Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn: Warum nicht jedes Kind angenommen wird
Um die private Josef-Schwarz-Schule im Heilbronner Neckarbogen besuchen zu können, müssen Grundschüler und deren Familien bestimmte Aufnahmekriterien erfüllen. Dafür hagelt es Kritik.

Die Dieter-Schwarz-Stiftung übernimmt für Kinder aus dem Neckarbogen, die die Grundschule der privaten Josef-Schwarz-Schule besuchen, das Schulgeld - bis zu einer Einkommensgrenze von 120.000 Euro der Eltern. Allerdings nur, wenn die Kinder die Aufnahme erfolgreich absolvieren. Die Kriterien, die die Schule dafür zu Grunde legt, bleiben vage. Grundsätzlich gehört der Neckarbogen zum Einzugsgebiet der Dammschule. Die Stadtverwaltung betont, das sei immer so kommuniziert worden. Allerdings ist bei Eltern ein ganz anderer Eindruck entstanden, als die Stadt die Kooperation mit der Stiftung verkündet hat. Von der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kommt Kritik. Sie fordert eine eigene öffentliche Schule in dem Stadtteil.
"Ein Anspruch beziehungsweise eine bevorzugte Vergabe von Grundschul- oder Receptionplätzen gibt es laut Schulamt der Stadt Heilbronn für die Josef-Schwarz-Schule nicht", schreibt ein Leser an unsere Redaktion. Die Vereinbarung der Stadt Heilbronn mit der Dieter-Schwarz-Stiftung, die das Schulgeld übernimmt, fördert nach Ansicht des Lesers "eher noch die Ungleichbehandlung innerhalb der Kinder aus dem Quartier". Es sei "äußerst bedauerlich, dass eine riesige Schule im Neckarbogen gebaut wird und dann eine Hand voll Kinder, welche derzeit jedes Jahr sich auf die Schule bewerben zum Teil eine Absage erhalten und weiter entfernt auf die Schule gehen müssen, jedoch Hunderte von auswärts ins Quartier" kämen.
Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn entscheidet darüber, welche Kinder aufgenommen werden
Auf Anfrage beim Rathaus heißt es dazu von Karin Schüttler, die das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet: "Es gibt keinen Anspruch für schulpflichtige Kinder aus dem Neckarbogen, in die Josef-Schwarz-Schule aufgenommen zu werden." Kinder, die eine Zusage der Schule erhalten, seien vom Schulgeld befreit. "Über die Aufnahme entscheidet die Schule." Karin Schüttler ergänzt: "Das war von Beginn an so geregelt und auch so öffentlich kommuniziert." Der Neckarbogen liege im Schulbezirk der Dammgrundschule. "Hierfür gibt es einen Aufnahmeanspruch." Sie betont: Alle schriftlichen, mündlichen und persönlichen Anfragen durch Familien oder auch durch Bauträger aus dem Neckarbogen würden und werden gleichlautend beantwortet. "Ich bin mir sicher, dass auch die Josef-Schwarz-Schule selbst im Anmeldeverfahren und bei der persönlichen Vorsprache der Familien entsprechend informiert." Beschwerden lägen nicht vor.
Der Stadt Heilbronn fehlen im Zentrum Plätze für Grundschüler. Deshalb will der Gemeinderat beim Mönchsee- und beim Theodor-Heuss-Gymnasium eine neue Grundschule bauen. Neu geregelt werden muss deshalb, welche Kinder aus dem Zentrum welcher öffentlichen Grundschule zugeteilt sind. "Im Herbst dieses Jahres werden wir eine Neuregelung der Schulbezirke für die Innenstadt vornehmen – im Rahmen der Einrichtung der neuen Innenstadtgrundschule zum Schuljahr 2025/2026", so Karin Schüttler. Der Neckarbogen bekommt noch mehr Mehrfamilienhäuser und deshalb vermutlich auch noch deutlich mehr Kinder, die eine Kita und eine Grundschule besuchen werden. Die Neuregelung werde deshalb auch den Schulbezirk der Dammgrundschule entlasten, "so dass der künftige Bedarf erfüllt werden kann".
Darauf kommt es beim Aufnahmeverfahren der Privatschule an
Seitens der Josef-Schwarz-Schule (JSS) wird auf Anfrage nicht gesagt, wie viele Neckarbogen-Kinder nicht aufgenommen wurden. Schul-Geschäftsführer Thomas Frenzel betont zum Aufnahmeverfahren: "Wir sind eine freie Schule mit einem besonderen pädagogischen Profil." Es sei daher sowohl für die Schule als auch für die interessierten Familien im Interesse des Kindes wichtig zu prüfen, ob die JSS die geeignete Schule sei. Er gibt ein Beispiel: "Unser bilingualer Ansatz Deutsch/Englisch ist nicht immer passend, wenn Kinder bis zum Schulbeginn noch keine der beiden Sprachen altersgerecht beherrschen."
Ähnlich sei es mit der Betonung "auf offenere Lernformen und Selbstorganisation. Nicht für alle Kinder ist dies die optimale Umgebung." Dies seien aber keine festen Regeln. "Es bedarf immer des Kennenlernens der Kinder und des Austauschs mit den Familien."
So reagiert die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf die Situation im Neckarbogen
"Das geht gar nicht", kritisiert Harald Schröder, GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn, die Situation für die Kinder aus dem Neckarbogen. Aufnahmeverfahren an Privatschulen bezeichnet er als "Schaulaufen". Eltern wüssten zudem gar nicht, welche Kriterien über eine Aufnahme entscheiden: Sei ein Kind zu lebhaft oder sei es zu ruhig? Seiner Ansicht nach hätten Gemeinderat und Stadtverwaltung Heilbronn anders agieren müssen: "In ein neues Quartier gehört eine neue, öffentliche Schule." Eine öffentliche Kita sei gebaut worden, erinnert er an zurückliegende Investitionen. In einem zweiten Schritt hätte die Grundschule kommen müssen. "Das wäre logisch gewesen." Nun überlasse man ein attraktives Quartier eine privaten Schule, "die exklusiv entscheiden kann".
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