Stimme+
Versuchter Mord
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Frau nach Prügelorgien kaum wiederzuerkennen – Verwandte sagen in Heilbronn aus

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Mehr als einen Tag lang soll ein 29 Jahre alter Deutsch-Algerier seine Exfreundin aus dem Frauenhaus in Künzelsau entführt und brutal verprügelt haben. Im Prozess vor dem Heilbronner Landgericht sagten am Donnerstag weitere Zeugen aus.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

„Ich kenne meine Mutter als eine schlaue und hübsche Person. Das ist sie jetzt leider nicht mehr“, sagte der älteste Sohn des Opfers vor der ersten Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts. Sie sei gezeichnet von den Prügeln, die der Angeklagte ihr verpasst habe, so der 18-Jährige.

Laut Staatsanwalt Sven Güttner soll der Angeklagte seine Exfreundin am 15. Juni 2025 aus dem Frauenhaus in Künzelsau entführt, halb nackt durch die Stadt gezerrt und über fast zwei Tage hinweg mit Fäusten geschlagen und mit Füßen auch ins Gesicht getreten haben. Güttner wirft dem Angeklagten versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor.

Sohn in Heilbronn: Mutter versteckte blaues Auge hinter einer Sonnenbrille

Häusliche Gewalt war offenbar schon vorher an der Tagesordnung. 2024 ist der Angeklagte bei seiner Exfreundin eingezogen. Anfangs habe er einen sympathischen Eindruck gemacht, so der Sohn. „Drei Monate später hat es angefangen.“ Mit Sonnenbrille sei sie in der Wohnung herumgelaufen. Darunter habe sie ein Veilchen versteckt. Seine Mutter habe abgewiegelt und von einem „Ausrutscher“ gesprochen.

Ins Frauenhaus ist die Geschädigte am 8. Mai 2025 geflohen, weil der Angeklagte sie zuvor in der gemeinsamen Neckarsulmer Wohnung zusammengeschlagen und misshandelt haben soll. Mutter und Onkel holten sie aus der Wohnung. „Sie stand bibbernd hinter der Glastüre“, erinnerte sich der 70 Jahre alte Neckarsulmer im Zeugenstand. „Sie war fix und fertig. Ihr Gesicht war total angeschwollen und voller Blut.“

Mehrfach soll ein 29 Jahre alter Mann seine Exfreundin brutal zusammengeschlagen haben. Unter anderem wegen versuchten Mordes steht der Angeklagte jetzt vor Gericht.
Mehrfach soll ein 29 Jahre alter Mann seine Exfreundin brutal zusammengeschlagen haben. Unter anderem wegen versuchten Mordes steht der Angeklagte jetzt vor Gericht.  Foto: Berger, Mario

Laut Anklage soll der Exfreund unter anderem mit Staubsaugerrohr und Stabtaschenlampe zugeschlagen haben. Er habe außerdem eine brennende Zigarette auf ihrem Hals ausgedrückt und sie bis zur Ohnmacht gewürgt. Seine Nichte habe ihm an diesem Tag von einer Eisenstange erzählt, sagte der Onkel der Geschädigten. Er habe sie sofort zu seiner Frau gebracht, die Polizei und Krankenwagen gerufen habe. Seit sie mit dem Angeklagten zusammen ist, sei sie nicht mehr wie früher. Er bezeichnete die einstige „Powerfrau“ als „zurückgezogen und kontaktscheu“. Außerdem habe sie plötzlich ein Kopftuch getragen. 

Prozess in Heilbronn: Angeklagter soll auch Sohn seiner Exfreundin geschlagen haben

Zu diesem Zeitpunkt hatte der älteste Sohn den Kontakt zu seiner Mutter bereits abgebrochen. Er sei zu seiner Freundin gezogen, nachdem der Angeklagte ihn in der Wohnung auf den Boden geworfen und mit Fäusten auf den Hinterkopf und ins Gesicht geschlagen habe. Damals habe er gedacht, das könne so nicht weitergehen und sei dazwischen gegangen, als der Angeklagte handgreiflich gegen seine Mutter geworden sei, sagte der Zeuge. Der Sohn hat darauf Anzeige gegen den Exfreund erstattet.

Nach der Entführung aus dem Frauenhaus und der knapp zweitägigen Misshandlung in Künzelsau Mitte Juni habe er seine Mutter im Krankhaus besucht. „Ich habe sie kaum wiedererkannt.“ 

Mitbewohnerinnen im Frauenhaus hatten am Abend des 15. Juni einen Mann und die Geschädigte vor der Eingangstüre gesehen. Sie habe ein blutverschmiertes Gesicht gehabt und bis auf Schuhe und Unterhose keine Kleidung mehr getragen. Eine der Zeuginnen sagte, sie habe gehört, wie der Mann gesagt hat, sie solle sich ausziehen. Daraufhin habe der Mann sein Opfer weggezogen. Im Eingangsbereich waren Blutspuren am Boden und an der Wand.

Zeugin in Heilbronn: Mann hat seinem Opfer gesagt, dass sie sterben würde

Eine Zeugin, die gegen 24 Uhr die beiden von ihrem Fenster aus in Künzelsau gesehen hatte, sagte, sie habe Blut im Gesicht der Frau gesehen. Der Mann soll gesagt haben, dass die Frau sterben würde. Sie habe Schläge gehört und gesehen, wie der Mann die Frau festgehalten habe. Sie habe vergeblich versucht, sich loszureißen.

Als Folge der Verletzungen hat das Opfer offenbar Erinnerungsverluste. „Sie wusste nicht mehr, wann ich Geburtstag habe“, sagte der Sohn. Und sie könne nicht mehr richtig lesen, weil sie einzelne Worte nicht erkenne. Bis heute ist offenbar das rechte Auge des Opfers geschädigt. Mehrere Verwandte sagten am Donnerstag, dass sie mit diesem Auge nicht mehr richtig scharf sieht und auch das Gesichtsfeld eingeschränkt ist.

Auch psychisch hat sich die Geschädigte offenbar bis heute nicht erholt. „Der Prozess belastet sie sehr“, sagte ihre Anwältin Tanja Haberzettl-Prach. Als ihre Mandantin die Ladung für ihre Zeugenaussage zugestellt bekam, habe sie eine Panikattacke gehabt.

Zum Prozessauftakt Ende vergangene Woche hat der Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt. Eine Tötungsabsicht habe er aber nicht gehabt, sagte er. Die Taten führte er auf seinen Drogenkonsum zurück. Normalerweise sei er nicht so. „Ich würde niemals einem geliebten Menschen so etwas antun.“ Die Geschädigte trug schwere Verletzungen davon. Neben einer Vielzahl an Hämatomen, Schwellungen und Schürfungen an Kopf, Gesicht und Körper soll sie eine akut lebensgefährliche Gehirnblutung sowie eine Schädigung des rechten Auges erlitten haben, an der sie offenbar bis heute leidet.




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben