Der Heilbronner Pferdmarkt zählt zu den traditionsreichsten Veranstaltungen in Heilbronn. Die Anfänge des beliebten Marktes liegen im Jahr 1770, als sich die Bauern aus umliegenden Dörfern mit der Heilbronner Stadtbevölkerung trafen, um zu handeln, Pferde zu verkaufen und sich mit allerlei nützlichen Waren nach einem harten Winter einzudecken. Dazu zählen noch heute Kittelschürzen, Bürsten, Messer sowie Salben und Tinkturen. Geschätzt wird von den Menschen auch die besondere Atmosphäre an den Ständen und das Gedränge entlang des Krämermarktes.
Heilbronner Pferdemarkt verlässt Innenstadt – Entscheidung stößt auf Unverständnis
Die HMG begründet die Verlegung des Heilbronner Pferdemarkts mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Viele Fans befürchten nun das Aus für die traditionsreiche Innenstadt-Veranstaltung.
Über kaum ein Thema wird in der Stadt derzeit so heftig diskutiert wie über den Pferdemarkt, der 2026 vom 20. bis 22 Februar stattfindet. Denn die Traditionsveranstaltung verschwindet aus Sicherheitsgründen von ihrem angestammten Platz rund um die Harmonie, Oststraße, Karlstraße und den Friedensplatz und wandert an den Wertwiesenpark. Bei vielen Bürgern aus Heilbronn und in der Region stößt diese Entscheidung auf Unverständnis.
Heilbronner Pferdemarkt im Wertwiesenpark – Unverständnis bei Besucherin
„Das ist dort draußen kein Pferdemarkt mehr, da wird niemand mehr von außerhalb hinfahren“, kritisiert Maren Schneider. Die gebürtige Sontheimerin, die heute in Nordrhein-Westfalen lebt, war in der Vergangenheit immer regelmäßig zum Heilbronner Pferdemarkt gekommen, um die Atmosphäre zu genießen und sich sich mit allerlei Nützlichem einzudecken, das es auf dem Krämermarkt reichlich gibt. Im kommenden Jahr wird ihr Pferdemarktbesuch aber ausfallen. „Für mich war das ein jährliches Einkaufserlebnis. Das ist jetzt vorbei“, ärgert sich Schneider, die die Verlegung nicht nachvollziehen kann.
Heilbronn Marketing GmbH verweist auf teure Sicherheitsmaßnahmen
Der Grund für die Verlegung liegt beim Thema Sicherheit. Der Pferdemarkt mit seinem riesigen Veranstaltungsgelände in der Innenstadt sei nicht zu schützen, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen, sagt Steffen Schoch. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir das, was wir 2025 gemacht haben, nicht dauerhaft umsetzen können“, betont der Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH.
Die Stadt hatte den Markt im vergangenen Jahr nur wenige Wochen nach dem Magdeburger Terroranschlag, bei dem sechs Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden, mit Pollern, Autos von Beschickern und Betriebsamt, sowie Kräften des Ordnungsdienstes gesichert. „Unser Ordnungsamt hat aber empfohlen, dass wir einen zertifizierten Schutz einsetzen“, sagt Schoch. Schon am Lichterfest, auf dem Weindorf und auf dem Weihnachtsmarkt hat die Stadt diese Empfehlung umgesetzt und für die geliehenen Absperrungen insgesamt rund 800.000 Euro ausgegeben.
Eine Absage des Heilbronner Pferdemarktes stand im Raum
Hätte man diese Schutzmaßnahmen genauso für das flächenmäßig große Pferdemarktgelände umgesetzt, wären mindestens 500.000 Euro fällig gewesen, schätzt Schoch. Bundesweite oder landesweite Vorschriften, wie Märkte in Deutschland zu schützen sind, gibt es allerdings nicht. „Für uns war die Entscheidung die einzige Option auf Basis der Notwendigkeit, die man uns vorgegeben hatte“, sagt Schoch. Eine Absage, die im Raum stand, wollte der Ältestenrat der Stadt unbedingt verhindern.
So wird der Pferdemarkt nun in deutlich abgespeckter Form von Freitag bis Sonntag stattfinden. Der Marktmontag wird gestrichen, auf dem neuen Gelände entlang der Neckarhalde werden nur noch gut 100 Stände Platz finden, statt der bisherigen über 250 Stände. „Der Funpark und die beliebten Marktschreier bleiben erhalten“, versichert Marktmeister Alexander Ghassemi. Der Wohnmobil-Stellplatz entfällt an diesem Wochenende.
Deutlich abgespeckte Version des Heilbronner Pferdemarktes
Da gleichzeitig nicht mehr als 5000 Besucher vor Ort erwartet werden, können auch die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verringert werden. Was das für die Stimmung auf der Traditionsveranstaltung bedeutet, muss sich zeigen. Erste Traditionsbetriebe wie die Wurstbraterei Silzer und die Imbissbetriebe Damerau und Gollerthan werden jedenfalls nicht mehr dabei sein.
„Die Atmosphäre wird auch dort gut sein“, ist sich Steffen Schoch sicher, der mit nur noch rund 60.000 Besuchern rechnet. Das wären kaum ein Drittel der bisherigen Zahlen. Die Alternativstandorte wie die Theresienwiese oder die Neckarmeile, die im Vorfeld immer wieder genannt wurden, seien auf Grund der höheren Besucheraufkommen und aufwändigerer Schutzmaßnahmen nicht in Frage gekommen sagt Schoch.
Sicherheits- und Zufahrtschutzkonzept der Stadt Heilbronn in Arbeit
„Es ist unheimlich schade, dass der Markt nicht mehr in der Innenstadt stattfindet. Aber mit diesem Sicherheitskonzept ist das anders nicht machbar“, betont der Vorsitzende der Stadtinitiative, Ergjan Terzici. „Für unsere Händler wäre ein zentraler Platz schöner gewesen“, ergänzt sein Co-Vorsitzender Sven Hofmann. „Der Wertwiesenpark kann ein Ort für die Zukunft sein“, sagt dagegen Steffen Schoch. Im kommenden Jahr soll auf jeden Fall insgesamt mehr Klarheit herrschen, was alle städtischen Veranstaltungen betrifft. Denn ein festes Sicherheits- und Zufahrtschutzkonzept der Stadt ist seit einiger Monaten in Arbeit.
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Kommentare
Günther Knapp am 31.12.2025 13:44 Uhr
Traurig an dieser Frage der Verlegung sind die Gründe der Attentate bei solchen Veranstaltungen! Das absichern der bisher in den Pferdemarkt einbezogenen Straßen und Plätze dürfte kaum zu leisten sein und die Risiken das wahnsinnige Täter hier Lücken finden ist sicherlich zu groß. Es ist völlig richtig eine Verlegung dieses Marktes aus diesen Gründen vorzuziehen.
Thomas Wiedemann am 29.12.2025 17:07 Uhr
Ganz ehrlich: Heilbronn attraktiver machen zu wollen und ein Publikumsmagnet wie den Pferdemarkt so abzuwerten…das kann man nicht verstehen und nachvollziehen. Und für 1,3 Mio hätte man die Barrieren auch kaufen können…aber strategisch und zukunftsorientiert Denken scheint hier nicht das Mittel der Wahl gewesen zu sein.