Nach Entführung und Prügel in Künzelsau: Exfreundin drohen Langzeitschäden
Ein 29 Jahre alter Mann soll im Juni 2025 seine Exfreundin aus dem Künzelsauer Frauenhaus entführt und über fast zwei Tage hinweg brutal verprügelt haben. Am Montag haben unter anderem Klinikärzte vor dem Heilbronner Landgericht ausgesagt.

Die Fotos auf den beiden Bildschirmen im Großen Saal des Heilbronner Landgerichts ließen den Atem stocken. Die Frau, die darauf zu sehen war, kann nicht mehr aus ihren Augen schauen. Sie sind komplett zugeschwollen von den Schlägen, die offenbar der Angeklagte im Prozess vor der ersten Schwurgerichtskammer seiner Exfreundin über beinahe zwei Tage hinweg zugefügt hatte. Zuvor hatte er sie offenbar am 15. Juni vergangenen Jahres aus dem Künzelsauer Frauenhaus im Hohenlohekreis entführt.
Zahlreiche Kratzer und Hämatome im Gesicht und am Körper zeugen von der Tortur, die die Geschädigte erlitten hat. Vier Wochen verbrachte die Frau nach ihrer Flucht am 17. Juni aus einem Gartenhaus in einem Künzelsauer Wohngebiet im Krankenhaus. In diese Hütte hatte der Angeklagte seine Exfreundin offenbar auf der Suche nach einem Unterschlupf verschleppt.
Geschädigte muss sechs Tage lang auf die Intensivstation
Einer Polizeibeamtin hatte die Geschädigte noch im Rettungswagen gesagt, dass der Angeklagte sie schon im Frauenhaus geschlagen, ausgezogen und mit sich gezerrt habe. „Sie ging davon aus, dass er sie gewaltsam zwingen wollte, dass sie wieder zusammenkommen“, sagte die Polizistin im Landgericht.
Sechs Tage lang lag die Geschädigte wegen einer akuten Gehirnblutung unter Beobachtung auf der Intensivstation. „Sie hatte starke Kopfschmerzen und litt unter Übelkeit“, berichtete eine behandelnde Oberärztin im Zeugenstand. „Sie hatte Angst und Panik. Wir mussten sie immer wieder beruhigen.“
Die Blutung im Kopf ging wieder zurück. Dennoch muss die Geschädigte mit Langzeitfolgen rechnen. Der behandelnde Oberarzt am Neurochirurgischen Zentrum im Heilbronner SLK-Klinikum hat unter anderem „viele und unterschiedliche Gedächtnisleistungsstörungen“ erkannt, die sich in Erinnerungslücken, kognitiven Auffälligkeiten und Problemen bei der Wortfindung widergespiegelt hätten.
Leiter der Augenklinik: Motorik der rechten Pupille war starr
Der Leiter der Heilbronner Augenklinik hat darüber hinaus einen halbseitigen Ausfall des Gesichtsfelds nach rechts festgestellt. Offenbar habe die Pupille des rechten Auges keine normale Beweglichkeit mehr gehabt. „Die Motorik war starr.“ Mutmaßlich wurde der Augapfel von einem Schlag verformt. Zum Zeitpunkt der Behandlung sei die Sehschärfe herabgesetzt gewesen, so der Leiter der Augenklinik.
Mitte Juni hat der Angeklagte seine Exfreundin offenbar nicht zum ersten Mal brutal zusammengeschlagen. Anfang Mai 2025 misshandelte der 29 Jahre alte Deutsch-Algerier die Geschädigte mutmaßlich schon einmal massiv. Laut Staatsanwalt soll er sie in der gemeinsamen Wohnung in Neckarulm über Stunden hinweg geschlagen und bis zur Ohnmacht gewürgt haben. Zudem habe er eine brennende Zigarette an ihrem Hals ausgedrückt und mit Gegenständen nach ihr geworfen. Der Onkel und die Mutter holten das Opfer damals aus der Wohnung. Nach ihrem damaligen Krankenhausaufenthalt ging sie nach Künzelsau ins Frauenhaus.
Geschädigte hatte offenbar Angst, Anzeige zu erstatten
Einer Polizistin habe die Geschädigte gesagt, sie habe Angst, Anzeige zu erstatten. Weil der Angeklagte ihr dann noch mehr antun würde. „Sie hatte angegeben, dass sie Angst davor hatte, dass er sie umbringen würde“, sagte die Polizeibeamtin am Montag.
Dabei schien die Beziehung zwischen den beiden anfangs gut gewesen zu sein, schilderte eine Nachbarin im Zeugenstand. „Man hatte zunächst den Eindruck, dass sie glücklich war.“ Aber mit der Zeit habe sich die Geschädigte verändert. „Man hat sich nicht mehr gegrüßt. Das Lachen in ihrem Gesicht war weg“, sagte die Nachbarin. Schließlich habe sie irgendwann zunächst ein Kopftuch getragen, danach eine Burka. „Man hat nur noch ihre Augen durch die Schlitze gesehen. Ansonsten war sie komplett vermummt.“
Auch die Polizei sei öfter da gewesen. Schließlich habe der Angeklagte Hausverbot erteilt bekommen. Das habe sie von der Polizei erfahren. Trotzdem habe sie ihn öfter im und vor dem Haus gesehen, sagte die Nachbarin. Auch, als die Geschädigten nicht mehr in der Wohnung waren Die Verhandlung wird am Dienstag, 24. Februar, um 13:30 Uhr fortgesetzt.
Der 29 Jahre alte Angeklagte hat im Prozessauftakt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eingeräumt. Er habe allerdings keine Tötungsabsicht gehabt, so der Deutsch-Algerier, der ursprünglich aus Pforzheim kommt, und vor seiner Haft keinen festen Wohnsitz hatte. Der Angeklagte ist mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft. Unter anderem hat er auch den ältesten Sohn seiner Exfreundin geschlagen. Deswegen sitzt er derzeit in Strafhaft. Als Grund für seine Gewalttaten gab der Angeklagte seinen immensen Drogenkonsum an.
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