Abriss-Pläne für Heilbronner Bollwerksturm-Parkhaus sorgen bei Architekt für Unmut
Das Parkhaus am Bollwerksturm in Heilbronn soll, nach nur 25 Jahren, für die Erweiterung des Bildungscampus abgerissen werden. Das beim Bau federführende Architektenbüro ist davon nicht begeistert.
Der geplante Abriss des City-Parkhauses am Bollwerksturm in Heilbronn sorgt für Kritik. Leserinnen und Leser der Heilbronner Stimme kritisierten, dass das preisgekrönte Bauwerk zugunsten der Bildungscampus-Erweiterung abgerissen werden soll. Der Siegerentwurf für den Bildungscampus Süd sieht genau das vor, die Stadt Heilbronn sieht keine Möglichkeit, die Parkgarage zu erhalten.
Dabei ist das Bollwerksturm-Parkhaus erst 1998 gebaut und mehrfach ausgezeichnet worden. Es erhielt unter anderem den renommierten Hugo-Häring-Preis des Bunds Deutscher Architekten sowie den Nachhaltigkeitspreis Renault Traffic Award – sowie drei weitere Auszeichnungen.
Bollwerksturm-Parkhaus in Heilbronn: Abriss wird Gebäude nicht gerecht
Wenig Begeisterung lösen die Abriss-Pläne beim Stuttgarter Architekten Armin Günster aus. Er ist Gesellschafter des Architekturbüros MGF, das das Parkhaus damals entworfen hat. „Das einfach abzureißen, würde dem Gebäude nicht gerecht werden“, findet Günster.

Aus seiner Sicht ist das Parkhaus „immer noch ein sehr nachhaltiges und flexibles Gebäude“. Der Architekt hebt hervor, dass die Garage ohne störende Stützen auskommt. Als Autos immer breiter wurden, konnte man die Parkplätze einfach ebenso verbreitern, ohne Umbau. Außerdem sei sortenreines Material wie Stahl und Holz verbaut worden, betont Günster. „Es war als Parkhaus schon ein sehr richtungsweisendes Gebäude.“
Wird das Bollwerksturm-Parkhaus in den Heilbronner Bildungscampus integriert?
Dass sich in Heilbronn einiges gewandelt hat und der Bildungscampus näher an die Stadt rücken soll, leuchtet dem 66-Jährigen ein. „Das kann ich natürlich nachvollziehen.“ Damals habe man die Neckarmeile von der Mannheimer Straße abgrenzen wollen, inzwischen sei die städtebauliche Ausgangslage anders.
Günster hofft, dass zumindest Teile des Baus entweder stehen bleiben oder weiterverwendet werden. Zirkuläres Bauen, durch das Materialien weiterverwendet werden können, sei ein wichtiges Thema.

Auch für Gespräche über eine mögliche Zukunft von Teilen des Gebäudes stünde der 66-Jährige bereit. Er könne sich etwa vorstellen, dass Räume der Hochschule nach einem Umbau dort einziehen oder das Gebäude als Ausstellungsraum genutzt wird. „Es ist schade um das schöne Parkhaus.“
Bildungscampus mit Stadt verbinden: Wichtiges Ziel laut Heilbronner Architekt
Ähnlich sieht das Marcus Teske, Kreisvorsitzendes des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in Heilbronn. „Ich finde es natürlich schade, dass es so kommt. Es ist ein ausgezeichnetes Gebäude und in jeder Hinsicht sehr funktional.“ Auch Teske unterstreicht, dass die Baubranche aktuell stark darauf setzt, vorhandene Bausubstanz zu erhalten.
„Trotzdem muss ich persönlich sagen, dass es einen Wettbewerb gab, an dem nahmhafte Büros teilgenommen haben. Denen war es freigestellt, ob sie das Gebäude erhalten“, erklärt Teske. Der beste Entwurf habe den Zuschlag bekommen.
Für den 51-Jährigen ist es außerdem „extrem wichtig“, dass Bildungscampus und Innenstadt besser verbunden werden. Dieses Ziel werde nun höher gewichtet. „Das Parkhaus hätte als Riegel eine wahnsinnige Abschirmung bewirkt“, sagt Teske. „Man muss ja sehen, dass die Rahmenbedingungen jetzt völlig neu sind. Diese Entwicklung des Bildungscampus hat man damals nicht absehen können.“
Heilbronner Architekt macht Vorschlag für Bildungscampus-Brücke
Was den Siegerentwurf angeht, hätte sich Teske sogar noch mehr vorstellen können. Es sei anfangs nur eine kleine Fußgängerbrücke zwischen den Campussen geplant gewesen. Marcus Teske plädiert stattdessen für eine ausladende, bis zu 20 Meter breite grüne Brücke. Das sei einerseits einladend und bewirke andererseits, dass die Mannheimer Straße gedeckelt wird.
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