffentliche Schule benötigen." Der Plan zur Schulentwicklung stammt vom Herbst 2020. Mit Flüchtlingen, auch wegen des Ukraine-Kriegs, seien viele Familien seitdem hierhergezogen. Für ihn steht Heilbronn nun unter Zugzwang, in diesem Bereich nachzulegen. Eine neue Grundschule wird in den nächsten Jahren beim Theodor-Heuss- und beim Mönchsee-Gymnasium errichtet.

CDU über Kriterien an Josef-Schwarz-Schule: Privatschulen als Ergänzung

Thomas Randecker von der CDU kann nachvollziehen, dass die Josef-Schwarz-Schule aufgrund ihres bilingualen Unterrichts auf Deutsch und Englisch nicht für jedes Kind geeignet ist. Seitens der Stadtverwaltung oder des Gemeinderats sieht er deshalb keinen Handlungsbedarf. "Jede Privatschule definiert für sich, wohin die Reise geht." Seiner Ansicht nach sind in Heilbronn "attraktive, kommunale Schulen gebaut worden". Es sei aber darauf zu achten, dass diese weiterhin attraktiv blieben. Privatschulen seien hier nur eine Ergänzung der Bildungslandschaft.

Einen Bedarf, im Neckarbogen eine öffentliche Grundschule zu errichten, sieht er nicht: Nicht überall wohnten dort Familien. Wohnungen entstünden beispielsweise für Studenten oder für Personen, die nur für kurze Zeit in der Stadt seien.

Einschätzung der Stadt Heilbronn zur Grundschule im Neckarbogen

"Es gibt keinen Anspruch für schulpflichtige Kinder aus dem Neckarbogen, in die Josef-Schwarz-Schule aufgenommen zu werden." Kinder, die eine Zusage der Schule erhalten, seien vom Schulgeld befreit. "Über die Aufnahme entscheidet die Schule." Das sagte kürzlich Karin Schüttler, die im Heilbronner Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet. "Das war von Beginn an so geregelt und auch so öffentlich kommuniziert." Der Neckarbogen liege im Schulbezirk der Dammgrundschule. "Hierfür gibt es einen Aufnahmeanspruch."

Private Josef-Schwarz-Schule im Neckarbogen: Das ist die Einschätzung der AfD

"Die Josef-Schwarz-Schule ist unabhängig", betont Raphael Benner von der AfD. Ein Zwei-Klassen-System bei der Bildung im Neckarbogen sieht er nicht. Den Bedarf nach einer öffentliche Grundschule sieht der Stadtrat nicht. Es werde für alle gesorgt, eben weil es die Dammgrundschule gibt. "Ich sehe überhaupt kein Problem."

Privatschule im Heilbronner Neckarbogen: So schätzen die Grünen die Situation ein

Holger Kimmerle, Fraktionsvorsitzender der Grünen, unterscheidet zwischen der Entscheidung für eine internationale Schule und für eine Grundschule. Eine Schule mit internationaler Ausrichtung wie eben die Schwarz-Schule sei ein Standortvorteil und ein Zeichen von Weltoffenheit. Er unterstützt sie weiterhin. Wichtig für ihn war, dass für Neckarbogen-Kinder, die den Zugang schaffen, das Schulgeld keine Rolle spielen dürfe.

Es wäre aber viel verlangt von Privatschulen, müssten diese auf Kinder zugehen und alle nehmen. Wenn ein Mädchen oder ein Junge für eine solche Schule nicht geeignet sei, mache es keinen Sinn, dass es dorthin gehe. Demgegenüber steht für Holger Kimmerle die Frage, wo neue öffentliche Grundschulen gebaut werden. Schulen, sagt er, fehlten derzeit in Richtung Heilbronner Osten. Ohnehin erwartet er, dass die meisten Kinder aus dem Neckarbogen auf die Dammgrundschule wollen, nicht auf die Schwarz-Schule.

Das ist die Haltung der FDP zur privaten Josef-Schwarz-Schule

"Für uns ist klar, dass eine jede Schule ihre Spielregeln hat und insofern ihre eigenen Aufnahmeregularien festlegt", sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Nico Weinmann. "Hieraus eine Zwei-Klassen-Gesellschaft abzuleiten, halten wir für vermessen, schließlich mag auch das anspruchsvolle pädagogische Konzept nicht für jedes Kind das Richtige sein.".

Nur: Die Kommunikation der Stadtverwaltung sei zumindest insoweit unzureichend gewesen, "als augenscheinlich bei Eltern im Neckarbogen der Eindruck erweckt wurde, dass ein Besuch der Josef-Schwarz-Grundschule grundsätzlich möglich sei". Auch wenn im Gemeinderat deutlich geworden sei, dass hierfür nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung stehe und insoweit ein Eignungstest erfolge, "war die städtische Kommunikation erkennbar zu vage". Nico Weinmann: "Wir würden uns aber gleichwohl wünschen, dass Kindern aus dem Neckarbogen, sobald sie die nötigen sprachlichen Voraussetzung erlangt haben, auf Wunsch die Möglichkeit eines neuerlichen Eignungstests erhalten."




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben